Militär startet neue Angriffswelle und widerspricht „Falschmeldung“ aus Teheran
Audioplayer wird geladen Anzeige Das US-Militär hat in der Nacht auf Donnerstag seine Angriffe auf den Iran fortgesetzt. Diese hätten um 17.30 US-Ostküstenzeit (1 Uhr Ortszeit im Iran) begonnen. Es war die zwölfte nächtliche Angriffswelle in Folge. Die fünfstündige Angriffswelle sei um 22.30 US-Ostküstenzeit (6 Uhr Ortszeit im Iran) beendet worden. Das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) erklärte erneut, die Angriffe dienten dazu, „Irans Fähigkeit weiter zu schwächen, zivile Seeleute und Handelsschiffe in den Gewässern der Region zu bedrohen“. Zu den Zielen zählten demnach Raketen- und Drohnenlager, Anlagen zur Küstenüberwachung sowie die Flugabwehr des Landes. Anzeige Iranische Staatsmedien berichteten, US-Raketen hätten am späten Mittwochabend Ziele nahe den Städten Ahwas, Ramhormus und Andimeschk im Westen des Landes getroffen. Bei einem weiteren US-Raketenangriff auf die Stadt Schalamtscheh an der irakischen Grenze seien zudem zwei Menschen getötet worden, meldeten die Staatsmedien am frühen Donnerstagmorgen. Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump bei einer Veranstaltung in Marietta im US-Bundesstaat Georgia betont, dass der Iran aus seiner Sicht noch nicht bereit für einen Deal sei. Immer wenn Teheran einen Kompromiss schließe, wollten sie ihn danach wieder ändern, kritisierte Trump. „Sie sind noch nicht bereit. Sie werden aber sehr bald bereit sein“, betonte er – was sich als indirekte Drohung interpretieren ließ. Anzeige Luftabwehr in Kuwait aktiviert In der Nacht teilten Militärvertreter in Kuwait in den sozialen Medien mit, die Luftabwehr des Landes habe „Angriffe feindlicher Drohnen abgewehrt, nach der sündhaften iranischen Aggression“. Der Iran hatte auf die US-Angriffe mit Angriffen gegen Energieinfrastruktur und Entsalzungsanlagen reagiert, die in den trockenen Nachbarstaaten am Golf Trinkwasser liefern. Lesen Sie auch Nach internationalem Recht sind solche Angriffe grundsätzlich verboten, sofern die Infrastruktur nicht für militärische Zwecke genutzt wird. Die USA versuchen, die Kontrolle über die Straße von Hormus zurückzugewinnen und den internationalen Schiffsverkehr wiederherzustellen. Beide Seiten nehmen zunehmend zivile Infrastruktur ins Visier. Zudem stellten die US-Streitkräfte am Mittwoch in einem „Faktencheck“ auf X klar, dass der Iran die Straße von Hormus nicht kontrolliere. „Die Marine der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) behauptete heute, die Ein- und Ausfahrt durch die Straße von Hormus zu kontrollieren, und suggerierte damit, dass internationale Schiffe nur die von der IRGC bevorzugten Routen nutzen könnten. Dies ist FALSCH“, so das US-Militär. Der Iran kontrolliere die Straße von Hormus nicht. „Die internationale Wasserstraße bleibt ungeachtet der Drohungen und Angriffe der IRGC für den Transit geöffnet“, schrieb Centcom. „Handelsschiffe nutzen die Straße weiterhin mit Unterstützung des US-Militärs.“ Seit Anfang Mai hätten amerikanische Streitkräfte bereits mehr als 900 Schiffen die Durchfahrt durch die Straße ermöglicht. Angesichts der erneuten Eskalation im Nahen Osten ist der Ölpreis am Donnerstag auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Wochen gestiegen. Ein Fass der Nordseesorte Brent verteuerte sich um zwei Prozent auf 96 Dollar. Als Gründe nannten Händler die fortgesetzten US-Angriffe auf den Iran sowie Attacken der Huthi-Rebellen auf Öltanker im Roten Meer. Irans Parlamentspräsident: Es geht um alles oder nichts Der Iran drohte am Mittwoch, Ölexporte anderer Länder der Region zu verhindern, wenn er selbst kein Öl exportieren kann. Es gehe in diesem Krieg um alles oder nichts, schrieb der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf auf der Plattform X. Wenn der Iran sein Öl nicht verkaufen könne, werde niemand sonst in der Region sein Öl verkaufen können. Wenn die Sicherheit des Irans nicht gewährleistet sei, werde keine Infrastruktur sicher sein. Mit Blick auf die für den weltweiten Ölhandel wichtige Straße von Hormus fügte er hinzu, die Sicherheit der Meerenge hänge davon ab, dass keine amerikanischen Streitkräfte dort stationiert sind. Der Iran habe wiederholt erklärt, dass die Lage dort nicht wieder so werde wie vor dem Krieg. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, künftig jedes Mal eine Brücke oder ein Kraftwerk im Iran zu zerstören, wenn die Islamische Republik ein Schiff in der Straße von Hormus beschießt. Die Führung in Teheran reagierte wiederum mit eigenen Drohungen. Im Fall von US-Angriffen auf Irans Infrastruktur werde es massive Vergeltung geben, erklärte Außenminister Abbas Araghtschi auf X. „Unsere Verteidigungsrichtlinie ist klar: Auge um Auge.“ Jeder Angriff auf den Iran, einschließlich seiner Infrastruktur, werde „eine kraftvolle und entschlossene Reaktion nach sich ziehen“, erklärte der Außenminister. USA entsenden Spezialeinheiten, Bomber in Bereitschaft US-Medien berichten seit Tagen über Indizien für eine mögliche Ausweitung der US-Angriffe – etwa über die Verlegung weiterer Kampfflugzeuge in die Region. Das „Wall Street Journal“ berichtet nun über weitere Anzeichen dafür. So seien in der vergangenen Woche laut Flugverfolgungsdaten und Aussagen von US-Beamten Spezialeinheiten in die Region entsandt worden. Zudem befänden sich Bomber auf Stützpunkten in den USA und Großbritannien in höchster Einsatzbereitschaft, zitiert die Zeitung einen der Beamten. Außerdem seien in den vergangenen Tagen mehr als 150 Sanitäter im Landstuhl Regional Medical Center in Rheinland-Pfalz eingetroffen, der wichtigsten Anlaufstelle für die Behandlung von im Nahen Osten verletzten US-Soldaten. Nach Einschätzung des „Wall Street Journal“ könnte die Truppenverstärkung auch darauf abzielen, Trump mehr Handlungsspielraum zu geben, um gegen die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen vorzugehen. AP/dpa/saha