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Messi-Magie - Argentinien feiert Sensations-Comeback gegen Ägypten

Sport

Nach Toren von Yasser Ibrahim (15. Minute) und Mostafa Zico (67.) hatte es schon so ausgesehen, als würde Ägypten den Weltmeister aus dem Turnier schmeißen. Doch dann folgten große Messi-Momente. Der Superstar, der in der ersten Hälfte noch vom Elfmeterpunkt gescheitert war, bereitete erst das 1:2 von Cristian Romero vor (79.), dann traf er selbst zum Ausgleich (83.). Enzo Fernandez machte schließlich das sensationelle Comeback perfekt und schoss Argentinien doch noch ins Viertelfinale (90.+2). Trainer Lionel Scaloni musste das Interview nach dem Schlusspfiff abbrechen: "Ich kann nicht mehr. Das ist zu viel. Was für eine Gruppe an Spielern! Ich kann nicht mehr, ich muss aufhören. Es tut mir leid." Siegtorschütze Fernandez jubelte: "Es ist unglaublich. Dafür lebe ich. Es ist ein großes Privileg für mich." Dann dankte er mit emotionalen Worten seiner Mannschaft: "Es ist unfassbar, wie gut wir spielen und wie viel wir kämpfen." Ägypten trifft per Kopf, Messi vergibt vom Punkt Es war ein Spiel, in dem der erste Eindruck trog. Denn die Ägypter - zunächst ganz tief in der eigenen Hälfte verbarrikadiert - machten nach wenigen Minuten klar: Sie hatten sich doch mehr vorgenommen, als nur das eigene Tor zu verteidigen. Es war fortan ein selbstbewusster Auftritt des Underdogs, der sich für seinen Mut prompt belohnte. Marwan Attia flankte und Innenverteidiger Ibrahim gewann nicht nur das Duell gegen Lisandro Martinez, sondern köpfte auch noch unhaltbar ein (15.). Argentinien war nun gefordert - und hätte fast direkt reagiert. Denn als Haissem Hassan Nicolas Tagliafico im Strafraum abräumte, war der Elfmeter ebenso unstrittig wie sein Schütze: Messi schritt zum Punkt - und zeigte, dass es doch eine Disziplin gibt, in der er antastbar ist. Kurz darauf jubelte nämlich nicht der 39-jährige Superstar über seinen achten Turniertreffer, sondern Ägypten-Keeper Mostafa Shobeir über seine Parade (21.). Es war - nach dem Fehlschuss in der Gruppenphase gegen Österreich - bereits sein zweiter vergebener Strafstoß bei diesem Turnier, der vierte insgesamt bei Weltmeisterschaften (bei acht Versuchen). Und so sicherte sich Messi, der sonst erfolgreich wie kein anderer Bestmarken jagt, unfreiwillig auch einen Negativrekord: Häufiger verschoss kein anderer Spieler bei Weltmeisterschaften. Ägypten-Keeper Shobeir hält und hält Shobeirs Selbstbewusstsein wurde nach dieser Aktion spürbar noch größer. Und das half in den nächsten Minuten. Denn Ägyptens 26-jähriger Schlussmann stand nun häufiger im Mittelpunkt, als ihm lieb gewesen sein dürfte: Er hielt einen Kopfball von Alexis Mac Allister, entschied bei einem Messi-Freistoß an den Pfosten zurecht, nicht an den Ball zu gehen (wäre aber da gewesen) - und zeigte dann bei einem Schuss von Julian Alvarez aus zehn Metern mit einem Weltklassereflex sein Meisterstück (39.). Argentinien drängt Ägypten immer weiter zurück Argentinien hatte das Spiel inzwischen komplett auf seine Seite gezogen, auch wenn Ägypten weiter intensive Gegenwehr lieferte. So las sich eine zentrale Statistik am Ende der ersten Hälfte eigentlich wie gewohnt: Die Südamerikaner hatten acht Torschüsse abgegeben - an sechs von ihnen war Messi beteiligt. Für Ägypten stand gerade einmal einer zu Buche. Aber eben auch weiterhin das einzige Tor des Spiels. Der Weltmeister ließ den Außenseiter nach der Pause (fast) nicht mehr aus der Umklammerung. Messi und Co. drängten vehement auf den Ausgleich, Ägyptens Superstar Mo Salah fungierte längst als erster Verteidiger. Ein Versuch aus der Distanz von Rodrigo de Paul war aber zunächst der einzige Torabschluss - und da hatte Shobeir schon andere Herausforderungen gemeistert (48.). Salah und Co. kontern furios Gefährlicher wurden da die Ägypter - mit Kontern, die das Prädikat 'traumhaft' mehr als verdienten. Schon in der 58. Minute bejubelten die Nordafrikaner das 2:0, nachdem Hassan unaufhaltsam über drei Viertel des Spielfelds gesprintet war, Salah fand und Zico dessen perfekt getimten Pass ins Tor chippte. Doch der VAR schaltete sich ein. Ein Foul ganz zu Beginn des Angriffs, an der ägyptischen Eckfahne, verhinderte zurecht, dass der Treffer zählte (58.). Zehn Minute später war es dann aber so weit. Wieder war das Umschaltspiel hervorragend, wieder waren Salah und Hassan beteiligt, wieder landete der Ball am Ende bei Zico und wieder traf er. Dieses Mal zählte das 2:0. Großes argentinisches Comeback Argentinien stand plötzlich ganz dicht vor dem Aus. Und konnte sich in diesem Moment - mit dem Rücken zur Wand - erneut auf Messi verlassen. Der 39-Jährige lieferte auf seine unnachahmliche Art und Weise. Erst köpfte Cristian Romero eine Messi-Flanke von der rechten Seite zum 1:2 ein (79.), dann traf der Superstar selbst. Aus dem Gewühl zimmerte er einen Flipper-Ball aus zehn Metern zum 2:2 unter die Latte (83.). Mit seinem achten Turniertor setzte er sich vor Kylian Mbappé und Erling Haaland an die Spitze der WM-Torschützenliste bei dieser WM. Seinen Gesamtrekord baute er auf 21 Treffer aus. Und den Argentiniern sollte noch die komplette Wende gelingen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit trieb Lautaro Martinez den Ball auf der rechten Seite nach vorne, flankte und im Zentrum stand Enzo Fernandez in der Luft und köpfte ins rechte Eck. Trainer Scaloni rieb sich ungläubig das Gesicht, während um ihn herum der argentinische Jubel losbrach. Die Ägypter protestierten hingegen wild, hatten zu Beginn der Umschaltaktion ein Foul im Strafraum gesehen. Der französische Schiedsrichter Francois Letexier verteilte Gelbe Karten, an seiner Entscheidung änderte er nichts. So war alles bereit für die Argentinien-Party. Messi umarmte nach Schlusspfiff - mit einem Lächeln auf den Lippen und Tränen in den Augen - seine Mitspieler. Und als er schließlich im Kreis seiner bereits ausgelassen hüpfenden Mannschaft ankam, dauerte es nur wenige Sekunden, bis sie ihn in die Höhe hob, um ihn mehrfach in die Luft zu werfen. "Ehrlich gesagt gibt es kaum noch Worte, um ihn zu beschreiben. Er ist eine Legende, der beste Spieler der Welt - der Geschichte", sagte Alvarez über seinen Kapitän. Kommt's nun zu einem Südamerika-Duell? Im Viertelfinale könnte es für Argentinien nun zum Südamerika-Duell mit Kolumbien kommen. Die "Cafeteros" treffen am späten Abend auf die Schweiz (22 Uhr MESZ) und ermitteln den Gegner von Messi und Co. in der Runde der letzten Acht. Fest steht bereits: Die europäischen Zuschauer müssen lange wachbleiben, wenn sie das Viertelfinale nicht verpassen wollen. Anstoß ist am Sonntag, 12. Juli, um 3 Uhr (Ortszeit: Samstag, 20 Uhr). Gespielt wird in Kansas City.

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