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Mikroplastik scheint das Risiko für Herzinfarkte zu erhöhen

Allgemein

Blutproben aus den Herzkranzgefäßen von Menschen mit einem schweren Herzinfarkt sind deutlich öfter und stärker mit Mikroplastik belastet. Am höchsten ist die Konzentration bei Patienten, die rauchen oder in einer Gegend mit hoher Feinstaubbelastung leben. Die Risikofaktoren sollten deshalb nicht einzeln betrachtet werden, sondern gemeinsam, weil sich die gesundheitsschädlichen Effekte gegenseitig verstärken. Rom (Italien). Menschen nehmen über ihre Atemluft, ihr Trinkwasser und ihre Nahrung zehntausende bis über 100.000 Mikroplastikpartikel pro Jahr auf. Die Wissenschaft versteht die gesundheitlichen Effekte der kleinen Plastikpartikel bisher kaum, hat jedoch schon unter anderem Hinweise entdeckt, laut denen Mikroplastikpartikel dem Gehirn schaden und Prostatakrebs fördern. Laut Tierversuchen können Mikroplastikpartikel zudem chronische Entzündungen in den Organen und im Gewebe fördern und zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen, die Arteriosklerose auslösen können. „Es gibt zunehmende Belege dafür, dass das einst als inert geltende Nano- und Mikroplastik eine biologisch aktive Kontamination darstellt“, erläutert Pasquale Paolisso. Wissenschaftler des Sant’Andrea University Hospital um Pasquale Paolisso haben deshalb untersucht, ob die reale Mikroplastikbelastung des Menschen eine Gefahr für das Herz-Kreislauf-System darstellt. Sie haben dazu das Blut aus den koronaren Herzarterien und anderen Blutgefäßen von 39 Patienten mit chronisch verengten Herzkranzgefäßen oder einem schweren Herzinfarkt und 21 gesunden Menschen untersucht. Die Studie hat zudem berücksichtigt, ob die Probanden Raucher sind und wie hoch kurzfristige Feinstaubbelastung und ihre Feinstaubbelastung über zwei Jahre waren. Deutlich mehr Mikroplastik bei Menschen mit Herzinfarkt Die Analyse der Blutproben zeigt, dass deutlich mehr Menschen mit einem schweren Herzinfarkt Mikroplastikpartikel im Blut haben (84 %), als Menschen mit einer chronischen koronaren Herzkrankheit (40 %) und gesunde Menschen (31,8 %). Bei Menschen mit einem schweren Herzinfarkt war zudem die Mikroplastikkonzentration signifikant höher als bei den anderen Gruppen. „Auch die Konzentration des Nano- und Mikroplastiks war bei den Herzinfarktpatienten signifikant höher“, erklären die Forscher. Die Wissenschaftler haben zudem unterschiedliche Entzündungsmarker im Blut der Herzkranzgefäße (Koronararterien) bestimmt und entdeckt, dass im Blut der Herzinfarktpatienten deutlich mehr Entzündungsbotenstoffe wie Interleukin-6 vorkommen. Laut den Forschern um Paolisso ist es somit wahrscheinlich, dass Mikroplastik die Blutgefäße schädigt und das Risiko für Herzkrankheiten erhöht. „Dies stützt einen möglichen Zusammenhang zwischen der Mikroplastikbelastung und einem lokal proentzündlichen Milieu bei Patienten mit obstruktiver koronarer Herzkrankheit“, so die Wissenschaftler. Andreas Daiber, Professor für Molekulare Kardiologie an der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU), der nicht an der Studie mitgearbeitet hat, teilt die Schlussfolgerungen der italienischen Wissenschaftler. „Obwohl erhebliche Unsicherheiten bleiben, deutet das Zusammenspiel epidemiologischer, klinischer und mechanistischer Belege darauf hin, dass die Mikroplastikbelastung einen bislang unterschätzten Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten darstellen könnte“, erläutert Daiber. Hohe Feinstaubbelastung scheint Mikroplastikaufnahme zu fördern Die Studie hat zudem untersucht, welche Faktoren die Mikroplastikaufnahme fördern. Dabei haben die Forscher entdeckt, dass die meisten Patienten mit hohen Mikroplastikwerten im Blut der Koronararterien in Gegenden mit einer hohen Feinstaubbelastung leben. Die Feinstaubwerte an ihrem Wohnort lagen mindestens ein Jahr über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (15 µg/m³). Es besteht zudem eine starke Korrelation zwischen Rauchen und erhöhten Mikroplastikwerten. Es scheint also so zu sein, dass Rauchen die Mikroplastikaufnahme fördern könnte, wahrscheinlich durch einen indirekten Mechanismus. Es ist in der Medizin seit Langem bekannt, dass Zigarettenrauchen die Schleimhautbarriere in den Atemwegen schwächt. Dadurch könnte auch Mikroplastik aus der Luft leichter über die Lunge in den Blutkreislauf gelangen. Die Luftverschmutzung durch Feinstaub könnte auf eine ähnliche Art die Mikroplastikaufnahme fördern. „Interessanterweise wurde bei allen Herzinfarktpatienten mit Raucher-Vorgeschichte Plastikpartikel nachgewiesen, aber bei keinem der nichtrauchenden Kontrollen“, so die Forscher. Laut den Wissenschaftlern verdeutlicht die Studie, dass Mikroplastik eine immer größere Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellt, vor allem, wenn eine hohe Mikroplastikkontamination gemeinsam mit Risikofaktoren wie Feinstaub und Rauchen auftritt und sich so die gesundheitsschädlichen Effekte gegenseitig verstärken. Quellen: Studie im European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehag447 15. Juli 2026 - Robert Klatt Keine Meldungen mehr verpassen – mit unserem wöchentlichen Newsletter.

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