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Midterms 2026 in den USA: Prognosen, Umfragen, Bedeutung – alles zu den US

Welt

Noch nie waren die US-Zwischenwahlen, Midterms genannt, so spannend wie in diesem Jahr. Grund dafür ist, wenig überraschend, Donald Trump.

Viele Wähler sind unzufrieden wegen der hohen Benzinpreise und Lebenshaltungskosten. Der Iran-Krieg macht ihnen zusätzlich Sorgen, hatten die Republikaner doch im Präsidentschaftswahlkampf weniger US-Militäreinsätze im Ausland versprochen.

Doch reicht der Unmut, um Trump an den Wahlurnen abzustrafen? Klar ist: Sollten die Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses bekommen, hätte das Auswirkungen auf die Macht und die Handlungsfähigkeit des Präsidenten.

Doch was heißt das konkret? Ist ein Sieg möglich? Wie sehen die aktuellen Umfragen aus? Was sagen Experten? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wann sind die Midterms?

Die US-Zwischenwahlen finden jeweils zwei Jahre nach einer Präsidentschaftswahl statt, also genau in der Mitte der vierjährigen Amtszeit, und immer am ersten Dienstag im November.

Was wird gewählt?

Gewählt werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie etwa ein Drittel der 100 Sitze im Senat. Zusammen bilden sie die zwei Kammern des US-Kongresses, des Parlaments der Vereinigten Staaten.

Was macht das US-Repräsentantenhaus, was der Senat?

Das Repräsentantenhaus beschließt Gesetze gemeinsam mit dem Senat und hat das Recht, über Haushalt und Steuern zu entscheiden. Außerdem leitet es Untersuchungen ein und kann den Präsidenten, Minister oder Richter anklagen (Impeachment), wobei der Senat dann über die Amtsenthebung entscheidet. Der Senat ist auch für die Bestätigung von Ministern und Richtern an Bundesgerichten und des Obersten Gerichtshofs (Supreme Court) zuständig.

Wie werden die Sitze verteilt?

Die 435 Sitze des Repräsentantenhauses werden nach Einwohnerzahl verteilt. Jeder Bundesstaat hat mindestens einen Sitz. Große Staaten wie Kalifornien (52) oder Texas (38) haben deutlich mehr Sitze, kleine wie Wyoming, Vermont oder Alaska nur einen. Die Abgeordneten werden für zwei Jahre gewählt, daher wird das gesamte Haus alle zwei Jahre neu bestimmt. Die Verteilung wird nach jeder Volkszählung (alle zehn Jahre) neu berechnet.

Im Senat haben alle Bundesstaaten zwei Sitze, unabhängig von ihrer Größe. Die Senatoren werden für sechs Jahre gewählt; alle zwei Jahre wird etwa ein Drittel der Sitze neu besetzt. Im Zweijahresturnus, also bei jeder Zwischen- und Präsidentschaftswahl, wird etwa ein Drittel der Senatssitze neu besetzt.

Washington D.C. ist als Hauptstadt ein Sonderfall: Hier wählen die Einwohner seit 1971 zwar einen Vertreter fürs Repräsentantenhaus. Dieser kann Gesetze einbringen, in Ausschüssen mitarbeiten und in den Ausschüssen abstimmen. Bei den endgültigen Abstimmungen im Plenum hat er jedoch kein Stimmrecht. Einen Senator stellt die Hauptstadt nicht, weil sie kein Bundesstaat ist.

Warum sind die Zwischenwahlen so wichtig?

Die Mehrheit in beiden Kammern entscheidet darüber, ob die Partei des Präsidenten „durchregieren“ kann – oder Kompromisse mit der Opposition schließen muss. Das ist der Grund, warum beide Seiten so stark um die Kammern kämpfen.

Außerdem gelten sie als wichtiger Stimmungstest für den US-Präsidenten und seine Regierung. Nicht selten wurden sie in der Vergangenheit bei Zwischenwahlen abgestraft – und wurden zur „lame duck“: Gewinnt die Opposition eine Kammer, kann der Präsident weniger durchsetzen. Ein geteilter Kongress bremst Gesetzesvorhaben, Haushaltsentscheidungen und Nominierungen.

Hat schon mal ein Präsident beide Kammern verloren?

Ja, das ist schon mehrmals passiert.

Der letzte Präsident, der in einer Zwischenwahl beide Kammern gleichzeitig verlor, war George W. Bush im Jahr 2006.

Unter Barack Obama verlor die Demokratische Partei 2010 das Repräsentantenhaus, behielt aber den Senat. 2014 verlor sie dann den Senat, das Repräsentantenhaus blieb republikanisch. Beide Kammern gingen also in verschiedenen Wahlen an die Republikaner.

Präsidenten, die eine Kammer verloren haben

Donald Trump hatte in seiner ersten Amtszeit ab 2018 keine Mehrheit mehr im Repräsentantenhaus, gewann aber im Senat Sitze hinzu.

Auch 2022 unter Biden verlor die Demokratische Partei das Repräsentantenhaus, der Senat blieb jedoch in ihrer Hand.

Wie knapp wird das Rennen bei den Midterms 2026?

Im Repräsentantenhaus dürften dieses Mal nach Einschätzung von Experten nur etwa 40 bis 50 Sitze umkämpft sein. Das liegt zum einen an der zunehmenden politischen Polarisierung und zum anderen am Prozess des sogenannten Gerrymandering – der parteipolitisch motivierten Neuziehung von Wahlkreisgrenzen. Viele Sitze gelten dadurch als sichere Bastion entweder für die Republikaner oder die Demokraten.

Im Senat wird es spannender: Hier benötigen die Demokraten einen Nettozugewinn von vier Mandaten, um eine Mehrheit von 51 zu 49 zu erreichen. Das dürfte schwierig werden, wenngleich die aktuellen Umfragen darauf hindeuten, dass es gelingen kann.

Das Problem: Für die Demokraten führt nach Einschätzung des Wahlexperten David Wasserman vom Politik-Newsletter „Cook Political Report“ kein Weg daran vorbei, sich in Bundesstaaten durchzusetzen, in denen Trump 2024 bei der Präsidentschaftswahl zweistellig vorn lag. Inzwischen stuft der „Report“ sieben Senatsrennen als vollkommen offen ein, darunter Texas, Iowa und Kansas, wo die Republikaner traditionell stark sind.

Wie gut sind die Chancen der Demokraten?

Analysten gehen zwar davon aus, dass die Demokraten es schaffen, die Kontrolle im Repräsentantenhaus zu übernehmen – aber nur mit einer Mehrheit von vielleicht fünf bis 20 Sitzen. Zugewinne in der Größenordnung von 2018, als die Partei 41 Mandate holte, gelten als unwahrscheinlich.

Selbst bei einem Plus von 25 Sitzen hätten die Demokraten zwar eine arbeitsfähige Mehrheit, aber keine gewaltige Übermacht, gibt Bill Galston, ein ehemaliger Berater des früheren Präsidenten Bill Clinton, zu bedenken. Der Handlungsspielraum wäre nur gering. Das könnte die Verabschiedung umstrittener Gesetzesvorhaben deutlich erschweren.

Was sagen die Umfragen?

Die aktuellen Umfragen zu den Midterms 2026 sehen die Demokraten vorn. Im Durchschnitt der landesweiten Umfragen lag die Partei Anfang Oktober fast neun Prozentpunkte vor den Republikanern. Das ist ihr bisher bester Wert in diesem Wahlkampf.

Dementsprechend sehen Prognosemodelle die Demokraten im Repräsentantenhaus klar als Favoriten. Diese Modelle verrechnen die Umfragen mit weiteren Daten wie der Wirtschaftslage oder früheren Wahlergebnissen und ermitteln daraus eine Gewinnwahrscheinlichkeit.

Auch im Rennen um den Senat haben die Demokraten aufgeholt. In North Carolina führt der frühere Gouverneur Roy Cooper deutlich. In Maine, Ohio, Texas, Iowa und Alaska liefern sich die Kandidaten dagegen Kopf-an-Kopf-Rennen.

Selbst in Kansas ergab eine Umfrage der „New York Times“ und des Siena College ein Patt. Dort wurde seit 1932 kein Demokrat mehr in den Senat gewählt. Gleichzeitig müssen die Demokraten ihren eigenen Sitz in Michigan verteidigen. Diese sieben Rennen liegen innerhalb der statistischen Fehlertoleranz, gelten also als nahezu offen. Prognosemodelle sehen aber einen leichten Vorteil für die Demokraten.

Wie zuverlässig sind die Umfragen zu den Midterms?

Gerade in jüngster Zeit trafen Umfragen am Ende nicht immer zu. Vor allem die Zustimmung für die Republikaner wurde oft unterschätzt – etwa bei den Midterms 2014, als sie klar im Senat siegten. 2022 wiederum wurden die Demokraten unterschätzt.

Wie viele Wahlberechtigte gibt es?

Laut dem Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center sind rund 250 Millionen US-Bürger ab 18 Jahren wahlberechtigt. Das sind 8,4 Millionen mehr als bei den Midterms 2022. Laut einer Auswertung der Wahlbehörden der Bundesstaaten vom April 2026 waren bundesweit rund 204,6 Millionen Menschen registriert.

Wer darf bei den US-Zwischenwahlen wählen?

Wahlberechtigt sind grundsätzlich US-Staatsbürger, die am Wahltag mindestens 18 sind und sich in ihrem Bundesstaat oder Wahlbezirk registriert haben. Man wählt in dem Bezirk, in dem man wohnt. US-Bürger, die im Ausland leben, können per Briefwahl abstimmen. Nicht-Staatsbürger dürfen bei Bundeswahlen nicht wählen. Einige Städte und Gemeinden erlauben es jedoch bei Kommunalwahlen.

Die Regeln zur Briefwahl, die Öffnungszeiten der Wahllokale und Registrierungsfristen variieren ebenfalls in den Bundesstaaten. Manche erlauben eine Anmeldung für die Wahl noch am Tag selbst. Manche entziehen Einwohnern mit Vor- oder Haftstrafe das Wahlrecht dauerhaft, andere nur für die Zeit im Gefängnis.

Welche Rolle spielt die Wahlbeteiligung?

Umfragen zeigen zwar, dass die Anhänger der Demokraten mehr Wahlbegeisterung an den Tag legen als die der Republikaner. Wahlstrategen weisen jedoch darauf hin, dass traditionelle demokratische Wählergruppen wie junge Menschen, Schwarze und Hispanics bei den Zwischenwahlen historisch gesehen seltener abstimmen als in Jahren, in denen auch der Präsident gewählt wird. Genau in diesen Gruppen herrscht Umfragen zufolge auch noch eine anhaltende Skepsis gegenüber beiden Parteien.

Sollte die Wahlbeteiligung dieser Gruppen hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte das zulasten der Demokraten gehen. Bei den Zwischenwahlen 2022 machten Wähler ab 50 Jahren fast doppelt so viele Stimmen aus wie jene unter 50 – ältere Wähler neigten in den vergangenen Jahren eher zu den Republikanern.

Wie wichtig ist das Geld für Wahlkampagnen?

Die Republikaner gehen mit deutlich praller gefüllten Kassen in den Wahlkampf-Schlussspurt. Laut ABC News hatten die drei großen republikanischen Parteikomitees und zwei verbündete Super-PACs zuletzt 657 Millionen Dollar, die demokratischen Pendants 334 Millionen.

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