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Mercedes-Zulieferer insolvent: 300 Jobs in Gefahr

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Mercedes-Zulieferer insolvent: 300 Jobs in Gefahr – jetzt droht unbefristeter Streik

Von: Marcel Reich

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Der Mercedes-Zulieferer Aios steckt in der Insolvenz. Fast 300 Jobs stehen auf dem Spiel. Nun droht ein unbefristeter Streik – und das Gericht setzt eine Frist.

München – Die Krise der deutschen Autoindustrie trifft den nächsten Zulieferer: Die Automotive Integrated Overhead Systems GmbH (Aios), die Dachhimmel für Mercedes-Benz produziert, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Knapp 300 Arbeitsplätze an drei Standorten sind betroffen. Nun droht zusätzlich ein unbefristeter Streik.

Wie der Saarländische Rundfunk (SR) berichtet, will die IG Metall ihre Mitglieder über einen Arbeitskampf abstimmen lassen. Das Ergebnis soll am Montag (26. Oktober) vorliegen. Rund 170 Beschäftigte kamen am Samstag zu einer Mitgliederversammlung zusammen. Gewerkschafter Ralf Cavelius sieht in einem Streik nach eigenen Angaben die einzige Möglichkeit, Einfluss auf das Insolvenzverfahren zu nehmen.

Mercedes-Zulieferer Aios insolvent: Drei Standorte betroffen

Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt in Überherrn-Altforweiler im Saarland. Dort arbeiten rund 240 Menschen. Weitere Beschäftigte sind an kleineren Standorten in Bremen und Sindelfingen bei Stuttgart tätig. Aios fertigt Dachhimmel und andere Komponenten für den oberen Bereich des Fahrzeuginnenraums, unter anderem für Mercedes-Benz.

Nach Gewerkschaftsangaben strebt die Geschäftsführung ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Eine veröffentlichte Bekanntmachung des Amtsgerichts Bremen vom 23. Oktober bestätigt, dass das Unternehmen unter Aufsicht einer vorläufigen Sachwalterin weitergeführt werden darf. Zugleich setzte das Gericht eine Frist von drei Monaten zur Vorlage eines Insolvenzplans. Das Verfahren ist damit noch nicht endgültig eröffnet.

Eigenverwaltung bedeutet, dass die bisherige Führung die Sanierung grundsätzlich selbst steuert. Die Insolvenz ist deshalb nicht mit einer Betriebsschließung gleichzusetzen. Ob die Standorte dauerhaft erhalten werden können, ist derzeit offen.

IG Metall erhebt Vorwürfe gegen die Geschäftsführung

Die finanzielle Schieflage zeichnet sich seit Monaten ab. Laut IG Metall informierte die Unternehmensleitung die Belegschaft im Juni über ein mögliches Insolvenzverfahren. Im August habe es Schwierigkeiten mit Lohn- und Gehaltszahlungen gegeben. Zudem warf die Gewerkschaft der Führung vor, dem Betriebsrat ausreichende Einblicke in die Geschäftszahlen zu verweigern.

Im September legten Beschäftigte bei einem ganztägigen Warnstreik die Arbeit nieder. Die IG Metall fordert einen Sozialtarifvertrag, um Arbeitnehmer bei möglichen Einschnitten abzusichern. Die Geschäftsführung wies damals den Vorwurf zurück, entsprechende Gespräche zu verweigern.

Jetzt kritisiert die Gewerkschaft, dass weiterhin ein tragfähiges Zukunftskonzept fehle. Sie äußert Zweifel, ob die Führung eine dauerhafte Sanierung anstrebe. Eine unabhängige Bestätigung dieser Einschätzung liegt bislang nicht vor.

Eigentümerwechsel vor der Insolvenz

Der Zulieferer blickt auf eine lange Industriegeschichte zurück. Nach Angaben auf seiner Website werden am Standort seit 1986 Formteile für Autos produziert. Der Betrieb gehörte zwischenzeitlich unter anderem zu Johnson Controls und Nobo Automotive. 2024 übernahm ihn der Investor Callista Private Equity; anschließend erhielt er den Namen Aios.

Inzwischen führt die Münchner Beteiligungsgesellschaft Accursia Capital den Zulieferer in ihrem Portfolio und nennt 2026 als Kaufjahr. Das Unternehmen ist auf Firmen mit Restrukturierungsbedarf spezialisiert. Was die jüngsten Eigentümerwechsel mit der finanziellen Schieflage zu tun haben, lässt sich aus den verfügbaren Informationen nicht ableiten. (Saarländischer Rundfunk, AIOS-Webseite) (mare)

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