Militärflugzeug verursachte Chaos
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Militärflugzeug verursacht Luftverkehrschaos – 2000 Flüge gestrichen
Von: Christoph Gschoßmann
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Airline-Manager sind fassungslos, als sie erfahren, was den NATS-Kollaps ausgelöst hat – und welche Sicherheitslücke dabei ans Licht kommt.
Southampton – Kurz vor 13 Uhr leuchten im NATS‑Kontrollzentrum nahe Southampton die Warnlampen auf. Binnen zwei Minuten stoppen die Starts an allen Londoner Flughäfen. Niemand weiß zunächst, was passiert – nur, dass sich gerade etwas Gravierendes zusammenbraut. „Innerhalb von zwei bis drei Minuten wurde alles heruntergefahren“, erinnert sich ein Airline-Manager, der zu diesem Zeitpunkt im Operationsraum seiner Gesellschaft sitzt, gegenüber der Financial Times.
Was an jenem Dienstag (8. September 2026) das britische Flugsicherungssystem zum Absturz bringt, ist laut der Financial Times ein einzelner Flugplan eines britischen Militärflugzeugs mit fehlerhaften Daten. Diese lösen eine Kettenreaktion im zentralen Flugverarbeitungssystem der National Air Traffic Services (NATS) aus. Mehr als 2.000 Flüge werden gestrichen, über 330.000 Reisende sind betroffen – Maschinen landen notgedrungen so weit entfernt wie Bonn und Düsseldorf.
Luftverkehrschaos über Großbritannien: Krisennetzwerk kämpft stundenlang
NATS schaltet umgehend sein Krisennetzwerk ATICCC zusammen – mehr als 100 Beteiligte, von Airlines und Flughäfen bis zum Verkehrsministerium und den Flugsicherungen aus Frankreich und Irland. Doch die Lage bleibt unkontrollierbar. Gegen 13.30 Uhr rollen erste Flugzeuge wieder an – nur um kurz darauf erneut zu stoppen, weil ein Folgefehler das System trifft. Am Nachmittag warten Passagiere auf dem Rollfeld bereits fünf Stunden. Um 17.30 Uhr sind es zehn, berichtet die FT. Ryanair-Betriebschef Neal McMahon fasst den Tag knapp zusammen: „Es war ein komplettes Chaos.“
Das Problem: Das Flugverarbeitungssystem hat kein dediziertes Backup. Nats steckt mitten in einer Systemmodernisierung – eine vollständige Datensicherung wäre zu teuer, so die FT. Als Nats-Betriebsleiterin Kathryn Leahy am Abend Airline- und Flughafenmanager darüber informiert, dass ein einzelner Flugplan das Chaos ausgelöst hat, reagiert ein Manager fassungslos: „Das kann nicht Ihr Ernst sein.“ Airlines hatten nach dem Ausfall von 2023 Garantien bekommen, dass sich so etwas nicht wiederholt. „Uns wurde gesagt, die Empfehlungen seien vollständig umgesetzt worden – aber ehrlich gesagt haben wir dafür nie Belege gesehen“, sagt ein Airline-Vorstand der FT.
Großbritannien: Minister lobt System einen Tag zu früh
Für Nats-Chef Martin Rolfe, dessen Gesamtvergütung aus Gehalt und Boni laut Daily Mail bei umgerechnet rund 1,67 Millionen Euro jährlich liegt, wird die Lage existenzbedrohend. Ein Insider sagt der FT: „Das ist der Anfang vom Ende.“ Wizz Air-Großbritannienchefin Yvonne Moynihan fordert: „Wenn die Organisation noch irgendeine Glaubwürdigkeit haben will, muss sie irgendeinen Wandel zeigen.“ Ryanair-Chef Michael O‘Leary wird noch deutlicher: „Wir brauchen keine weiteren Untersuchungen, keine weiteren Berichte“, sagt er dem Guardian.
Das politische Timing trifft Labour empfindlich: Einen Tag vor dem Ausfall hatte Luftfahrtminister Keir Mather auf eine parlamentarische Anfrage erklärt, das System sei „gut vorbereitet“ und habe „erhöhte Widerstandsfähigkeit“, berichtet die Daily Mail. Tory-Schattenverkehrsminister Richard Holden kommentiert: „Labour sind Opfer ihrer eigenen Hybris.“
Verkehrsministerin Heidi Alexander bestellte Rolfe ins Ministerium, forderte binnen einer Woche einen Bericht und ordnete eine unabhängige Untersuchung durch die Civil Aviation Authority an. Entlassen will sie ihn vorerst nicht. Das Verteidigungsministerium weist jede Mitschuld zurück – ein Fehler des Militärs sei nicht erkennbar, so ein Sprecher gegenüber dem Guardian. Für betroffene Passagiere bleibt eine bittere Nachricht: Entschädigungen sind laut CAA nicht vorgesehen – das Ereignis gilt als „außergewöhnlicher Umstand“. (Quellen: Financial Times, Daily Mail, The Guardian) (cgsc).