Milliarden für ungenutzte Ladesäulen: Deutschland hat genug
Deutschlands milliardenteurer Lade-Irrtum Wie konnten wir uns so verrechnen? Eine Analyse von Markus Abrahamczyk 29.07.2026 - 15:00 UhrLesedauer: 2 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Deutschland hat die Reichweitenangst besiegt. Doch zu welchem Preis? Während Millionen E-Auto-Fahrer bequem zu Hause laden, bleiben die öffentlichen Säulen leer. Ein milliardenschweres Netz wird kaum genutzt. Wer in Deutschland ein Elektroauto fährt, hat im Alltag kein Reichweitenproblem mehr. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen des Energieverbandes BDEW und der Bundesnetzagentur. Mittlerweile stehen genau 204.078 öffentliche Ladepunkte bereit – ein Wachstum um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Schnitt ist der nächste Ladepunkt in nur fünf Minuten Fahrzeit erreichbar. Für Autofahrer ist das der pure Komfort. Das Paradoxon: Die Garage schlägt die Straße Doch genau dieser Komfort wird für die Betreiber zum Problem. Die teuren Säulen stehen verwaist und ungenutzt an den Straßen. Im Schnitt sind sie gerade einmal zu zwölf Prozent ausgelastet. Deutschland baut im Rekordtempo ein Netz auf, das kaum jemand braucht. Der Grund für die Leere liegt ausgerechnet im Erfolg an anderer Stelle: Die Deutschen laden zu Hause. Dank staatlicher Hilfen hängen inzwischen weit über eine Million private Wallboxen in den Garagen des Landes. Vier von fünf Ladevorgängen finden im privaten Umfeld statt. Loading... Embed Wer daheim günstig Strom tanken kann, nutzt die öffentliche Säule nur noch im absoluten Notfall oder auf der Langstrecke. Das teure öffentliche Netz verkommt somit zum reinen Sicherheitsnetz. Am Bedarf vorbei Hinzu kommt ein strukturelles Problem beim Ausbau. Wenn Autofahrer unterwegs sind, wollen sie ihr Fahrzeug schnell laden. Ultraschnelle Lader (ab 150 Kilowatt) boomen zwar und machen 19 Prozent des Netzes aus. Hinzu kommen mittlere Schnelllader mit einem Anteil von 6,5 Prozent. Der riesige Rest besteht jedoch aus langsamen Normalladern. Sie passen nicht mehr zum Leben. Sie sind zu langsam für den schnellen Stopp beim Einkaufen und zu unpraktisch für das lange Parken. Der Ausbau folgte der Statistik, nicht dem Verhalten der Autofahrer. Für die Anbieter stehen deshalb hohe Investitionen auf dem Spiel. Pacht, Tiefbau und Technik verschlingen Milliarden. Wenn aber kaum Strom fließt, lässt sich das Geld nur schwer wieder einspielen. Einige Betreiber reagieren und drehen an der Preisschraube. Das treibt die Autofahrer erst recht zurück an die heimische Steckdose. Ein Teufelskreis, der die Wirtschaft unter Druck setzt. Das sind die Top-Fragen des Tages: Die Politik im Gegenwind Das dichte Netz tarnt ein massives Problem auf der Nachfrageseite. Zwar wächst die Flotte, inzwischen ist jeder vierte Neuwagen ein Elektroauto. Doch der Hochlauf ist instabil. Die Branche warnt vor widersprüchlichen politischen Signalen aus Berlin. Die Betreiber erwarten eine verlässliche Politik und dauerhafte Steuervorteile wie im Ausland. Maßnahmen der Bundesregierung wie die Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel oder Diskussionen über gelockerte CO2-Vorgaben könnten jedoch den Umstieg auf Elektromobilität verlangsamen. Die Wirtschaft fordert stattdessen niedrigere Strompreise, um das Laden im öffentlichen Raum wirtschaftlich attraktiver zu machen. Bewerben Sie sich und werden Sie Teil des Leserbeirats Liebe Leserin, lieber Leser, Sie interessieren sich für unsere Ratgeber-Themen, z.B. Digital, Finanzen, Mobilität oder Reisen, und haben Feedback zu unserer Berichterstattung? Dann laden wir Sie ein, sich für unseren Leserbeirat zu bewerben. 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Verwendete Quellen bdew.de: "BDEW-Zahlencheck: 204.078 öffentliche Ladepunkte stehen E-Mobilisten auf der Fahrt in den Sommerurlaub zur Verfügung" bundesregierung.de: "Im Kabinett beschlossenFahrplan für das Ladenetz der Zukunft" ecomento.de: BDEW-Umfrage: Wie zufrieden sind E-Auto-Fahrer? vision-mobility.de: BDEW: Studie des Verkehrsministeriums überschätzt Ladebedarf massiv - 15-Mio-Ziel kassiert kfw.de: Ladestationen für Elektrofahrzeuge ecomento.de: Studie "Ladeinfrastruktur nach 2025/2030: Szenarien für den Markthochlauf" de.statista.com: Anzahl der öffentlichen Ladesäulen in Deutschland von Januar 2022 bis März 2026 Quellen anzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... ShoppingAnzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... 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