Mercedes-Werk in Ungarn wächst zum europäischen Top-Standort heran
SÜDWEST24 Verbraucher Mobilität Europas mächtigste Autofabrik steht nicht mehr in Deutschland – und das hat Gründe Von: Susanne Gellner Ein Milliarden-Euro-Bau, 1.200 Roboter, Europas größtes Autowerk – und das alles mitten in einer unscheinbaren Stadt in Ungarn. Was dort entstanden ist, lässt Deutschland alt aussehen. Mercedes setzt auf ein neues Flaggschiff für den Konzern – allerdings nicht in Deutschland. In Kecskemét, einer mittelgroßen Stadt in Ungarn, steht seit Juli 2026 ein erweitertes Mercedes-Benz-Werk, das in Europa seinesgleichen sucht und die Mobilität voranbringen soll. Die Dimensionen sind so gewaltig, dass man sie kaum glauben mag – bis man die Zahlen sieht. Vier Jahre Bauzeit, rund eine Milliarde Euro Investitionen – das sind die Benchmarks von Mercedes in Ungarn. Während an deutschen Mercedes-Standorten Kosten gesenkt, Kapazitäten angepasst und Stellen abgebaut werden, wächst der Standort Kecskemét zur europäischen Schaltzentrale des Konzerns heran. Wo steht das größte Mercedes-Werk der Welt? Das Mercedes-Werk in Kecskemét ist nach dem offiziellen Abschluss der Erweiterung das größte Mercedes-Werk in Europa und das zweitgrößte weltweit. Der ungarische Standort gewinnt im europäischen Produktionsnetzwerk also deutlich an Gewicht. Laut dem ungarischen Magazin „Világgazdaság“ wuchs die Fläche in Kecskemét durch den Ausbau von 200 auf 440 Hektar – das entspricht rund 620 Fußballfeldern. Mehr als 5.000 Menschen arbeiten dort. Um zu verstehen, was 440 Hektar bedeuten: Das ist mehr als doppelt so viel Fläche wie zuvor. Neu entstanden sind ein zweites Presswerk, eine Karosserieanlage, eine Lackieranlage, eine Montagehalle und eine Batteriemontage. Besonders ins Auge fällt die neue Lackieranlage: 50.000 Quadratmeter groß, vollständig gasfrei, ohne einen einzigen Kubikmeter Erdgas – alle Prozesse laufen elektrisch. Laut „Világgazdaság“ spart die neue Technologie jährlich mehr als 20.000 Megawattstunden Energie, was dem Jahresstromverbrauch von rund 6.000 Einfamilienhäusern entspricht. Eine vergleichbare Anlage befindet sich bislang nur in Sindelfingen im Aufbau. Aber Mercedes ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das massiv in Ungarn investiert – auch Bosch baut drastisch ab und verlagert Teile seiner Produktion dorthin. Welcher Mercedes wird in Ungarn gebaut? In Kecskemét wird seit Juli 2026 die erste rein elektrische Mercedes-C-Klasse in Serie gebaut – der Einstieg in eine neue Ära für den Standort. Zusätzlich läuft dort bereits der elektrische GLB vom Band. Für die Zukunft ist geplant, dass der kompakte Ableger der G-Klasse ausschließlich in Ungarn produziert wird. Die wichtigsten Fakten zu Mercedes in Ungarn: Europas größtes Mercedes-Werk: Das Werk in Kecskemét ist nach einer rund eine Milliarde Euro teuren Erweiterung auf 440 Hektar (rund 620 Fußballfelder) gewachsen – und damit das größte Mercedes-Werk in Europa. 1.200 Roboter im Karosseriewerk: Im 65.000 Quadratmeter großen Karosseriewerk arbeiten 1.200 Roboter mit über 14 verschiedenen Verbindungstechnologien – darunter Laserschweißen und Laser-löten. Wegweisende Lackieranlage: Die 50.000 Quadratmeter große Lackieranlage ist vollständig gasfrei und spart jährlich über 20.000 Megawattstunden Energie – eine vergleichbare Anlage entsteht bislang nur in Sindelfingen. Neue Elektromodelle made in Hungary: Seit Juli 2026 läuft in Kecskemét die erste rein elektrische C-Klasse vom Band – ergänzt durch den elektrischen GLB und perspektivisch den kompakten G-Klasse-Ableger. Druck auf den deutschen Standort: Während Kecskemét zur europäischen Schaltzentrale aufsteigt, bauen deutsche Mercedes-Werke Kapazitäten und Stellen ab – ein Trend, der die Belegschaft in Deutschland zunehmend unter Druck setzt. Im Karosseriewerk arbeiten unterdessen 1.200 Roboter auf einer Fläche von 65.000 Quadratmetern – das entspricht 15 Fußballfeldern. Die Maschinen führen mehr als 14 verschiedene Verbindungstechnologien aus, darunter Laserschweißen und Laserlöten. Ist eine Karosserie fertig, trägt sie bereits 15 Kilogramm Lack und 130 Meter Dichtungsmasse. (sg)