Mietwagen und Datenschutz: So hinterlassen Sie keine sensiblen Daten
Den wenigsten Kundinnen und Kunden dürfte klar sein, dass sie damit womöglich sensible Daten im Auto hinterlassen. Und dass die Daten auch nach der Fahrt gespeichert bleiben. Im Netz etwa gibt es einige Berichte von Autofahrern, die in ihrem Mietwagen auf völlig fremde Adresslisten von Vormietern zugegriffen haben wollen. »Ich habe die gesamte Kontaktliste einer Person auf der Telefonliste eines Mietwagens gefunden«, behauptet etwa ein User. Mehr als 1000 Telefonbucheinträge seien es gewesen, wohl auch viele Firmenkontakte. »Habe dem Drang widerstanden, Leute damit anzurufen.« Was also sollten Sie in Sachen Datenschutz beachten, wenn Sie einen Mietwagen im Urlaub oder bei Geschäftsreisen oder einen Carsharing-Dienst wie Miles nutzen? Sofort in Sorge verfallen müssen Sie zunächst nicht, wenn Sie Ihr Telefon mit einem fremden Auto gekoppelt haben: Denn sensible Informationen werden nur unter bestimmten Umständen über Bluetooth übertragen. Außerdem können Sie Ihre Daten mit einfachen Schritten schützen. Und wenn doch Privates übertragen wurde, können Sie die Informationen vor der Rückgabe wieder löschen. Vor allem jedoch gibt es verglichen mit Bluetooth eine gute Alternative, mit der Sie in vielen Fällen Ihre Daten von vornherein schützen können. Wir erklären, was Sie beachten müssen. Die Bluetooth-Verbindung an sich ist unproblematisch Eine der gängigsten Methoden, ein Handy mit dem sogenannten Infotainmentsystem des Autos zu verbinden, ist Bluetooth. Wer sein Handy über Bluetooth koppelt, dem fällt schnell auf, dass auch schon Vormieter ihre Handys mit dem Auto verbunden haben. Oft steht auf dem Display des Autos eine lange Liste mit Begriffen wie: »iPhone von Jasmin« oder »Galaxy von Klaus«. Wie können persönliche Kontaktdaten ins Auto gelangen? Der Bordcomputer der meisten Autos fragt jedoch direkt nach dem Herstellen der Bluetooth-Verbindung, ob das Telefonbuch synchronisiert werden soll. Diese Funktion ist praktisch, wenn Sie über die Freisprechfunktion des Autos Ihr Telefonbuch ansteuern wollen, doch sie kann auch den Nachteil haben, dass Daten übertragen werden. Die Übertragung lässt sich aber mit einem Klick verhindern: Klicken Sie einfach auf »Ablehnen« oder eine ähnliche Schaltfläche, bevor die Daten synchronisiert werden. Ihr Smartphone wird Sie dies vor der Übertragung fragen. Telefonbucheinträge könnten nach einer Zustimmung aber mit übertragen werden, sagt Stiftung- Warentest-Digitalexperte Markus Bieletzki dem SPIEGEL. »Wenn diese dann nicht wieder komplett gelöscht werden, könnten die Kontaktdaten von Freunden, Verwandten und Bekannten den Nachnutzern des Fahrzeugs angezeigt werden und so unter Umständen auch in falsche Hände gelangen.« Wann das Navi bedenklich sein kann Nicht nur Handydaten, sondern auch das Navigationsgerät kann private Informationen verraten. Wenn Sie die Navigation des Mietwagens nutzen und dort eine Adresse eingeben, dann wird diese dort in der Regel im Verlauf gespeichert. Genau wie ein Internetbrowser, der sich die zuletzt besuchten Websites merkt, kann sich auch der Routenplaner an die eingetippten Orte erinnern. Für Reisende, die im Urlaub häufig einen Strandparkplatz ansteuern, dürfte das praktisch und aus Sicht des Datenschutzes unproblematisch sein. Allerdings kann aus der Historie der besuchten Orte ein aussagekräftiges Profil erstellt werden. In welchem Hotel ist eine Fahrerin abgestiegen? Welche Orte hat ein Fahrer aufgesucht? »Auch persönliche Themen können mit angefahrenen Orten verbunden sein, etwa die Fahrt zu einer bestimmten Klinik, die Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand einer Person zulässt«, sagt Technikexperte Bieletzki. Ich habe meine Zugangsdaten für Spotify eingegeben und vergessen, mich auszuloggen. Was kann ich tun? Wenn das Infotainment-System des Autos die Apps von Drittanbietern wie dem Musikstreamingdienst Spotify installiert hat, kann man darüber auch ohne Handy seine Lieblingslieder hören. Wer dabei vergisst, sich abzumelden, der ermöglicht nachfolgenden Fahrerinnen und Fahrern, über den eigenen Streamingdienst-Account weiterzuhören. Das verwässert nicht nur die Songvorschläge der App – auch kann es zu Konflikten kommen, wenn man gleichzeitig mit seinem Account hören will. Spotify könnte dann unter Umständen auf dem eigenen Gerät unzuverlässig funktionieren oder gar keine Musik abspielen. Genau wie bei Netflix, YouTube und Co. gibt es aber auch bei Spotify eine Art Panikknopf. Mit der Funktion »Überall abmelden« kann man andere Geräte in der eigenen App nachträglich ausloggen. Löscht die Mietwagenfirma die Daten bei der Rückgabe? Laut dem ADAC setzen zwar einige Autovermietungen das Infotainment-System zurück, wenn der Wagen gereinigt wird. Allerdings ist das nur selten der Fall und eher ein freiwilliger Service der Autovermieter. Das Unternehmen Europcar teilt auf Anfrage des SPIEGEL mit, primär seien »Mieterinnen und Mieter beziehungsweise Fahrerinnen und Fahrer dafür verantwortlich, ihre persönlichen Daten vor der Rückgabe zu löschen«, sagt eine Sprecherin. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien lediglich dazu angehalten, das Informations- und Kommunikationssystem auf Werkseinstellungen zurückzusetzen, bevor das Fahrzeug wieder vermietet wird. Standard ist dieser Vorgang aber offenbar nicht. Bei Sixt läuft es offenbar ähnlich. Dort werden die Mieterinnen ganz klar in die Pflicht genommen. Man weise alle Kunden bei Sixt in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen und in der Rückgabe-E-Mail darauf hin, »ihre persönlichen Daten vor der Rückgabe des Fahrzeuges zu entfernen«. Die bessere Alternative: Nutzen Sie Apple CarPlay und Android Auto Die Autosoftware der großen US-Konzerne ist deutlich sicherer als die reine Bluetooth-Kopplung. Wer das Navi und die Musik-Apps auf seinem Handy darüber nutzt, der sieht auf dem Autodisplay lediglich eine Spiegelung des Smartphones-Inhalts. Anstatt auf das Infotainment-System des Autos zuzugreifen, übernehmen iPhone oder Android-Telefon die Kontrolle, starten den Podcast bei Spotify oder berechnen die Route bei Google Maps. Die Telefone befeuern lediglich Autodisplay und Lautsprecher. Markus Bieletzki von Stiftung Warentest sagt: »Unser Tipp ist deshalb: Wenn das Fahrzeug Dienste wie Android Auto oder Apple CarPlay unterstützt, dann sollten Mietwagenfahrerinnen und Mietwagenfahrer lieber diese nutzen.« Wählen Sie auf Ihrem Handy beim Koppeln mit dem Auto aus, dass Sie Apple CarPlay oder Android Auto verwenden wollen. Wenn Sie sich auf diesem Wege mit dem Auto verbinden und auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie dennoch der Synchronisation der Kontakte widersprechen. So stellen Sie sicher, dass diese in keinem Fall übertragen werden. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren natürlich nur, wenn das Auto diese Verbindungen unterstützt. Zwar sind laut Apple mehr als 800 Fahrzeugmodelle mit CarPlay kompatibel, mit Android-Auto sind es mehr als 500 nach Angaben von Google. Doch manche Autohersteller hadern mit der Fremdsoftware und verlangen Extragebühren für die Freischaltung. Wenn der Mietwagenanbieter sich diese Zusatzkosten sparen will, ist die Software blockiert. Die Kopplung läuft mittlerweile meist kabellos. Wie kann ich sämtliche private Daten im Auto löschen? Zunächst können Sie ein Telefon direkt in der Bluetooth-Liste löschen. Außerdem können Sie eingetippte Adressen aus der Navigation des Wagens entfernen. Der sicherste Weg ist das Infotainment-System im Auto auf Werkseinstellungen zurückzusetzen. Das funktioniert bei den meisten Modellen unterschiedlich, aber im Grundsatz zumindest ähnlich. Bei Modellen von VW, Ford und Toyota klappt es in der Regel so: Bei vielen Volkswagen-Modellen versteckt sich der Löschknopf unter dem Menüpunkt »Set-up System« (oder »Settings«). Dort taucht dann recht weit unten in der Liste die Funktion »Auf Werkseinstellungen zurücksetzen« auf. Bei Ford klappt es meist so, dass man auf dem Display zu »Einstellungen« navigiert und dann auf den Menüpunkt »Allgemein« tippt. Ganz unten in der Liste taucht dann die Funktion »Zurücksetzen« auf , dort wählt man die Option »Alles zurücksetzen«. Bei neueren Toyota-Modellen lassen sich die persönlichen Daten in der Regel über das Zahnradsymbol in der linken Menüleiste löschen. Dort lässt sich unter »System« die Option »Zurück zu Werkseinstellungen« aufrufen. Doch nicht immer sind alle Spuren nach dem Reset auf dem Infotainment-System getilgt. Es lohnt sich, nach dem Zurücksetzen erneut die Bluetooth-Verbindungen und die Navi-Software zu prüfen. Wenn Daten verblieben sind, entfernen Sie diese manuell.