Meta schockt SAP und Jenoptik nicht - die Not von Zuckerberg
Es wirkte fast so, als klängen die Herbststürme an der Börse langsam ab. Böen aus dem fernen Südkorea, wo das kleine KI-Infrastrukturunternehmen Elice nach seinem ersten Börsengang am ersten Handelstag gleich 28 Prozent seines Wertes verlor, kamen an der Börse in Deutschland eher als zarter Windhauch an. Doch dann missfielen in den USA Metas Pläne den Anlegern. Die Meta-Aktie verlor am Donnerstag sieben Prozent, und der Technologieaktienindex Nasdaq 100 fiel um fast drei Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte September. Das ist schon eine größere Nummer auch für die Deutsche Börse, sollte man erwarten.
Was ist passiert? Der Meta-Konzern, zu dem Facebook, Whatsapp und Instagram gehören, plant in diesem Jahr nicht 130 Milliarden Dollar an KI-Investitionen, sondern 135 bis 145 Milliarden Dollar. Das ist eigentlich ein Klacks für „Fratzenbuch“, schließlich sprudeln die Werbeeinnahmen. Aber nachdem Meta seine leicht aufgestockten KI-Pläne veröffentlicht hatte, entwickelte sich daraus ein neuer KI-Herbststurm an den US-Börsen. Die Anleger warfen dort wieder die Frage auf: Wer soll all die KI-Investitionen bezahlen – vor allem die, die sich als unrentabler Fehlschlag herausstellen werden?
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Eine Nacht später ist von dem Herbststurm aus den USA an der Deutschen Börse allerdings erstaunlich wenig zu spüren. Der Dax hält sich am Freitag zunächst locker über der Marke von 25.000 Punkten fast auf Vorwochenniveau. Der größte Tagesverlierer, die Aktie des Triebwerkherstellers MTU, wird nicht von KI-Sorgen gebeutelt. Vielmehr hat der französische Safran-Konzern mit seinem Quartalsbericht die Erwartungen im Luft- und Raumfahrtantriebsgeschäft leicht verfehlt und die eigene Aktie mit einem Kursminus von sieben Prozent an die Spitze der Verlierer im Aktienindex Euro Stoxx 50 katapultiert.
Jenoptik liefert an ASML
Die Robustheit des Dax hat nicht nur damit zu tun, dass der deutsche Aktienmarkt zuvor nicht ganz so viele KI-Phantasie ausgelöst hat. Nein, KI treibt durchaus auch deutsche Aktien ins Auf und Ab. Anleger entdecken sogar immer wieder aufs Neue solche Aktien wie etwa Jenoptik. Dieses Unternehmen überraschte in dieser Woche positiv. Die Thüringer liefern hochpräzise Mikrooptiken unter anderem an Europas wertvollsten Börsenkonzern ASML aus den Niederlanden, dessen Lithographieanlagen für moderne KI-Chips wichtig sind. Jenoptik berichtete nun von einem Auftragsbestand von 1,1 Milliarden Euro, rund 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im M-Dax gehört die Aktie in dieser Woche zu den Gewinnern.
SAP kommt mit KI ins Rollen
Und im Dax hat sich Europas größter Software-Konzern SAP berappelt. KI sei ein wesentlicher Treiber für den Wechsel der Kunden in die Cloud, hob der SAP-Vorstand mit Bekanntgabe der Quartalszahlen hervor. Analysten erhöhten ihre Kursziele, weil der Auftragsbestand 25 Prozent höher liegt als vor einem Jahr. SAPs Angebot rund um KI komme ins Rollen, hieß es von Barclays. Spät, aber nicht zu spät? Der zuvor tief gefallene SAP-Kurs stieg erstmals seit Januar wieder auf mehr als 210 Euro.
Finanzinvestor EQT kauft Qiagen
Die bedeutsamste Nachricht für den deutschen Aktienmarkt lieferte Qiagen. Der Laborausrüster lässt sich wohl als erster Dax-Konzern für fast elf Milliarden Euro von Finanzinvestoren kaufen. Vorstand und Aufsichtsrat haben dem Angebot der schwedischen Private-Equity-Gesellschaft EQT schon zugestimmt. Eine außerordentliche Hauptversammlung muss nun noch zustimmen, dann wird das formal in den Niederlanden beheimatete Unternehmen Qiagen wohl im Verlauf des Jahres 2027 von der Börse genommen und damit vom Kurszettel verschwinden. Mit mehr als acht Milliarden Euro Börsenwert hat die Lufthansa derzeit mit die besten Chancen, für Qiagen nachzurücken und in den Dax zurückzukehren.
Neben KI beschäftigt die Anleger natürlich die Politik. Zweifel an Frankreichs Schuldentragfähigkeit, gerade auch nach den Unruhen am Wochenende, führten zu Verkäufen von Staatsanleihen, was die Renditen in die Höhe trieb. Frankreich muss Geldgebern gut 1,7 Prozentpunkte mehr als Deutschland bieten, wenn es sich jetzt für zehn Jahre Geld am Kapitalmarkt leihen will. Damit ist der Rekord aus der Finanzkrise übertroffen, in der Frankreich damals allerdings im Gegensatz zu Griechenland und Italien eher Gelder anzog.
Zuckerberg und die Steuer für Milliardäre in Kalifornien
Und in den USA stehen nicht nur am 3. November die Mid-Term-Wahlen für den Kongress an. Kaliforniens Wähler stimmen auch über eine einmalige Abgabe von fünf Prozent auf Milliardärsvermögen ab. Das führt uns zurück zu Meta-Chef Mark Zuckerberg. Der verfügt laut Bloomberg Billionaires Index, in dem Milliardäre mit ihrem geschätzten Nettovermögen geführt werden, nach dem Kurssturz von Donnerstag nun über 230 Milliarden Dollar und müsste – falls die neue Abgabe beschlossen werden sollte – 11,5 Milliarden Dollar zahlen. Das sind Geld- und damit verbundene Kontrollsorgen ganz eigener Art, auf die sich aber Lösungen finden lassen. Zumindest, wenn man Mark Zuckerberg heißt.
Der Facebook-Gründer erwog zunächst öffentlich, er könnte ja seinen Wohnsitz in Palo Alto aufgeben und aus Kalifornien wegziehen. Sein Problem: Die mögliche neue Steuer könnte Zuckerberg wohl nur begleichen, wenn er Meta-Aktien verkauft. Dann würden aber seine Stimmrechte von gut 60 Prozent auf geschätzt 53 Prozent sinken, und das ist natürlich nicht im Sinne des Facebook-Erfinders. Deshalb schafft Meta nun stimmrechtslose Aktien, jeder Aktionär bekommt für jede Aktie automatisch zusätzlich eine ohne Stimmrecht.
Damit wird man als Meta-Aktionär nicht reicher, der Wert der bisherigen Stimmrechts-Aktie sollte sich in etwa halbieren. Aber für Zuckerberg ist es willkommenes Spielgeld: Er erhält 342 Millionen stimmrechtslose Meta-Aktien, die er verkaufen kann, ohne dass sein Einfluss Schaden nimmt. Für den 42 Jahre alten Manager gelten zwar einige Sonderregeln. So darf er zunächst nur 20 Prozent verkaufen, und er hat sich auch verpflichtet, acht Jahre in Kalifornien zu wohnen, solange er Meta hauptberuflich führt. Aber diese Verpflichtungen wird Zuckerberg wohl verschmerzen können.