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Merz sieht sich als Kanzler der jungen Generation

Nation

Friedrich Merz steht derzeit unter großem politischen Druck. Kraft tankt er bei einem Wohlfühltermin: Auf einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung kommt der Bundeskanzler mit jungen Menschen ins Gespräch. Und er gibt ihnen ein Versprechen.

Am 15. September 1949 wurde Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er blieb es 14 Jahre. Die Bundesrepublik hat er aufgebaut, dem Land die Marktwirtschaft und die Westbindung verordnet, Adenauer hat es geprägt wie kaum ein anderer.

Am 15. September 2026 regiert Friedrich Merz das Land. Auch er ist CDU-Mitglied, auch er hat große Pläne für Deutschland. Doch schon nach 16 Monaten im Amt wird über seine Zukunft diskutiert. Wegen desaströser Umfrageergebnisse und Wahlergebnisse und wegen einer zunehmend nervösen Partei.

Um die Parallelen zwischen Merz und Adenauer geht es am Dienstag in einem Kellergewölbe in Berlin. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung hat 2026 zum Jubiläumsjahr erklärt: Vor 150 Jahren wurde ihr Namensgeber in Köln geboren, am 15. September 1949 trat der Gründungskanzler wie erwähnt das Amt an. Und an diesem Abend spricht der aktuelle Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Merz aus diesem Anlass mit jungen Menschen über die Frage, wie ihre Zukunft aussieht.

Der Kanzler will "Wohlstand für alle Generationen"

Merz hat sich dafür anderthalb Stunden Zeit genommen, obwohl er gerade auch damit beschäftigt ist, seine Kanzlerschaft zu retten. Zu Beginn beschreibt er die Parallelen zur Adenauer-Zeit. Auch damals habe es "ganz fundamentale Auseinandersetzungen" in der westdeutschen Politik gegeben: über die Wirtschaftsordnung und über die Stellung Deutschlands zwischen Ost und West. Themen, die auch heute mit der Wirtschaftskrise und dem russischen Krieg gegen die Ukraine wieder die Gesellschaft aufwühlen.

Um Merz herum sitzen junge Stipendiaten der Adenauer-Stiftung, Studierende, Auszubildende. Es ist eine Generation, um die sich der Kanzler nach eigener Aussage besonders viele Gedanken macht. Zur Adenauer-Zeit hatte der damalige Wirtschaftsminister und spätere Kanzler Ludwig Erhard noch "Wohlstand für alle" versprochen. Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs sollte es für alle Menschen in der Bundesrepublik beständig bergauf gehen.

"Für meine Generation ist das Versprechen eindrucksvoll eingehalten worden", sagt Merz. Doch für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen von heute sei das viel schwieriger. Der Kanzler hat das Erhard-Ziel deshalb für sich weiterentwickelt: Wohlstand für alle Generationen. Er mache auch aus dem Grund Politik, "weil ich mich dieser Generation verpflichtet fühle", sagt Merz. Die Generation seiner Kinder und Enkelkinder soll einmal die Perspektive haben, die seine eigene Generation hatte.

Merz bekennt sich zur Rentenreform

Danach haben die Gäste die Möglichkeit, dem Bundeskanzler Fragen zu stellen. Es geht um Staatsfinanzen und Verteidigungsfähigkeit, um Wettbewerbsfähigkeit und knappen Wohnraum. Eine junge Ökonomin vom Ifo-Institut spricht Merz auf die Rentenreform an. Sie soll das Rentensystem so verändern, dass die Kosten nicht immer nur auf den Staatshaushalt und die aktuell junge Generation abgewälzt werden. Aber sowohl in der Kanzlerpartei CDU als auch beim Koalitionspartner SPD gibt es Absetzbewegungen von den Vorschlägen der Rentenkommission.

"Ja, ich möchte diese Reform durchsetzen", bekräftigt der Kanzler. Die Ökonomin bleibt hartnäckig, will wissen, ob er das verspreche. Merz antwortet etwas kompliziert: "Das ist ein Versprechen, den Versuch zu unternehmen, das umzusetzen", sagt er. Denn was am Ende im Gesetz stehe, entscheide nun einmal der Bundestag, nicht der Bundeskanzler. Dann betont er aber doch noch einmal: "Das wird ein Kraftakt werden, aber ich möchte es erreichen."

"Eine Zeit, die verdammt nicht einfach ist"

Der Kanzler im direkten Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern: Das hat sich in der Vergangenheit schon als riskante Konstellation erwiesen. Im April fuhr Merz eine krebskranke Frau auf einer Veranstaltung in Sachsen-Anhalt an und sagte, sie dürfe keine Falschbehauptungen über die Bezüge der Bundesregierung weitergeben. Einer Kinderärztin hielt er im August im Fernsehstudio entgegen, ihre Kritik an der Krankenkassenreform gehe zu weit.

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Bei dem Termin der Konrad-Adenauer-Stiftung bewegt sich Merz dagegen auf sicherem Terrain. Die jungen Menschen sind höflich, die vorgelegten Themen sind Kernanliegen der CDU. Und Merz ist offenbar entschlossen, an diesem Abend nicht aus der Haut zu fahren. Häufig bekommt er Applaus.

Während der Veranstaltung läuft eine Eilmeldung über die Nachrichtenticker: Seine Reise zur UNO-Generalversammlung in New York hat der Kanzler abgesagt. Die innenpolitische Lage ist dringlicher. Seine eigene Situation, die Unbeliebtheit, die aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung: Das alles nagt an Merz, so viel scheint festzustehen. Doch der Kanzler macht in diesen Tagen und vor allem an diesem Abend nicht den Eindruck, dass er leichtfertig aufgeben will. Beim Publikum bedankt er sich zum Schluss für die Fragen, für die höfliche Diskussion: "Das gibt mir ein Stück Kraft in einer Zeit, die verdammt nicht einfach ist", sagt Merz.

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