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Milka-Schokolade deckt grundlegendes Problem in deutschen Supermärkten auf

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Milka-Schokolade deckt grundlegendes Problem in deutschen Supermärkten auf

Von: Andreas Apetz

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Mal 1,99 Euro, mal 79 Cent – die Preispolitik von Milka sorgt für Unmut. Laut Fachleuten zeigt dies ein Grundproblem des deutschen Lebensmittelhandels.

Frankfurt – 1,99 Euro für 90 Gramm Schokolade – und wenige Wochen später dieselbe Tafel für 79 Cent im Angebot. Was nach einem Rechenfehler klingt, ist bei Milka offenbar Strategie. Die wechselnden Preise und sinkenden Produktgrößen der lilafarbenen Tafeln stören viele Verbraucherinnen und Verbraucher schon länger: Niemand weiß mehr, was ein Produkt eigentlich wert ist.

Auf Linkedin beschreibt Unternehmer Andreas Lambeck die Preispolitik des Herstellers als „wahlloses Preis-Roulette“: Der Preissprung auf 1,99 Euro bei gleichzeitiger Reduzierung auf 90 Gramm sei mit gestiegenen Kakaopreisen begründet worden. Doch obwohl sich die Rohstoffkosten seit der Preiserhöhung zwischenzeitlich wieder entspannt hatten, bleibt der neue Preis bestehen.

Ärger über Milka-Schokolade: „Preis-Roulette ist der Tod jeder Marke“

Manchmal gibt es eine Tafel Milka jedoch plötzlich für 79 Cent als Aktionsware. Für Lambeck untergräbt dies das Vertrauen in den Hersteller: Zwischen „unvermeidbarer Kostenexplosion“ und „Super-Schnäppchen“ liege oft nur ein schwacher Absatz. „Ein wahlloses Preis-Roulette ist der Tod jeder Marke.“ Dass Lambeck mit seiner Einschätzung nicht allein steht, zeigt ein Blick in die sozialen Netzwerke. Auf Reddit rufen Nutzer inzwischen offen zum Milka-Boykott auf. Der normale Preis der Tafeln sei „unverschämt“, die stetigen Änderungen der Produktgrößen ein „Trauerspiel“, kommentieren Nutzer.

Carsten Demming kann das Misstrauen verstehen. Er ist Leiter des BWL‑Studiengangs „Food Management“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. Solche Praktiken könnten „langfristig das Vertrauen in die Preissetzung im Lebensmitteleinzelhandel“ erschüttern, erklärt er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Zwar würden Konsumenten Preissteigerungen akzeptieren, solange ihnen die Hintergründe nachvollziehbar erklärt werden. Von einem „Vertrauensbruch“ könne man aber sprechen, wenn die Preise nach Wegfall der Gründe – etwa gesunkener Rohstoffkosten – hoch blieben.

Durch die ständigen Rabattaktionen werde der eigentliche Normalpreis zum „überteuerten Normalpreis“. Das Ergebnis sei eine Jagd nach dem billigsten Angebot, die die generelle Markenbindung auflöse. „Wenn sie allerdings darauf aufmerksam gemacht werden, dass Unternehmen diese Schwäche ausnutzen, reagieren sie häufig drastisch“, sagt Demming. Hier werde die Beziehung zur Marke beschädigt.

Verbraucherzentrale: Milka-Strategie ist „kein Einzelfall“

Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher würden sich die extremen Preissprünge wie „Abzocke“ anfühlen, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg gegenüber der Frankfurter Rundschau. Die schwankenden Schokoladenpreise seien „kein Einzelfall“ – die Strategie von Milka sei gängige Praxis im Supermarkt. Kleinere Hersteller würden häufig bei den Preisen des Marktführers mitziehen, ohne selbst von steigenden Kosten betroffen zu sein. Das mache den Markt noch undurchschaubarer und führe zu „Frustration und Unsicherheit“. Die Verbraucherzentrale fordere deshalb eine Preistransparenzstelle, die offenlegt, wie sich Preise zusammensetzen und wer daran verdient.

Angesichts dieser Marktpraktiken hatte die Verbraucherzentrale Hamburg gegen den Milka-Mutterkonzern Mondelez geklagt. Der Vorwurf: unlauterer Wettbewerb. Aus Sicht der Verbraucherschützer handele es sich bei der „Alpenmilch“-Schokoladentafel mit erhöhtem Preis, aber zehn Gramm weniger Inhalt, um eine „Mogelpackung“. Bei der Gerichtsverhandlung in Bremen im April 2026 bestätigte der Vorsitzende Richter, dass es „eine relative Mogelpackung“ sei. „Der Verbraucher erkennt keinen Unterschied.“

Um diese Irreführung zu vermeiden, hätte der US-Konzern deutlich und wahrnehmbar für midnestens vier Monate auf die geringere Menge hinweisen müssen. Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig. Mondelez kann dagegen noch Rechtsmittel einlegen. „Wir nehmen die heutige Entscheidung des Gerichts zur Kenntnis und ernst und schauen uns die Urteilsbegründung des Gerichts jetzt im Detail an“, teilte das Unternehmen nach der Entscheidung auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

Mondelez hatte vor dem Prozess in einer Stellungnahme auf hohe Kosten verwiesen – etwa für Kakao –, die sich fast verdreifacht hätten. Die Gewichtsreduzierung sei nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ohne Kompromisse bei der Qualität zu machen. Preiserhöhungen seien das „letzte Mittel“. Auf Transparenz setze man durch die deutliche Gewichtsangabe auf der Verpackung. (Quellen: Linkedin, Reddit, eigene Recherche, tagesschau, dpa)

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