Milliardenprojekt: OpenAI wollte deutsches Rechenzentrum mit Atomstrom
OpenAI hat offenbar über Monate mit der Bundesregierung über ein großes KI-Rechenzentrum in Deutschland gesprochen. Wie zunächst das Handelsblatt unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen berichtete, sollte die Anlage nahe Frankreich entstehen und von dort Atomstrom beziehen. Bis zu ein Gigawatt Leistung geplant Nach den vorliegenden Informationen stellte OpenAI-Chef Sam Altman das Vorhaben im vergangenen Jahr mehreren Mitgliedern der Bundesregierung vor. Gespräche soll es unter anderem mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Vizekanzler Lars Klingbeil und Digitalminister Karsten Wildberger gegeben haben. Ein erster Austausch fand demnach am 24. September 2025 statt. Vorgesehen war offenbar ein Rechenzentrum mit einer elektrischen Leistung von bis zu einem Gigawatt. Das wäre für deutsche Verhältnisse außergewöhnlich groß: Die bestehenden KI-Rechenzentren in Deutschland kommen laut Bitkom zusammen derzeit auf kaum mehr als 0,5 Gigawatt. Bis 2030 soll ihre Kapazität auf zwei Gigawatt steigen. Allein das OpenAI-Projekt hätte damit einen erheblichen Teil des geplanten Ausbaus ausgemacht. Auch finanziell hätte das Vorhaben eine ungewöhnliche Größenordnung erreicht. Die Kosten für ein Rechenzentrum dieser Leistungsklasse werden auf einen zweistelligen Milliardenbetrag in US-Dollar geschätzt. Standort nahe der französischen Grenze Als möglicher Standort war offenbar eine Region nahe der französischen Grenze im Gespräch. Von dort aus sollte das Rechenzentrum mit französischem Atomstrom versorgt werden. Hintergrund seien die hohen Strompreise in Deutschland gewesen, die den Aufbau großer KI-Infrastruktur erschweren. Frankreich erzeugt mehr als 65 Prozent seines Stroms mit Kernkraftwerken und gilt damit als vergleichsweise verlässlicher Energiestandort. Vollständig wetterunabhängig ist die Versorgung jedoch nicht: Während starker Hitzeperioden müssen französische Atomkraftwerke teilweise gedrosselt oder abgeschaltet werden, weil Flüsse zu warm für die Kühlung sind. Die Bundesregierung soll dem Projekt zunächst offen gegenübergestanden haben. Im weiteren Verlauf hätten die Gespräche jedoch kaum konkrete Fortschritte gebracht. Nach Darstellung aus Regierungskreisen fehlte es an technischen und organisatorischen Details, während ernsthafte Planungen auf Arbeitsebene offenbar ausblieben. OpenAI wollte sich zu den Gesprächen sowie zu Größe und Standort des Projekts nicht äußern. Das Unternehmen erklärte lediglich, Deutschland besitze großes Potenzial für die weitere Entwicklung von KI. Derzeit konzentriere sich OpenAI hierzulande unter anderem auf die Zusammenarbeit mit SAP im Bereich souveräner KI. Das geplante Rechenzentrum liegt vorerst auf Eis.