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Micaela Schäfer: „Durch OnlyFans habe ich in anderthalb Jahren eine Million Euro Umsatz gemacht“

Unterhaltung

Micaela Schäfer ist seit mehr als 20 Jahren im Erotikgeschäft tätig und eines der bekanntesten Gesichter der Berliner Erotikmesse Venus, die an diesem Wochenende in den Messehallen unter dem Funkturm stattfindet. Bekannt wurde die Berlinerin durch Modeljobs, Nacktshootings und Reality-TV-Auftritte.

Heute verdient sie unter anderem mit OnlyFans, als DJ auf Mallorca und mit Werbedeals Geld. Schäfer ist Geschäftsführerin ihrer eigenen GmbH, in der ihre Einkünfte aus drei Erotik-Bezahlplattformen zusammengeführt werden.

Im Interview spricht die 42-Jährige über das Millionengeschäft mit erotischen Inhalten, die Konkurrenz durch KI-Models und darüber, warum sie auch mit 50 noch vor der Kamera stehen will. Außerdem verrät sie, wie sie mit Immobilien fürs Alter vorsorgt – und was ihre Mutter zu ihrer Karriere sagt.

Frau Schäfer, Sie sind seit vielen Jahren das Gesicht der Venus. Warum sollte man die Messe mal besucht haben?

Die Venus steht für Erotik, Sexualität, Lifestyle. Wer kommt damit nicht in Berührung? Ich vergleiche das immer mit der Grünen Woche: Da geht es um Lebensmittel, und wir alle müssen essen. Bei der Venus geht’s um Sexualität – und die ist genauso existenziell. Selbst wenn wir uns nicht fortpflanzen, so haben wir doch Spaß an Sex und an sexuellen Aktivitäten. Auch wenn man sich einfach nur Filme anschaut oder Selbstbefriedigung macht – das Thema betrifft alle Menschen auf dieser Welt. Egal welches Geschlecht, welche Kultur, welchen Beruf, welche Einkommensklasse oder welchen IQ man hat.

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Auf die Messe zu gehen, ist auch nicht mehr so ein Tabuthema, oder?

Es hat sich auf jeden Fall gelockert. Früher gingen ja wirklich viele heimlich in die Venus rein, nach dem Motto: Hoffentlich sieht mich mein Nachbar nicht. Und am nächsten Tag auf der Arbeit hat man auch nicht darüber gesprochen. Das ist jetzt schon entspannter.

Was genau bringt denn so ein Besuch auf der Venus?

Das kommt darauf an, mit welchen Erwartungen man hingeht. Ist man schon sexuell offen und sagt, ich habe einen Fetisch, den würde ich gerne mal ungehemmt ausleben? Man kann zum Beispiel nackt durch die Messehallen laufen oder im engen roten Lederanzug. Da schaut einen niemand komisch an. Die Venus ist die einzige Messe ohne Kleiderordnung. Du kannst kommen, wie du möchtest.

Manchmal schlummert vielleicht etwas, das man ausprobieren möchte. Dann kann man sich mit Gleichgesinnten unterhalten und etwas über sich selbst herausfinden. Oder man findet einfach Frauen geil und möchte viele geile Frauen sehen, wenn ich es mal so direkt ausdrücken darf. Ich finde, Sexualität ist auch etwas Banales. Das muss man nicht großartig hochschwafeln. Das kann man ruhig mal so belassen.

Als Gegenpol zu den aufgeladenen politischen Zeiten und Debatten?

Ich finde, es kocht im Moment ein bisschen hoch. Wir sollten nicht immer alles politisieren, nicht alles in Grund und Boden reden. Manchmal ist es besser, nicht überall die ganz große Message und den ganz großen Sinn dahinter herstellen zu wollen.

Ihre Karriere begann Anfang der 2000er-Jahre mit Misswahlen und ersten Nacktshootings. Wann war Ihnen klar: Mit Erotik lässt sich richtig Geld verdienen?

Für mich stand fest, ich wollte beruflich etwas in den Medien machen und damit natürlich auch Geld verdienen. Anstatt die hundertste Schauspielerin oder das tausendste Model zu werden, habe ich für mich entschieden: Ich provoziere gerne, ich habe kein Problem damit, mich auszuziehen und mich vor anderen Menschen zu zeigen.

Es hat aber viele Jahre gedauert, bis ich damit tatsächlich Geld verdient habe. Zu meiner Anfangszeit gab es kein OnlyFans. Es gab keine Möglichkeit für Frauen, mit Nacktaufnahmen ein hohes Einkommen zu generieren. Man konnte Pornos drehen, damit haben aber auch nur die Superstars in Deutschland – Dolly Buster, Kelly Trump oder Vivian Schmitt – richtig Geld verdient. Alle anderen nicht. Jetzt ist das anders. Du kannst als Frau mit Erotik Millionärin werden. Und das ganz selbstbestimmt. Ich kann entscheiden: Was wird veröffentlicht? Ich schneide meine Videos selbst, ich drehe das, was ich möchte.

Inwieweit haben Bezahlplattformen wie OnlyFans das Geschäft verändert?

Finanziell sind ganz andere Dimensionen möglich. Durch OnlyFans habe ich innerhalb von anderthalb Jahren einen Umsatz von einer Million Euro gemacht. Der Gewinn ist zwar weit darunter: Man hat eine Agentur, OnlyFans verdient mit, wir leben in Deutschland und zahlen Steuern. Am Ende bleibt trotzdem viel Geld für eine Arbeit, die einem Spaß macht. Diese Plattformen ermöglichen nicht nur Frauen, sondern auch Männern, selbstbestimmt ein Einkommen zu generieren. Das ist großartig. Keiner zwingt den Konsumenten, das zu kaufen. Diese Videos oder Fotos basieren auf Freiwilligkeit – auf beiden Seiten.

Was war denn früher, vor den Bezahlplattformen, anders?

Ich habe vorher genauso gut gearbeitet, aber nicht so viel Geld mit meinem nackten Körper verdient. Ich war immer auf große Brands angewiesen. Die haben mir vorgeschrieben, was ich zu tun habe. Dann hatte ich ein Fotoshooting, wurde einmal dafür bezahlt, und das war’s. Heute kann ich ein Video drehen, es 500-mal verkaufen und 500-mal daran verdienen, weil ich die Rechte daran habe. Ich kann entscheiden, wem ich es verkaufe und zu welchem Preis. Ich würde aber auch nicht verzweifeln, wenn OnlyFans morgen sagt: „Wir schließen den Laden.“ Ich kann mit anderen Dingen Geld verdienen.

Ohnehin kommt mit der Künstlichen Intelligenz der nächste Umbruch. Was passiert mit dem Geschäftsmodell, wenn KI immer mehr virtuelle Erotikmodels hervorbringt?

Das bereitet mir auf jeden Fall große Sorgen. Am Anfang fand ich es eine tolle Spielerei. Ich habe selbst so eine App heruntergeladen, einen Avatar generiert und Fotos auf meinem Instagram-Kanal gepostet. Ich dachte zunächst: Mensch, toll, jetzt habe ich ja gar keine Arbeit mehr. Aber inzwischen poste ich keine solchen Fotos mehr.

Das ganze Netz, ganz Instagram sind voll von diesen KI-generierten Inhalten, und ich finde das so traurig. Ich scrolle da nur noch weiter und schaue mir nichts mehr an. Es hat keine Bedeutung mehr. Der Content verliert total an Wert.

Und dennoch ist die KI aus der Erotikbranche kaum noch wegzudenken. Sogenannte AI Influencer und virtuelle Models generieren Millionenumsätze. Kommt man daran überhaupt noch vorbei?

Sicherlich ist das in der Branche der Fall, dass viele Erotikdarstellerinnen sich Avatare machen lassen, die dann Geld generieren. Ich distanziere mich davon und halte es für eine gefährliche Entwicklung, wenn wir komplett verlernen, für unser Geld zu arbeiten.

Aber es wird wahrscheinlich so kommen, der Markt wird dorthin gehen. Für mich entscheide ich aber: Ich drehe meine Videos selbst, weil es mir auch noch Spaß macht. Ich will etwas tun, und meine Fans sollen authentisches Material bekommen. Man muss KI-Inhalte ja auch kennzeichnen. Und ob Männer tatsächlich bereit sind, Geld für einen KI-generierten Avatar von Micaela Schäfer zu zahlen, wage ich dann doch zu bezweifeln.

Was ist heute im Erotikgeschäft die lukrativste Einnahmequelle?

Bei den Bezahlplattformen ist das tatsächlich Content via Webcam, also beim Livestreaming im direkten Kontakt mit den Fans. Das gab es ja früher nicht, dass sich die Fans direkt Videos wünschen und mit dir in Kontakt treten konnten.

Jetzt kannst du dir fast alles erkaufen. Und damit verdient man natürlich am meisten Geld, weil man es von überall auf der Welt machen kann. Ich brauche nur ein Handy und Internet und kann meine Videos produzieren. Ich bin unabhängig. Da ist wahnsinnig viel Geld zu holen, weil Erotik sich immer noch sehr gut verkauft.

Zumindest, wenn man so bekannt ist wie Sie …

Ja. Ich kenne natürlich auch viele Frauen, die OnlyFans machen und nichts verdienen. Oder höchstens ein Taschengeld. Viele stellen sich das sehr einfach vor: „Ich zeige meine Brüste und bin Multimillionärin.“ So läuft es nicht. Gerade heutzutage ist es noch härtere Arbeit geworden, weil alle auf den Zug aufspringen. OnlyFans ist keine Tabuplattform mehr. Mittlerweile redet jeder offen darüber. Jedes gut aussehende Mädel wird gefragt: „Machst du auch OnlyFans?“

Für junge Frauen kann das gefährlich werden. Denn zu 99 Prozent wird sich die Hoffnung aufs schnelle Geld nicht erfüllen. Und dann ist da Material im Netz, das man so schnell nicht wegbekommt. Deswegen sollte man sich wirklich sicher sein, dass man so Geld verdienen will.

Sie selbst haben diese Frage für sich in jungen Jahren auch mit Ja beantwortet.

Ich gehöre zu den Frauen, die ganz klar sagen: Ich stehe zu hundert Prozent dahinter. Das ist einfach mein Business. Deshalb mache ich das ja auch seit über 20 Jahren erfolgreich. Ich habe nie versucht, die Branche zu wechseln, und will es auch in Zukunft nicht tun. Ich freue mich auf meinen 50. Geburtstag und darauf, auch dann noch Teil der Erotikbranche in Deutschland zu sein.

Viele Darstellerinnen beenden die Karriere in ihren 40ern, auch Schauspielerinnen jenseits der 50 beklagen mangelnde Sichtbarkeit. Das schreckt Sie alles nicht?

Überhaupt nicht. Als Schauspielerin bist du abhängig von den Sendern, die dich buchen müssen, von Regisseuren und Produzenten. Das bin ich nicht. Ich habe meine Community und meine Fans. Die behandle ich gut und binde sie an mich. Ich bekomme mittlerweile so viele Anfragen von jungen Männern, bei denen ich teilweise denke: Gott, meint der das jetzt ernst? Der ist 25! Auch auf Mallorca, wo ich ein halbes Jahr lang fast jeden Tag im Oberbayern auftrete, treffe ich fast nur auf junge Leute. Die könnten alle meine Söhne sein. Die himmeln mich an, schenken mir Sachen mit Herzchen drauf und schreiben mir auf Instagram. Viele von denen werden mich auch auf OnlyFans suchen. Das ist schön, und das nehme ich natürlich mit, so lange es geht.

Wo ziehen Sie für sich die Grenze? Was würden Sie auch für viel Geld nicht machen?

Ganz klar: Pornos mit Männern. Ich drehe zwar Erotikfilme, aber die sind eher soft und nur mit anderen Frauen. Man sieht bei mir auch nicht den Intimbereich. Und das funktioniert trotzdem. Bei mir ist der Kick eher, dass man mich in meinen Videos nahbar und ungeschminkt erleben kann. Ich gehe meistens ohne Make-up vor die Webcam.

Als Mitgründerin der Berliner Immobilienagentur Ex & Neu Immobilien haben Sie noch ein zweites Standbein. Wie kam es dazu?

Ich besitze fünf Immobilien in Berlin, die ich privat als Altersvorsorge gekauft habe. Das ist in unserer Branche nicht so üblich. Die meisten verprassen das Geld eher, aber das ist nicht so mein Ding. Die Idee zur Agentur kam mit meinem Ex-Freund Felix Steiner, der Makler ist. Wir wollten noch ein zweites Standbein aufbauen, weil ich mich wahnsinnig für Immobilien interessiere und Berlin gut kenne.

Allerdings konnte ich mich bisher um meine Immobiliengeschäfte nicht so kümmern, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich wollte eigentlich den Maklerschein machen und mich richtig reinarbeiten. Aber allein durch mein Mallorca-Engagement ist das fast unmöglich. Zukünftig möchte ich auf jeden Fall viel, viel mehr machen.

Aber mit fünf Wohnungen haben Sie ja schon ein ordentliches Portfolio.

Das klingt jetzt so, aber ich habe noch 1,5 Millionen Euro Kreditschulden, keine einzige dieser Immobilien ist abbezahlt. Ich war damals wahnsinnig mutig, habe Geld in die Hand genommen, das ich entbehren konnte, und habe immer weiter investiert, auch in ETFs.

Wenn nichts Schlimmes auf der Welt passiert, bin ich mit 60 wahrscheinlich aus den Schulden raus und kann dann auf ein gutes Vermögen blicken. Bis dahin muss ich aber Geld verdienen, deswegen arbeite ich auch weiterhin sehr hart.

Sie haben einen ostdeutschen Hintergrund. Spielt das für Sie eine Rolle?

Ich war sechs Jahre alt, als die Mauer fiel, habe also nicht viel von der DDR mitbekommen. Aber ich bin in sehr einfachen Verhältnissen groß geworden. Wir lebten im Plattenbau, ich hatte kein eigenes Zimmer. Das hat mich geprägt, auch wenn ich es nie als Last empfand. Meine Mutter war alleinerziehend, hat nur halbtags gearbeitet.

Sie hat immer zu mir gesagt: Arbeite, hab Visionen, hab Träume und arbeite daran, dass sie in Erfüllung gehen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Und das hab ich befolgt. Ich wollte damals raus aus Hellersdorf, das war mein erstes Ziel – und das habe ich geschafft. Von meiner ersten eigenen Einzimmerbude in Friedrichshain für 300 Euro habe ich mich dann immer weiter hochgearbeitet. Darauf bin ich sehr stolz. Ich glaube, meine Mutter hat da gute Weichen gestellt.

Wie blickt Ihre Mutter heute auf Ihre Karriere?

Sie hat lange nicht gedacht, dass das, was ich mache, funktioniert. Keine Mutter ist schließlich happy, wenn die Tochter sich mit 20 überall nackig macht. Sie war jedenfalls nicht diejenige, die gesagt hat: „Wow, tolles Geschäftsmodell, super.“

Sicherlich hätte sie sich etwas anderes für mich vorgestellt. Als ich bei „Germany’s Next Topmodel“ war, dachte sie, ich könnte vielleicht gewinnen und aufs Cover der Vogue kommen. Das sind so die Vorstellungen. Aber die Realität war anders. Ich wurde schon bei „Miss Germany“ wegen meiner Nacktfotos rausgekickt, und bei Heidi Klum war ich mit diesem Background auch nicht die Beliebteste.

Es hat danach noch sechs Jahre gedauert, dann kam der Erfolg. Ich habe meiner Mutter ein Haus gekauft. Das hatte ich ihr immer versprochen: Wenn ich irgendwann mal zu Geld komme, Mutti, bekommst du ein Haus mit Garten. Das hat sie jetzt. Und sie ist megastolz auf mich. Man muss halt die Tochter auch einfach mal machen lassen.

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