Milliarden-Deal mit Windkraftgegner Trump: RWE gibt Offshore-Pläne auf - und steigt auf Gas um
Startseite Wirtschaft Milliarden-Deal mit Windkraftgegner Trump: RWE gibt Offshore-Pläne auf – und steigt auf Gas um Von: Lennart Niklas Johansson Schwenck Uns auf Google folgen RWE beendet alle Offshore-Windpläne in den USA. Die US-Regierung zahlt dafür 1,22 Milliarden Dollar. Das Geld fließt jetzt in Gas und Flüssiggas. Washington D.C. – Der deutsche Energiekonzern RWE gibt sämtliche Offshore-Windprojekte in den Vereinigten Staaten auf und lässt sich diesen Schritt von der US-Regierung mit 1,22 Milliarden Dollar vergüten. Damit endet ein jahrelanger Konflikt zwischen dem Essener Versorger und der Regierung von US-Präsident Donald Trump, der Windkraft auf See seit Amtsantritt konsequent ausbremst. Die Vereinbarung zwischen der US-Tochter RWE Offshore und dem amerikanischen Innenministerium betrifft insgesamt drei Projekte, die noch aus der Amtszeit von Joe Biden stammen. RWE hatte die Flächen in der New York Bight sowie vor den Küsten Kaliforniens und Louisianas 2022 ersteigert, damals mit dem Rückenwind einer Regierung, die den Ausbau der Windkraft aktiv förderte. Ausgleichszahlung von 1,22 Milliarden Dollar: Warum RWE die US-Windpachten zurückgibt Dabei kostete die Pacht vor New York den Konzern allein rund 1,1 Milliarden US-Dollar. Für die beiden weiteren Flächen kamen zusammen etwa 163 Millionen US-Dollar hinzu. In seiner Mitteilung begründet RWE den Rückzug nüchtern. „Nach sorgfältiger Abwägung wurde festgestellt, dass für diese Projekte in den USA auf absehbare Zeit keine Genehmigungsfähigkeit gegeben ist“, heißt es dort. Wenn ein Projekt keine Aussicht auf Umsetzung mehr hat, wird aus einer politischen Blockade schnell eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Mit dem Vergleich erhält RWE nicht nur seine investierten Mittel zurück, sondern zusätzlich einen Ausgleich, der über die ursprünglichen Kosten hinausgeht. Im Gegenzug verzichtet der Konzern auf sämtliche rechtlichen Ansprüche gegenüber der US-Regierung. Die Offshore-Flächen liegen im sogenannten Outer Continental Shelf, also außerhalb der Hoheitsgewässer der Bundesstaaten, die meist bis drei Seemeilen vor der Küste reichen. Für Flächen jenseits dieser Grenze ist ausschließlich die Bundesregierung zuständig, konkret das Bureau of Ocean Energy Management im US-Innenministerium. Genau diese Zuständigkeit hat die Trump-Regierung genutzt, um die Windprojekte über Genehmigungsverfahren faktisch zum Stillstand zu bringen. Dass der Rückzug auf Bundesebene erzwungen werden kann, erklärt auch, warum sich einzelne Bundesstaaten mit eigenen Klimazielen dagegen kaum wehren können. Offshore Windparks gestoppt: RWE lenkt das Geld nun in Gas und LNG Was mit den 1,22 Milliarden US-Dollar passiert, macht RWE ebenfalls transparent. Der Konzern beteiligt sich mit 900 Millionen US-Dollar indirekt am Flüssiggasprojekt Louisiana LNG und finanziert damit den Bau eines LNG-Terminals mit. Weitere 300 Millionen US-Dollar reserviert RWE für Gasturbinenkapazitäten im Rahmen einer Pipeline von 15 geplanten Spitzenlast-Gaskraftwerken in verschiedenen US-Bundesstaaten. Der Ausgleichszahlung für den Offshore-Ausstieg steht damit ein fast deckungsgleiches Investitionsvolumen in fossile Energien gegenüber, wie Zahlen des IWR zeigen. RWE begründet den Schwenk mit dem Wunsch, Kapital dort einzusetzen, wo eine verlässliche Umsetzungsperspektive besteht. „Das Unternehmen sieht in dieser Lösung den besten Weg, die Interessen seiner Stakeholder zu wahren und Ressourcen auf Energieprojekte zu konzentrieren, für die eine verlässliche Umsetzungsperspektive besteht“, teilte der Konzern mit. Trumps Kurs gegen Offshore-Windkraft seit Amtsantritt: Was aus dem übrigen US-Geschäft von RWE wird Gleich an seinem ersten Amtstag hatte Trump per Erlass neue Offshore-Windpachten in US-Gewässern auf unbestimmte Zeit gestoppt und die Vergabe neuer Genehmigungen bis zum Abschluss einer Überprüfung ausgesetzt. Betroffen waren Projekte mit einer Gesamtkapazität von 32 Gigawatt an der Ostküste, die nach einer Analyse des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research theoretisch Strom für mehr als zwölf Millionen amerikanische Haushalte hätten liefern können. Die Branchenlobby American Clean Power kritisierte den Erlass als pauschale Maßnahme, die die heimische Energieentwicklung gefährde und amerikanischen Unternehmen und Beschäftigten schade. Besonders heikel ist die Lage für Bundesstaaten im Nordosten der USA. New York, New Jersey und Virginia haben ambitionierte Klimaziele beschlossen, liegen aber zu weit nördlich, um in großem Stil auf Solarenergie mit Batteriespeichern auszuweichen. RWE ist bereits der fünfte Konzern, der eine solche Vereinbarung mit der US-Regierung schließt. Den Auftakt machte TotalEnergies mit einer Rückzahlung von 928 Millionen US-Dollar für zwei Offshore-Pachten, gefolgt von den Ocean-Wind-Projekten Bluepoint Wind und Golden State Wind mit zusammen rund 885 Millionen US-Dollar. Im Juni erhielt Invenergy für vier Offshore-Pachten 765 Millionen US-Dollar, Ende Juni folgte Duke Energy mit knapp 129 Millionen US-Dollar für eine Fläche vor North Carolina. Mit RWE steigt das Gesamtvolumen dieser fünf Vereinbarungen auf rund 3,93 Milliarden Dollar, wie aus Daten von IWR hervorgeht. Insgesamt geben die beteiligten Unternehmen zwölf Offshore-Windpachten auf, während das freigesetzte Kapital nahezu vollständig in LNG, Erdgas sowie Öl- und Gasförderung fließt.