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„Messiah“ in Kloster Eberbach - Was Ewigkeit für uns Sterbliche bedeutet

Allgemein

Startseite Kultur Musik „Messiah“ in Kloster Eberbach – Was Ewigkeit für uns Sterbliche bedeutet Von: Judith von Sternburg Uns auf Google folgen Georg Friedrich Händels „Messiah“ mit dem King’s Consort – von durchschlagender Zartheit beim Rheingau Musik Festival in Kloster Eberbach. Georg Friedrich Händels „Messiah“ zielt ins Herz der britischen Musiktradition. Allen deutschen Verbindungen und allem Hochmut gegenüber solchen Vereinnahmungen zum Trotz ist es am attraktivsten, dieses Großwerk in englischer Sprache zu hören. Zum United-Kingdom-Schwerpunkt des Rheingau Musik Festivals wurde zudem in Perfektion vorgeführt, woran das liegt. Weil das Leichte und ganz eigen Poetische des Englischen der Wucht gut ansteht. Englisch ist nicht einfach zu singen, aber dann klingt es hervorragend. Warum sollte man das allein im Pop für selbstverständlich nehmen, und nicht auch den tiefen Swing von „For unto us a Child is born,/unto us a Son is given“ genießen. In der Basilika von Kloster Eberbach waren hierfür zum zweiten Mal in Folge The King’s Consort und The Choir of the King’s Consort mit ihrem Gründer und Dirigenten Robert King zu Gast. War am Vorabend die Krönungsmusik für George II nachgestellt worden, war es jetzt zwar weniger originell, aber dafür noch viel ausgereifter. King und seine Musikerinnen und Musiker suchen dabei keine Extreme – auch wenn sie die Kontraste auskosten –, sondern einen fließenden, innigen Gesamtklang. Die Transparenz dabei hoch, nur 20 singen, nicht mal zu jeder Sekunde völlig homogen, sondern durchaus individuell, aber auch das trägt zum Durchhörbaren bei. Und vielleicht war es abgesprochen, dass sich die Männerstimmen zu einem wuchtigen Ausbruch hinreißen ließen, als die Strafe auf ihm (Jesus) lag, „auf dass wir Frieden hätten“. Nun ja, das sind ja auch gewaltige Ereignisse und Hoffnungen. Die sechs Soprane schwangen sich zu fulminant gleißender Höhe auf, als es galt, Gott in der Höhe alle Ehre zu erweisen. Die Altstimmen paritätisch und wie in England nicht selten mit Frauen und Männern besetzt, ein attraktiver Mehrwert an schillerndem Klang. Die Textnähe dabei insgesamt immens, eine Opernhaftigkeit, die nicht albern wirkte, sondern ausschließlich intensiv. Das Verklingen des „ever and ever“ vor dem finalen, wie immer etwas bodenständigen „Amen“, vermittelte überwältigend, wie nah der zu hundert Prozent sterbliche Mensch wenigstens in der Musik an die Ewigkeit kommen kann. Das Solistenquartett bot außerordentliche Ausdruckskraft, auch hier dicht entlang am Text und seiner adäquaten Darstellung. Allen voran Joshua Ellicott mit einer sensationell durchgefeilten Tenorpartie. Das war Weltklasse, dabei ohne Scheu vor Theatralik (ja, die Schmach brach ihm hör- und sichtbar das Herz, als da nicht einer war, zu trösten ihn). Was die Toten weckt Als Sopran bot Hilary Cronin eine große, goldene Stimme. Hilary Summers, die Seltenheit einer Kontraaltistin, übernahm die Altpartie, Marcus Farnsworths Bass war zur Stelle, als die Trompete erschallte, um die Toten aufzuwecken. Ein unheimlicher Vorgang, vor dessen Hintergrund man die Ewigkeit wohl tatsächlich lieber von einer bloß ästhetisch künstlerischen Seite erleben möchte. Die Solotrompete dazu: sagenhaft.

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