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Migrationskrise in Ceuta: Knapp 50.000 Menschen nach Marokko zurückgekehrt

Welt

Zehntausende Migranten haben innerhalb von 24 Stunden bis Freitagmorgen die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta überquert. Dabei sind mindestens 57 von ihnen ums Leben gekommen. Die meisten Menschen seien bei dem Versuch ertrunken, schwimmend von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf einen Sprecher des Innenministeriums in Madrid. Zu der genauen Anzahl der Menschen, die die Grenze überquert haben sollen, unterscheiden sich die Angaben. Die Nachrichtenagentur AFP spricht von rund 60.000 Menschen und beruft sich auf Angaben der Behörden in Ceuta. Reuters beziffert die Zahl unter Berufung auf den spanischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska auf rund 49.000 Menschen. Ceuta hat regulär knapp 84.000 Einwohner. Mindestens 48.000 Menschen sollen das Gebiet inzwischen wieder Richtung Marokko verlassen haben. Das berichteten der staatliche TV-Sender RTVE und andere Medien unter Berufung auf das Innenministerium in Madrid. Die Angaben bilden den Stand von 20.45 Uhr ab. Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, entsandte die Regierung 60 Soldaten sowie 200 Spezialkräfte der Polizei nach Ceuta, teilte das Innenministerium am späten Donnerstagabend mit. Ministerpräsident Pedro Sanchez ist Freitag gemeinsam mit Grande-Marlaska am Grenzübergang Tarajal eingetroffen, um sich mit Sicherheitskräften und lokalen Behörden zu beraten. Dort sagte Sanchez laut „El Pais“: „Was gestern geschah, war ein Angriff, eine Verletzung der territorialen Integrität Spaniens.“ Zuvor waren zahlreiche Menschen aus Marokko in die Stadt gelangt und hatten die spanische Polizeibehörde Guardia Civil überrannt. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie Hunderte Migranten mit Schwimmreifen über das Meer kamen oder Tore im Grenzzaun durchbrachen. Zudem griffen die Unruhen auf die zweite spanische Exklave Melilla über. Marokkanische Behörden setzten in der Grenzstadt Fnideq Wasserwerfer ein, um weitere Übertritte zu verhindern. Die Geschehnisse im Video: Derweil berichteten spanische Medien, dass gleichzeitig Hunderte Migranten Ceuta über den Grenzdeich wieder zu verlassen suchten. An der Grenze sei es zu „gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, bei denen einige Gruppen versuchen, den Zaun zu durchbrechen, und Steine auf die in der Gegend stationierten Sicherheitskräfte werfen“, schrieb der spanische öffentlich-rechtliche Sender RTVE. Tausende Menschen, überwiegend junge Männer, aber auch Familien mit Kindern, suchten Zuflucht in den nahegelegenen Hügeln. Regierungschef von Ceuta fordert Ausrufung des Notstands Am Freitagmorgen bot sich nahe dem Grenzposten bei Fnideq ein Bild der Verwüstung. Dutzende ausgebrannte Autos, Motorräder und Taxis standen auf dem Gelände, Steine lagen auf dem Boden. Lastwagen transportieren die Überreste zerstörter Fahrzeuge ab. Viele Geschäfte sind seit Donnerstag geschlossen. Ladenbesitzer organisierten sich nach eigenen Angaben, um ihr Eigentum zu schützen, da sie die Polizeikräfte für unzureichend hielten. Der Regierungschef von Ceuta, Juan Jesus Vivas, hatte die Zentralregierung zuvor aufgefordert, den Notstand auszurufen und die Armee einzusetzen. Ministerpräsident Sanchez erklärte auf der Online-Plattform X, seine Regierung konzentriere sich voll und ganz darauf, so schnell wie möglich wieder Normalität herzustellen. Hunderte Migranten gelangen auch in zweite spanische Exklave Auch in Melilla kam es am Grenzübergang Beni Ansar zu Zusammenstößen. Nach Angaben der marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte wurden dort mindestens drei Fahrzeuge in Brand gesetzt, zudem gab es Verletzte unter Migranten und Sicherheitskräften. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope am Donnerstagabend. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten. Migration befeuert Debatte in Spanien Die Ereignisse heizen die politische Debatte in Spanien weiter an. Die sozialistische Regierung hatte kürzlich ein Programm gestartet, um rund 500.000 Migranten ohne Papiere einen legalen Status zu verschaffen. Rechte Parteien machten Sanchez daraufhin für die Eskalation verantwortlich. Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei (PP) sprach von einer Gefahr für die nationale Sicherheit. Eine mögliche Erklärung für den sprunghaften Anstiegs ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens von Anfang des Monats. Demnach dürfen Migranten, die über einen Grenzzaun nach Ceuta oder in die andere spanische Nordafrika-Exklave Melilla abgefangen werden, nicht umgehend wieder zurückgeschickt werden. Das Innenministerium machte Schlepperbanden dafür verantwortlich, das Urteil auszunutzen. Es kündigte an, illegal Eingereiste umgehend abzuschieben. Eine Stellungnahme des marokkanischen Innenministeriums lag zunächst nicht vor. Fatima Zahra sagt, die Nachricht habe sie gleich nach dem Aufwachen erreicht. Die Grenze nach Ceuta sei offen, das habe sie in ihrem Wohnort, der marokkanischen Hafenstadt Tanger, von Freunden gehört. „Da sagte ich zu den Leuten rund um mich: Wir fahren dorthin, um zu arbeiten“, berichtet die junge Marokkanerin. „Versuchen wir auch unser Glück.“ Wie sie machten sich nach ähnlichen Gerüchten zehntausende Menschen auf den Weg nach Fnideq, der marokkanischen Stadt an der Grenze zur spanischen Exklave in Nordafrika. Mehrere Menschen berichteten AFP, die Nachricht von der vermeintlichen Grenzöffnung habe sich durch Mundpropaganda unter Freunden sowie über Onlinenetzwerke wie Discord verbreitet. Wo sie ihren Ausgang nahm, blieb zunächst unklar. Setzte Marokko die Grenzkontrollen aus? Es gibt allerdings auch Stimmen, die auf eine andere mögliche Erklärung hinweisen. Denn die Ereignisse wecken Erinnerungen an den Mai 2021, als innerhalb weniger Tage rund 10.000 Jugendliche aus Marokko und Ländern südlich der Sahara die Exklave erreichten. Damals befanden sich Spanien und Marokko in einer diplomatischen Krise, nachdem Madrid Brahim Ghali, den Anführer der Polisario, der Front der Sahrauis, die für die Unabhängigkeit der von Marokko beanspruchten Westsahara kämpft, zur medizinischen Behandlung aufgenommen hatte. Marokko hatte daraufhin die Grenzkontrollen ausgesetzt. So schreibt die italienische Zeitung „La Repubblica“, im gesamten Jahr 2025 sei es lediglich sechs illegalen Migranten gelungen, Ceuta zu erreichen, und vom Beginn dieses Jahres bis zum vergangenen 15. Juli keinem einzigen. „Wenn die Ankünfte nun wieder eingesetzt haben, dann deshalb, weil (…) die Kontrollen auf marokkanischer Seite in den vergangenen Tagen gelockert worden sein sollen, wie verschiedene spanische Medien berichten.“ Als möglichen Grund führt die Zeitung an, dass Sánchez am 20. Juli Algerien besucht hatte, den Rivalen Marokkos und langjährigen Unterstützer der Polisario. „War dies aus Sicht Rabats eine Provokation? Madrid weist diese Möglichkeit zurück.“ Die spanische Zeitung „El País“ berichtete bereits am Mittwoch, dass sich in Marokko die Nachricht einer einfachen Einreise nach Spanien verbreitet. In sozialen Medien zirkulierende Fehlinformationen hätten Menschen glauben lassen, dass die Grenze nach Ceuta vollständig geöffnet würde. Frontex: Spanien hat für Ceuta noch keine Hilfe angefordert Die EU-Grenzschutzagentur Frontex ist bisher nach eigenen Angaben nicht an den gemeldeten Vorfällen im Grenzgebiet beteiligt. Die Behörde habe keine Bitte um Unterstützung von der Regierung in Madrid erhalten. „Frontex kann einen Mitgliedstaat unterstützen, jedoch nur auf dessen Ersuchen hin“, teilte die Frontex mit. Man beobachte die Situation laufend. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner hatte am Donnerstag die Bereitschaft der EU signalisiert, Spanien unter anderem auch mit Frontex zu unterstützen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Die Regierung in Madrid setzt in der Exklave erstmals seit 2021 wieder Militär zur Unterstützung der Grenzsicherung ein. Nach Angaben der EU-Kommission gibt es bislang auch keine Weiterbewegungen in Richtung des europäischen Kontinents. Das sagte eine hochrangige Mitarbeiterin Journalisten am Freitagabend. Ceuta bildet zusammen mit Melilla die einzige Landgrenze der Europäischen Union zum afrikanischen Kontinent. In beiden Städten kommt es immer wieder zu Versuchen von Migranten, auf diesem Weg in die EU einzureisen. (Reuters, AFP, Tsp) Korrektur: Zunächst stand im Text, neun Menschen seien beim Versuch, die Landgrenze zu überqueren, gestorben. Offenbar starben die Menschen aber im Wasser. Zudem wurde der Begriff „Enklave“ in „Exklave“ korrigiert.

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