Migranten in Ceuta: Spaniens Regierung übernimmt Kontrolle über Hafen von Ceuta
Im Streit über die Unterbringung von Migranten in Spaniens Nordafrika-Exklave Ceuta hat die Regierung in Madrid die Kontrolle über den Hafen des Gebiets übernommen. Transportminister Óscar Puente unterschrieb eine entsprechende Anordnung und erlaubte den Aufbau eines provisorischen Zeltlagers für Migranten im Hafenbereich, wie der staatliche TV-Sender RTVE und andere spanische Medien übereinstimmend berichteten. Puente setzte sich damit über eine Entscheidung der lokalen Behörden hinweg.
Die Regionalregierung der an Marokko grenzenden Exklave unter Präsident Juan Jesús Vivas hatte sich erst kürzlich gegen den Aufbau eines solchen Zeltlagers im Hafenbereich ausgesprochen. Der Hafen sei wichtig für die Versorgung der Exklave, in der Nähe befände sich zudem ein großes Tanklager, hieß es zur Begründung.
Auch anderweitige Unterbringung von Migranten abgelehnt
Zuvor hatte sich die lokale Verwaltung bereits gegen die vorübergehende Unterbringung von Migranten in einer stillgelegten Fabrik, einem früheren Militärkrankenhaus oder Sportzentren gewandt. Ein weiteres Lager für rund 900 Menschen entsteht zurzeit im Stadtteil Los Rosales. Dort kam es zu Protesten der Anwohner.
Ende Juli waren nach Regierungsangaben rund 72.000 Migranten von Marokko nach Ceuta geschwommen oder über Grenzzäune geklettert. Die meisten kehrten binnen Stunden zurück. Jedoch waren auch gut einen Monat später noch etwa 5.000 Migranten in Ceuta, das nicht einmal so groß wie der Frankfurter Flughafen ist. Darunter waren nach Regierungsangaben 1.200 Minderjährige.
Demos und Übergriffe auf Migranten
Viele der mehr als 83.000 Einwohner Ceutas sind über die lange Anwesenheit Tausender Migranten empört. Immer wieder kommt es zu Protesten und mitunter zu gewalttätigen Übergriffen auf Migranten. Wie die Regionalverwaltung unter Vivas fordern viele, die Menschen sofort nach Marokko abzuschieben.