Mercedes will offenbar 800 Millionen Euro an Arbeitskosten sparen
Allmählich bekommen die Umrisse des Sparprogramms bei Mercedes-Benz Konturen. Wie die »Wirtschaftswoche« unter Berufung auf Insider berichtet, will der Vorstand mindestens 800 Millionen Euro an Arbeitskosten sparen.
Denkbar sei demzufolge neben Mehrarbeit, Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu kürzen oder Sonderzahlungen zu streichen. Ein Sprecher des Unternehmens habe die Zahl mit Hinweis auf laufende Gespräche nicht kommentieren wollen. Mercedes-Chef Ola Källenius fordert von den Beschäftigten unbezahlte Mehrarbeit und will die seit drei Jahrzehnten geltende 35-Stunden-Woche abschaffen. Der Vorstand hatte die Pläne der Belegschaft bereits im Juni in einem Brief angekündigt.
Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali ist nur laut »Wirtschaftswoche« damit beschäftigt, eine Kompromisslinie auszuloten. Sein Vorschlag laufe darauf hinaus, dass die Belegschaft wöchentlich zwei Stunden mehr arbeiten könne – befristet auf zwei Jahre. Aber nur, wenn Mercedes im Gegenzug investiere, Produkte zusage und man Jobs und Standorte in Deutschland erhalte.
Mercedes hat Aufbauwerke in Sindelfingen bei Stuttgart, Rastatt und Bremen. Antriebe und Komponenten werden unter anderem im Stammwerk Untertürkheim, Berlin und Hamburg gefertigt.
Der Betriebsrat reagierte scharf. Wer mit Werksschließungen drohe, müsse mit »entschiedenem Widerstand« rechnen, erklärte eine Sprecherin. Die Arbeitnehmervertretung wolle die deutschen Standorte mit neuen Produkten, Technologien und Innovationen sichern – und sei dafür gesprächsbereit. Allerdings können Vorstand und Betriebsrat keinen Beschluss ohne Einverständnis der IG Metall fassen. Denn die 35-Stunden-Woche ist Element des Tarifvertrags.
Der Vorschlag von Lümali dürfte dem Mercedes-Vorstand ohnehin nicht weit genug gehen. Denn der lukrative Verkaufszeitraum für neue Modelle beträgt rund sieben Jahre. Die Befristung müsste folglich länger andauern. »Noch ist offen, ob am Ende überhaupt eine Einigung herauskommt«, zitiert die »Wirtschaftswoche« einen Insider – klar aber sei schon heute: »Selbst mit einer Einigung wird es schwer, den Status quo an allen Standorten zu erhalten.«