DAX +0,44 % 25.818,21 Pkt 18:00:00 MDAX +0,15 % 30.472,32 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -1,22 % 6.131,31 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,34 % 51.770,31 Pkt 21:47:53 S&P 500 -2,12 % 7.580,07 Pkt 21:47:43 Nasdaq -4,19 % 25.437,00 Pkt 22:15:59 Nikkei -0,01 % 63.285,90 Pkt 06:10:45 Gold +0,45 % 3.916,40 USD 06:15:40 Silber +1,96 % 50,24 USD 06:15:37 Brent -3,21 % 109,79 USD 06:13:46 WTI -3,45 % 100,53 USD 06:15:21 Bitcoin -0,01 % 78.228,00 USD 06:25:37 EUR/USD +0,04 % 1,11870 USD 06:25:27 EUR/GBP -0,14 % 0,83460 GBP 06:25:46 EUR/CHF -0,03 % 0,92060 CHF 06:25:45 EUR/JPY -0,05 % 176,387 JPY 06:25:48

Migrantischer Streik in Magdeburg: „Die Entschlossenheit in der Community ist groß“

Nation

taz: Herr Saaeid, warum streiken Sie am Mittwoch?

Saaeid Saaeid: Wir streiken, um vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein klares Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung zu setzen. Forderungen nach massenhaften Abschiebungen verunsichern viele Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte. Viele haben riesige Angst, dass ihnen das Bleiberecht aberkannt werden könnte, dass sie ihre Rechte verlieren, dass sie physisch nicht mehr sicher sind.

taz: Wieso haben Sie sich für das Mittel des Streiks entschieden?

Saaeid: Weil Streik ein demokratisches Mittel mit direkten Auswirkungen ist. Das merken die Menschen in ihrem Alltag sofort, zum Beispiel beim Einkaufen, wenn ein Geschäft geschlossen ist. Alle, ob Nachbar*innen, Kol­le­g*in­nen oder Kund*innen, werden es mitbekommen, wenn migrantische Menschen in Magdeburg einen Tag lang ihre Arbeit ruhen lassen. Bis jetzt haben 120 Gewerbe zugesagt, sich zu beteiligen – von Gastronomie bis Einzelhandel. Zehn Prozent davon sind übrigens Deutsche, die aus Solidarität mitmachen.

taz: Warum haben Sie sich eigentlich an Gewerbetreibende, also Selbstständige, gewandt, nicht an Ar­bei­te­r*in­nen und Angestellte, also abhängige Beschäftigte?

Saaeid: Damit es rechtlich sauber ist. Politische Streiks sind in Deutschland ja verboten und wir wollen niemandem Probleme machen. Selbstständige haben die Freiheit und Flexibilität, ihr Geschäft mal für einen Tag zu schließen.

taz: Bekommt ihr Unterstützung von Gewerkschaften?

Saaeid: Ja, Verdi und DGB haben Interesse signalisiert und wir gehen davon aus, dass sie sich beteiligen, zum Beispiel mit einem Redebeitrag bei unserer Kundgebung.

taz: Unterstützen die Gewerkschaften den Streik auch finanziell? Bei gewerkschaftlichen Streiks bekommen die Beschäftigten normalerweise Geld aus der Streikkasse. Und gerade für kleinere Läden kann ein Tag ohne Umsatz ganz schön hart sein.

Saaeid: Nein, wir haben gar keine finanzielle Unterstützung. Aber das brauchten wir für den Streik bisher auch nicht. Er ist auch eher symbolisch. Die einzelnen Gewerbe tragen das individuell. Bei einem bekannten Lebensmittelzulieferer werden das bestimmt Umsatzeinbußen von mehreren Tausend Euro.

taz: Gibt es auch Gewerbetreibende, die gern mitmachen würden, aber die sich das nicht leisten können?

Saaeid: Tatsächlich können ein paar wenige nicht teilnehmen. Aber sehr viele haben auch gesagt, dass es wirtschaftlich zwar schwierig für sie ist, sie sich aber trotzdem entschieden haben, mitzumachen. Das zeigt sehr deutlich, wie ernst hier die Stimmung ist.

taz: Ist sie so ernst, dass Sie sich auch vorstellen könnten, den Streik auszuweiten, zum Beispiel auf ein, zwei Wochen oder auf das gesamte Bundesland?

Saaeid: Ich kann nicht für alle sprechen, aber die Entschlossenheit ist groß. Wir erleben gerade, wie sich Mi­gran­t*in­nen gegenseitig motivieren: Wenn ein Geschäft plant zu schließen und der Nachbar nicht mitzieht, dann wird dem von der Community sehr nahegelegt, doch mitzumachen. Jetzt müssen alle zusammenhalten. Und wir stehen an der Seite aller Menschen, die den Mut haben, in diesen schwierigen Zeiten durch einen Streik ein starkes Zeichen zu setzen.

taz: Warum wollen manche nicht streiken?

Saaeid: Sie haben Angst, dass sie Kunden verlieren, dass ihr Vermieter den Mietvertrag kündigt, dass es politische Nachteile oder noch mehr rassistische Hetze gibt. Aber die gibt es ja sowieso.

taz: Die Sorgen gibt es vielleicht auch, weil Sie schon vorab, allein für die Ankündigung zu streiken, öffentlich angefeindet wurden, oder?

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren