Milliarden-Beben bei SpaceX: Neue Anleihen rutschen tief ins Junk-Risiko ab
Einer der größten Börsengänge aller Zeiten wackelt. Analysten von Mahoney Asset Management warnen: Die SpaceX-Krise am Fremdkapitalmarkt hat erst begonnen. Erst wenige Wochen ist es her, dass Elon Musks Raumfahrt- und Telekommunikationskonzern SpaceX an die Börse gegangen ist. Der Börsengang galt als einer der größten der Geschichte, doch inzwischen scheinen die Finanzmärkte das Unternehmen skeptisch zu beäugen. Zumindest gerät SpaceX gleich an zwei Fronten zunehmend unter Druck. Weiterlesen nach der Anzeige Während die Aktie am Dienstag bei 136,08 US-Dollar schloss – nur knapp einen Dollar über dem IPO-Ausgabepreis von 135 Dollar –, spielt sich am Anleihemarkt ein Drama ab, das für die Zukunft des Unternehmens womöglich schwerer wiegt. Wie die Financial Times (FT) berichtet, hat sich der Risikoaufschlag der langlaufenden SpaceX-Anleihe mit Fälligkeit 2056 innerhalb weniger Wochen von 175 auf 231 Basispunkte über US-Staatsanleihen ausgeweitet. Das Papier ist damit die am schlechtesten performende BBB-Benchmark-Anleihe im gesamten ICE-BofA-Index. Die Dimension lässt sich in einer einzigen Zahl zusammenfassen: Wer bei der Erstausgabe 100 Millionen Dollar in diese Tranche investierte, hält heute nur noch Papiere im Wert von 90,7 Millionen Dollar. Mehr als zwei Drittel dieses Verlustes gehen laut FT nicht auf den allgemeinen Ausverkauf langlaufender US-Staatsanleihen zurück, sondern auf die Spread-Ausweitung – also das gewachsene Misstrauen des Marktes gegenüber SpaceX als Schuldner. Vom Investment-Grade in Richtung Junk Besonders brisant ist der Vergleich mit dem breiteren Markt. Im ICE-BofA-Triple-B-US-Dollar-Index für Unternehmensanleihen sind 5.543 Anleihen gelistet, 1.450 davon mit einem Nennwert von mindestens einer Milliarde Dollar. Unter all diesen Papieren belegt die SpaceX-2056-Anleihe seit ihrer Aufnahme in die Indizes Ende Juni den letzten Platz. Weiterlesen nach der Anzeige Laut FT-Analyse nähern sich die Renditeaufschläge von SpaceX dabei dem Niveau von Double-B-Anleihen an – jener Kategorie also, die Ratingagenturen als spekulativ einstufen und die im Marktjargon als "Junk" firmiert. SpaceX hatte kurz nach dem IPO insgesamt 25 Milliarden Dollar über fünf Tranchen mit Laufzeiten zwischen 2031 und 2056 aufgenommen, wie aus einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens hervorgeht. Die Emission war mit rund 90 Milliarden Dollar an Orders mehr als dreifach überzeichnet, also beschloss SpaceX, das geplante Volumen von 20 auf 25 Milliarden Dollar zu erhöhen. Geführt wurde das Gläubiger-Konsortium von BofA Securities, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley. Aktie taumelt am Abgrund des IPO-Preises Parallel zum Anleihe-Debakel steht die SpaceX-Aktie unter Dauerdruck. Wie Bloomberg berichtet, hat das Papier seit seinem Höchststand nach dem Börsengang rund ein Drittel verloren, mit anderen Worten: Fast 850 Milliarden Dollar an Börsenwert haben sich aufgelöst. Am Mittwoch fiel der Kurs zeitweise auf 133,34 US-Dollar und damit erstmals unter den IPO-Ausgabepreis von 135 Dollar. Ken Mahoney, Geschäftsführer von Mahoney Asset Management, erklärte gegenüber Bloomberg, er glaube nicht, dass SpaceX seinen Tiefpunkt erreicht habe. In den kommenden Monaten werde es durch auslaufende Sperrfristen für Insider ein "kontinuierliches Angebot" an Aktien geben. Die Aktie wird mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 30 gehandelt, was einer der höchsten Werte im Nasdaq 100 ist. SpaceX wurde nach einer verkürzten Wartefrist von nur 15 Handelstagen in den Index aufgenommen. Milliardenverluste hinter der Billionen-Bewertung Die Fundamentaldaten liefern den Skeptikern Munition. SpaceX erzielte 2025 einen Umsatz von rund 18,6 Milliarden Dollar, verbuchte aber einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar. Profitabel arbeitet einzig der Satellitendienst Starlink. Die Anfang 2026 übernommene KI-Tochter xAI riss mit 2,47 Milliarden Dollar operativem Verlust bei gerade einmal 818 Millionen Dollar Umsatz ein Loch in die Bilanz, wie eine Analyse der Konzernfinanzen zeigt. Starinvestor Michael Burry, der als "Big Short"-Investor mit seiner Wette gegen die US-Immobilienblase berühmt wurde, hält sich demonstrativ fern. SpaceX sei "im Grunde ein kleines Raumfahrtunternehmen, ein Nischen-Telekommunikationsunternehmen und eine Art Coreweave-Light" – nichts im IPO-Prospekt deute darauf hin, dass der Konzern eine Billion Dollar wert sei, geschweige denn zwei Billionen. Auch institutionelle Investoren reagieren skeptisch: Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension hatte SpaceX bereits vor dem Börsengang auf seine schwarze Liste gesetzt und die Bewertung als "großzügig übertrieben" kritisiert. Für Anleihe-Investoren, die ihre Papiere bis 2056 halten, könnten die gestiegenen Renditeaufschläge langfristig zu höheren Erträgen führen – vorausgesetzt natürlich, SpaceX überlebt bis dahin. Für den Konzern selbst wird die Lage unangenehmer: Analysten hatten den Anleihemarkt als Hauptquelle externer Finanzierung für die kommenden Jahre eingeplant. Diese Rechnung geht bei Spreads auf Junk-Niveau nicht mehr auf.