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Min-jae Kim: In Korea Kapitän und Superstar, beim FC Bayern nur Back-up

Sport

Plötzlich sogar Kapitän Hier ist er der Superstar des FC Bayern Von Julian Buhl 07.08.2026 - 12:21 UhrLesedauer: 5 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! In Asien ist Min-jae Kim ein gefeierter Superstar, beim FC Bayern hingegen nur noch Reservist. Auf der Marketingtour äußert er sich überraschend deutlich zu seiner ungewissen Zukunft. Min-jae Kim erlebt in dieser Woche eine verkehrte Welt. In München hält sich der zurückhaltende Südkoreaner nach wie vor stets lieber im Hintergrund und spielt auch sportlich beim Rekordmeister mittlerweile nur noch eine Nebenrolle. Auf der Asienreise der Bayern ist aber alles anders. Denn dort ist Kim der große Superstar. Für den Aufenthalt in seinem Heimatland auf der Insel Jeju, wo die Münchner von Samstag bis Mittwoch Station machten, galt das ohnehin. Dass Kim vor dem Testspiel gegen Jeju SK FC (2:1) an der Seite von Chefcoach Vincent Kompany bei der Pressekonferenz erschien, war nahezu logisch. Kim war schließlich genau der Spieler, für den sich die asiatischen Pressevertreter am meisten interessierten. Vom No-Name zur WM: 18-Jähriger schreibt ein Fußballmärchen bei Bayern Er ist der heimliche Gewinner bei Bayern: Kimmichs Erbe wird befördert Umso überraschender, dass die Organisatoren darauf dann doch nicht so richtig vorbereitet und Kompany und Kim plötzlich "lost in translation" waren. Nachdem die erste Frage eines mitgereisten Journalisten auf Deutsch an Kim gestellt wurde, musste sich der Dolmetscher nämlich entschuldigen. Und erklären, dass eine Übersetzung vom Deutschen ins Englische oder Koreanische nicht möglich sei und lediglich vom Englischen ins Koreanische funktionieren würde. Kompany muss für Kim übersetzen Kompany musste lachen und fragte in die Runde: "Aber wer übersetzt denn die deutschen Fragen für Min-jae?" Schließlich sprang der Coach seinem Spieler zur Seite und übersetzte die deutschen Fragen auf dem Podium auf Englisch. Kompany musste Kim dabei durchaus brisante Dinge per Flüsterpost übermitteln. Zum Beispiel, als es um einen möglichen Abschied in diesem Sommer ging. Kim antwortete folgendermaßen darauf: "Als Spieler bin ich sehr froh, bei Bayern zu sein, und sehr zufrieden. Ich habe einige Spiele absolviert, immer mein Bestes gegeben und alles auf dem Platz gelassen." Und weiter: "Ich hoffe, dass ich diese Saison mehr Gelegenheiten vom Trainer bekomme und bleiben kann." Der 29-Jährige denkt also offenbar nicht daran, den Rekordmeister wieder zu verlassen. So richtig angekommen ist Kim, der vor drei Jahren für knapp 50 Millionen Euro aus Neapel kam, allerdings noch immer nicht. Die Hoffnungen des FC Bayern, mit Kim ein "Abwehrmonster", als das er sich in Italien einen Namen gemacht hatte, geholt zu haben, erfüllten sich bislang nicht. Kim bei Bayern nur noch Reservist Nach mehreren Patzern in entscheidenden Spielen, unter anderem im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid, verlor er schon in seinem Debütjahr unter Thomas Tuchel seinen Stammplatz. Unter dessen Nachfolger Kompany war er auch in den vergangenen beiden Jahren nur noch Innenverteidiger Nummer drei. An dem aktuell gesetzten Duo aus Dayot Upamecano und Jonathan Tah führt für Kim auch weiterhin eigentlich kein Weg vorbei. "Wir haben in jeder Saison bei Bayern einen großen Wettkampf um die Plätze. Ich bin sehr froh, mich mit Tah und Upa messen zu können", sagte Kim über den ungleichen Konkurrenzkampf. "Wir haben ein gutes Verhältnis und wir sprechen viel über die Situationen. Ich kann auch vieles lernen. Und das ist der Grund, warum ich sehr zufrieden bin." Auch Kompany äußerte sich zu Kims Rolle bei Bayern. "Ich möchte Min-jae erst mal ein Kompliment machen. Egal, wie die Situation ist, er liefert auf dem Platz und redet nicht abseits des Platzes. Er gibt im Training alles, er gibt auf dem Platz alles und seine Leistungen in der letzten Saison waren richtig gut", sagte der Belgier. "Generell kann man natürlich sagen, das ist in der Abwehr die Nummer 1, 2, 3 oder 4 – die Leute machen gerne diese Ranglisten. Aber für mich ist es viel wichtiger zu sehen, was er leistet – und dementsprechend müssen die anderen auch ihre besten Leistungen bringen." Genau das wolle er auf jeder Position haben, nicht nur in der Innenverteidigung, so Kompany. Big in Korea, Bankdrücker bei Bayern Es ist nicht das erste Mal, dass Kompany betont, wie sehr er Kim in seinem Kader schätzt. Auch deshalb haben er und die Bayern Kim in diesem Sommer nicht auf die interne Verkaufsliste gesetzt, obwohl er mit dem Paket aus Ablöse und Gehalt ein ziemlich teurer Edelreservist ist. An Kims Rolle als Back-up dürfte sich trotzdem auch mit Blick auf die neue Saison nichts ändern. Sobald Upamecano aus seinem WM-Urlaub zurück ist, wird sich Kim wieder hinter ihm und Tah einreihen müssen. Ganz nach dem Motto: Big in Korea, Bankdrücker bei Bayern. Loading... Loading... Loading... Warum, das sah man auch beim Test gegen Jeju wieder. Dabei machte Kompany zwar eine besondere Ausnahme für Kim und ließ ihn für dieses Spiel sogar als Kapitän auflaufen. Als solcher wurde der Innenverteidiger von den knapp 22.500 Zuschauern im Stadion frenetisch begrüßt und auch nach der abgesprochenen Auswechslung nach gut einer halben Stunde gefeiert. Auf dem Platz hinterließ Kim aber einmal mehr keinen allzu guten Eindruck. Beim Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 ließ er sich von seinem Gegenspieler im Strafraum mit einem Rainbow-Flick-Trick, wie ihn einst Ex-Bundesliga-Star Jay-Jay Okocha gerne mal zeigte, düpieren und hatte einen großen Anteil am Gegentreffer. Kim bleibt ein unerfülltes Versprechen Bevor der FC Bayern am Mittwoch zu seiner zweiten und abschließenden Station nach Hongkong aufbrach, überraschte Kim noch mit einer besonderen Geste. Er lud die gesamte Mannschaft laut "Bild" zum Essen ein und ließ dafür am Dienstagabend ein sehr beliebtes Nationalgericht ins Mannschaftshotel kommen. Im noblen "JW Marriott Jeju Resort & Spa" wurde "Korean fried chicken" serviert, also frittiertes Hähnchen mit verschiedenen Soßen und Toppings. Auch in Hongkong ist Kim der von den lokalen Fans gefeierte Superstar. Bayerns Marketing-Vorstand Rouven Kasper erklärte im Rahmen der Asientour: "In Korea und in Asien generell ist es schon extrem, wie viel die Local Heroes (lokale Helden; Anm. d. Red.) ausmachen. Da sind wir schon bei unserer Reise 2024 nach Seoul mit Min-jae extrem positiv überrascht worden. Das funktioniert extrem stark bei den Medien-Partnerschaften und bei den Fans." Auf dem Platz verläuft die Partnerschaft der Bayern mit Kim bislang deutlich weniger erfolgreich. In Abwesenheit von Upamecano dürfte der Südkoreaner zwar auch am Freitag beim Härtetest gegen Aston Villa wieder in der Startelf stehen. Es könnte aber eine der letzten Chancen für ihn sein, zu beweisen, dass er für Bayern mehr sein kann als ein aus sportlicher Sicht unerfülltes Versprechen.

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