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Mikaela Shiffrin will in der Saison 2026/27 weniger Slaloms fahren: Tür zum Gesamtweltcup öffnet sich für Emma Aicher

Sport

Von Thomas Gaber

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Mikaela Shiffrin wagt mit 31 Jahren einen bemerkenswerten Kurswechsel. Die sechsmalige Gesamtweltcupsiegerin reduziert ausgerechnet ihre Starts im Slalom und richtet den Fokus stärker auf Riesenslalom und Super-G. Für Emma Aicher verändert das die Ausgangslage erheblich: Nach nur 87 Punkten Rückstand im vergangenen Winter bekommt die Deutsche im Kampf um die große Kristallkugel eine tolle Chance.

Es ist weit mehr als eine gewöhnliche Anpassung des Rennkalenders. Mikaela Shiffrin verändert mit 31 Jahren ihre sportlichen Prioritäten und könnte damit ganz nebenbei den Kampf um den Gesamtweltcup neu eröffnen.

"Ich plane, in dieser Saison weniger Slaloms zu fahren", kündigte die erfolgreichste Skirennläuferin der Geschichte in einem langen Instagram-Beitrag an. Ihren ersten Slalom will sie erst Ende November beim Heimrennen in Killington bestreiten, die Stationen in Levi und Gurgl lässt sie aus. Welche Rennen danach noch hinzukommen, ist offen.

Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil Shiffrin freiwillig ihre bislang sicherste Punktequelle beschneidet. Im vergangenen Winter gewann sie neun von zehn Weltcup-Slaloms und holte 980 von 1000 möglichen Zählern. Über Jahre bildete die Dominanz zwischen den engen Stangen das Fundament ihrer Erfolge im Gesamtweltcup.

Dass sie nun kürzertritt, hat nichts mit fehlender Motivation zu tun. Im Gegenteil. "Ich tue nicht weniger, weil es mir weniger wichtig wäre. Ich versuche etwas anderes, weil es mir immer noch sehr wichtig ist", erklärte Shiffrin. Hinter dem Satz steckt der Versuch einer Ausnahmesportlerin, nach 110 Weltcupsiegen noch einmal neue Reize zu setzen.

Für Aicher verändert sich die Rechnung

Für Emma Aicher könnte dieser neue Ansatz zum entscheidenden Faktor werden. Im vergangenen Winter fehlten der Deutschen lediglich 87 Punkte auf Shiffrin und den Gewinn der großen Kristallkugel. Nun lässt die Amerikanerin ausgerechnet Rennen aus, in denen sie zuletzt fast serienmäßig 100 Punkte einsammelte.

Die Rechnung für Aicher wird dadurch einfacher, die Aufgabe aber nicht zwingend leichter. Sie muss Shiffrin nicht permanent schlagen, sondern vor allem dann zuschlagen, wenn die Amerikanerin ihr die Gelegenheit dazu bietet.

Dabei könnte Aicher ihre größte Qualität ausspielen: ihre Vielseitigkeit. Anders als viele Spezialistinnen kann sie ihre Punkte auf alle Disziplinen verteilen. Dass mittlerweile auch der Slalom dazu gehört, zeigte sie bereits im November 2025 in Levi, als sie hinter Shiffrin und Lara Colturi als Dritte erstmals auf ein Weltcup-Podium im Slalom fuhr.

Im Kampf um den Gesamtweltcup wird für Aicher deshalb vor allem eine Frage entscheidend: Kann sie ihre enorme Bandbreite über einen kompletten Winter in Konstanz übersetzen? Die große Kugel gewinnt nicht zwangsläufig die Fahrerin mit den meisten Glanzmomenten, sondern jene, die sich möglichst wenige Ausrutscher erlaubt.

Shiffrin hat noch nicht genug

Ein Rückzug Shiffrins ist der ungewöhnliche Plan ohnehin nicht. Eher eine Kampfansage an die eigenen Grenzen. "Über 16 Jahre war mein Ziel dasselbe: meine Grenzen zu verschieben und eine bessere, schnellere Skirennläuferin zu werden. Das hat sich nicht geändert", schrieb sie.

Was sich geändert hat, ist offenbar die Richtung dieser Suche. Nach unzähligen Rekorden und Titeln stellt sich Shiffrin inzwischen eine andere Frage: "Worauf bin ich neugierig?" Ihre Antwort fällt bemerkenswert eindeutig aus: "Jetzt gerade spüre ich die Neugier in Riesenslalom und Super-G."

Darin steckt auch das Risiko für die Konkurrenz. Denn weniger Slalom muss nicht automatisch weniger Shiffrin bedeuten. Wenn es ihr gelingt, die fehlenden Punkte im Riesenslalom und Super-G zu kompensieren, könnte aus dem vermeintlichen Verzicht sogar der nächste Entwicklungsschritt werden. Genau deshalb betont sie auch: "Ich bin nicht durch mit Slalom." Nach Killington wolle sie "ein paar weitere" Rennen bestreiten. "Ich möchte diese Tür nicht schließen."

Damit prallen in der kommenden Saison zwei völlig unterschiedliche Karrierephasen aufeinander. Shiffrin hat praktisch alles gewonnen und sucht dennoch nach einer neuen Version ihrer selbst. Aicher steht dagegen erst vor dem größten Schritt ihrer Karriere.

Für die Deutsche könnte das Timing kaum besser sein. Während die Königin freiwillig verzichtet, ihre stärkste Waffe permanent einzusetzen, kann ihre Herausforderin fast überall punkten. Viel günstiger dürfte sich das Fenster zur großen Kristallkugel für Aicher nicht öffnen.

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