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Methan: Wie das Treibhausgas das Klima anheizt

Wissenschaft

Methanemissionen

Höllenfeuer der Klimakrise: Warum der Kampf gegen das Methan verschoben wird

Stand: 19.10.2026 14:31 Uhr

Methan ist ein unterschätzter Klimatreiber, dabei ließen sich viele Emissionen mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen verhindern. Wo das Gas entweicht, warum es so klimaschädlich ist und wie die EU gegensteuern will – es aber dann doch wieder verschiebt.

von Ottilie Wied

Insgesamt ist Kohlendioxid für den größten Teil der menschengemachten Erderwärmung verantwortlich. Dahinter folgt Methan: Auf das Konto dieses Treibhausgases gehen rund 30 Prozent des globalen Temperaturanstiegs seit Beginn der Industrialisierung. Um die Erderwärmung zu begrenzen und langfristig klimaneutral zu wirtschaften, hat die EU 2024 ein umfassendes Gesetz zur Verringerung von Methanemissionen im Energiesektor beschlossen.

Doch nun hat die EU-Kommission einen Vorschlag vorgelegt, die entsprechenden Nachweispflichten für Importe um ein Jahr zu verschieben. Doch was macht Methan so klimaschädlich? Wo entweicht das Gas und wie ließen sich die Emissionen verringern?

124 Millionen Tonnen – und ein großer Teil davon wäre vermeidbar

Allein 2025 sind weltweit schätzungsweise 124 Millionen Tonnen Methan bei der Förderung und Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle in die Atmosphäre gelangt. Das geht aus dem Global Methane Tracker 2026 der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor. Dazu kommt, dass ein großer Teil dieser Emissionen vermeidbar wäre: Rund 70 Prozent könnten nach Einschätzung der IEA mit bereits verfügbarer Technik verhindert werden. Dazu später mehr.

Zwischen undichten Pipelines und rülpsenden Kühen

Die wichtigsten Quellen menschengemachter Methanemissionen sind die Landwirtschaft, die Abfallwirtschaft und der Energiesektor. Bei der Förderung und dem Transport fossiler Energieträger entweicht das Gas beispielsweise durch undichte Ventile, beschädigte Leitungen oder stillgelegte Bohrlöcher und Kohlebergwerke, wie etwa im Südwesten Polens.

Doch Methan kann auch brennen. Vielleicht haben Sie schon einmal Bilder vom sogenannten Tor zur Hölle in Turkmenistan gesehen: einem riesigen Krater, aus dem seit Jahrzehnten Feuer lodert. In den 1970er-Jahren wurde dort nach Erdgas gebohrt. Als der Boden einbrach und Gas austrat, wurde es entzündet, um die Freisetzung des Gases vermeintlich einzudämmen. Nun brennt der Krater seit 55 Jahren.

Methan abfackeln – auch keine Lösung

Auch bei der Förderung von Erdöl und Erdgas wird überschüssiges Gas teilweise abgefackelt. Dabei wird Methan verbrannt und in Kohlendioxid und Wasser umgewandelt. Das ist zwar weniger klimaschädlich, als das Methan direkt in die Atmosphäre entweichen zu lassen, verursacht aber weiterhin Kohlenstoffdioxid-Emissionen. Außerdem funktioniert die Verbrennung nicht immer vollständig. Erlischt die Flamme oder verbrennt das Gas unvollständig, kann Methan hier unverbrannt entweichen.

In der Landwirtschaft hingegen ist es schwieriger, die Emissionen zu reduzieren. Vor allem Wiederkäuer wie Kühe produzieren bei der Verdauung Methan. „Man kann der Kuh schließlich nicht verbieten zu rülpsen“, sagt Christian Böttcher vom Umweltbundesamt im Interview mit MDR-Wissen. Allerdings kann man das Futter verändern. Dänemark hat das bereits getan

Im Energiesektor lassen sich viele Emissionen gezielter angehen. Böttcher, der sich mit den Emissionen von Unternehmen beschäftigt, sagt: „Man weiß ja genau, wo die Emissionen rauskommen, an welchem Bohrloch, an welchem Leitungsabschnitt, und man kann es reparieren. Und es ist meines Erachtens auch das Kostenärmste, was man machen kann.“

Methan-Lecks aus dem All aufspüren

Undichte Stellen zu finden, ist dabei eine entscheidende Voraussetzung. Satelliten können dabei bereits helfen, wie eine erst kürzlich veröffentlichte Studie von Forschenden der Stanford University zeigt: Spezialisierte Satelliten erkannten bei klarem Himmel 92 bis 100 Prozent von 481 kontrollierten Methanfreisetzungen. Die tatsächlich freigesetzte Menge ließ sich allerdings weniger genau bestimmen. Die Schätzungen wichen im Durchschnitt um rund 44 Prozent vom tatsächlichen Wert ab. Auch die Wetterbedingungen spielen eine Rolle: Wolken können die Beobachtung erschweren.

Warum Methan das Klima so stark anheizt

Methan ist nach Kohlendioxid einer der wichtigsten Treiber der menschengemachten Erderwärmung. Die Konzentration des Gases in der Atmosphäre ist heute etwa 2,7-mal so hoch wie vor Beginn der Industrialisierung. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur ist Methan für nahezu 30 Prozent des globalen Temperaturanstiegs seit dieser Zeit verantwortlich.

Christian Böttcher erklärt es mit einem Bild: „Methan in der Atmosphäre ist wie eine Art Bettdecke. Je mehr Methan ich in der Atmosphäre habe, desto dicker wird die Bettdecke. Irgendwann fange ich an zu schwitzen und das macht die Erde auch.“

Doch Methan hat eine Besonderheit, die es für den Klimaschutz interessant macht: Es bleibt im Durchschnitt etwa zwölf Jahre in der Atmosphäre, bevor es durch chemische Prozesse abgebaut wird. Bei Kohlendioxid ist das anders. Ein Teil des ausgestoßenen Kohlenstoffdioxid bleibt über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende im Klimasystem wirksam.

Deshalb kann eine schnelle und anhaltende Verringerung der Methanemissionen die Erderwärmung vergleichsweise rasch bremsen. Das macht Methan zu einem wichtigen Ansatzpunkt auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Klimaschutz aufgeschoben?

Hier setzt die EU-Methanverordnung an. Sie trat 2024 in Kraft und gilt als weltweit erstes umfassendes Gesetz, das Methanemissionen entlang der fossilen Energiewertschöpfungskette regulieren soll. Unternehmen müssen unter anderem ihre Emissionen besser erfassen, Lecks aufspüren und beheben. Ab dem 1. Januar 2027 sollten für Importeure von Öl, Gas und Kohle aus Drittstaaten neue Nachweispflichten gelten

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