Messi-Schreck Cabral spielte mit Köln in Deutschlands 3. Liga | WM 2026
Zwei Stationen in Deutschland Messi-Schreck spielte letztes Jahr noch in der 3. Liga Von t-online, JaS Aktualisiert am 04.07.2026 - 04:51 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Kap Verde hatte Weltmeister Argentinien am Rande des Ausscheidens. Das lag auch an einem Außenverteidiger mit einem bemerkenswerten Karriereverlauf. Am Ende eines an Spannung kaum zu überbietenden Spiels setzte sich Argentinien im Sechzehntelfinale der WM in der Verlängerung mit 3:2 gegen Kap Verde durch. Allein die Tatsache, dass der Außenseiter den Weltmeister in die Verlängerung zerrte, kam einer Sensation gleich. Auch in den zusätzlichen 30 Minuten kämpften die Afrikaner leidenschaftlich – und trafen in Person von Sidny Lopes Cabral herrlich. Es lief die 103. Minute, als der Linksverteidiger links in den argentinischen Strafraum dribbelte und von der Sechzehnerkante abzog. Schlussmann Emiliano Martínez streckte sich vergebens, der Ball schlug oben rechts im Winkel ein. Ein Traumtor, der 2:2-Ausgleich, gegen den Weltmeister – nur logisch, dass der Jubel bei Cabral keine Grenzen kannte. Er stürmte auf die Tribüne, seine Mitspieler scheiterten ebenso wie Argentiniens Verteidiger wenige Sekunden zuvor daran, den Linksverteidiger zu halten. Auf der Tribüne jubelte er inmitten der Fans mit einer Frau. "Das Größte, was ich je erlebt habe": Ägypten-Star Salah weint nach historischem Spiel Möglicher Nachfolger von Nagelsmann: Klopp gibt Einblick in Gespräche mit dem DFB Während noch unklar ist, mit wem genau der Torschütze seinen bemerkenswerten Treffer da gefeiert hat, steht etwas anderes außer Frage: Cabrals Weg auf diese ganz große Bühne ist kein gewöhnlicher. In diesem Sommer wechselt er zwar vom portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon zum türkischen Erstligisten Trabzonspor, doch vor gar nicht allzu langer Zeit spielte er noch in den Niederungen des deutschen Fußballs. Im Video | Plötzlich läuft der Torschütze auf die Tribüne Player wird geladen Von Februar 2022 bis Januar 2024 lief Cabral für Rot-Weiß Erfurt auf, stieg mit dem Klub aus der fünftklassigen Oberliga in die viertklassige Regionalliga auf. Es folgten anderthalb Jahre bei Viktoria Köln – mit dem Verein vom Rhein trat er in der 3. Liga an. Im Sommer 2025 wechselte der Linksverteidiger nach Portugal, wo seine Karriere so richtig Fahrt aufnahm. Es folgten die Transfers zu Benfica und Trabzonspor, sein Marktwert stieg laut "transfermarkt.de" von 350.000 Euro auf vier Millionen Euro. Auf diesem ungewöhnlichen Weg wurde aus dem Amateurfußballer ein Messi-Schreck – zumindest für ein paar Minuten. In Erfurt hat Cabral Müllsäcke als Vorhänge genutzt Es ist eine Entwicklung, die vor vier Jahren nicht abzusehen war. "Ich habe die ersten sechs Monate jeden Tag geweint. Jeden Tag", erinnerte sich Cabral kürzlich im Gespräch mit der "SZ" an seine Anfangszeit in Deutschland. "Mein erstes Training war im Winter, es regnete, es schneite, und ich musste in kurzer Hose, einem T-Shirt und einer Regenjacke trainieren. Ich habe so gefroren, dass ich dachte, ich würde krank." Rund 1.000 Euro im Monat habe er in Erfurt verdient. "Meine Wohnung war leer. Ich hatte keine Möbel, als Vorhänge habe ich Müllsäcke benutzen müssen. Ich wollte wirklich nach Hause", blickte Cabral zurück. Ans Aufgeben aber hat er nie gedacht. Im WM-Spiel gegen Argentinien zahlte es sich aus. Trotz des dramatischen Ausscheidens gegen Argentinien zählen Kap Verde und Cabral zu den ganz großen Überraschungen dieser WM. Die englische "Sun" ging sogar noch einen Schritt weiter. "Sidny Cabrals Tor in der Verlängerung wird als einer der größten Momente der WM-Geschichte in die Annalen eingehen", schrieb das britische Blatt. Und auch die Fans staunten in den sozialen Netzwerken. "Cabral mit dem schönsten Tor des Turniers. Unglaublich", kommentierte eine Person auf X. Cabral war damit letztlich auch ein Sinnbild seiner kompletten Mannschaft. Kap Verde nahm zum ersten Mal an einer WM-Endrunde teil und galt ob des 64. Platzes in der Weltrangliste als einer der größten Außenseiter des Turniers. Innerhalb der regulären Spielzeit blieb die afrikanische Nation aber über alle vier Spiele hinweg ungeschlagen, sogar gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien und gegen den amtierenden Europameister Spanien. Mats Hummels brachte auf X zum Ausdruck, was viele Fans während des packenden Sechzehntelfinals gedacht haben dürften. "Das war das beeindruckendste Spiel, das ich je von einem krassen Außenseiter gesehen habe", schrieb der Weltmeister von 2014. "Mein größter Respekt!"