Minus 20 Prozent: Frankreich-AKWs fallen reihenweise aus - Solar springt ein
Hitzewellen und Dürre haben zur Abschaltung mehrerer französischer Kernreaktoren geführt, während eine starke Solarstromerzeugung zur Stabilisierung des Netzes beigetragen hat. Da die Photovoltaik-Leistung nach Sonnenuntergang zurückgeht, könnten Batteriespeicher helfen, den hohen Abendbedarf zu decken und die Abhängigkeit von der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken zu verringern. Die kombinierten Auswirkungen von Hitzewelle und Dürre haben bis Mitte August zur Abschaltung von 13 französischen Kernreaktoren geführt; das entspricht 20,4 Prozent der gesamten Kernkraftkapazität des Landes. Das stellt den höchsten Stand seit 2015 dar, berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. Der staatliche Energieversorger EDF begründet die Abschaltungen mit „umweltbedingten Einschränkungen“ und „externen Umweltfaktoren“. Kühlwasser Die meisten französischen Atomkraftwerke liegen an Flüssen und nutzen das Wasser der Flüsse zur Kühlung. Die AKWs entnehmen bedeutende Mengen Kühlwasser aus den Flüssen und leiten nach dem Kühlungsprozess das erwärmte Wasser wieder in den Fluss ein. Umweltauflagen schreiben allerdings vor, dass das Flusswasser eine gewisse Temperatur nicht überschreiten darf, um die darin lebenden Organismen zu schützen. Zumal Flüsse bei Hitzewellen wegen der Trockenheit ohnehin weniger Wasser mit sich führen als sonst – die eingeleitete Wärme kann sich also schlechter verteilen. Drei Atomreaktoren des größten französischen AKW Gravelines waren außerdem von einer Quallenplage vorübergehend lahmgelegt worden. Quallen finden wegen der globalen Erwärmung zunehmend Verbreitung in europäischen Gewässern. ANZEIGE ANZEIGE 14 statt 45 Gigawatt EDF rechnet in den kommenden Tagen zudem mit einem Leistungsrückgang in den Kernkraftwerken Blayais, Bugey, Cattenom, Chooz, Golfech, Gravelines und Saint-Alban. Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass die Wetterbedingungen zwischen dem 14. August und dem 1. September zu einem Kapazitätsverlust von bis zu 12.474 Megawatt führen könnten. Kleines Kraftwerk Echtzeitdaten des Netzbetreibers RTE zeigen, dass die Leistung der Kernkraftwerke am Morgen des 14. August bei rund 32 Gigawatt lag – an einem typischen Tag im März beispielsweise sind es 45 Gigawatt. Gleichzeitig ist die Solarstromerzeugung seit mehreren Wochen außergewöhnlich hoch und macht bis zu 35 Prozent des französischen Strommixes aus. Solar-Trend in fast ganz Europa Der Trend beschränkt sich nicht nur auf Frankreich. Die Solarstromerzeugung lag in mehreren europäischen Ländern während der jüngsten Hitzewellen über dem Normalniveau, zeigt eine Analyse der Energie-Denkfabrik Ember vom Donnerstag. „Während die Nachfrage steigt und andere Energiequellen Schwierigkeiten haben, ist Photovoltaik die einzige Stromquelle, deren Erzeugung über dem Normalniveau liegt“, heißt es in der Analyse. Die Studie untersuchte die Hitzewellen Ende Juni und im Juli; die Hitzewelle im August ist darin noch nicht enthalten. Frankreich ist nicht das einzige Land, das mit einer verringerten Leistung von Kraftwerken zu kämpfen hat. Im Vereinigten Königreich haben fünf Gaskraftwerke ihre Produktion gedrosselt. Im Nordosten Italiens gefährden niedrige Wasserstände des Flusses Po den Betrieb von Wärmekraftwerken. In Ungarn drosselte das Kernkraftwerk Paks – das fast die Hälfte des nationalen Stroms liefert – Anfang August seine Leistung drastisch, da der Wasserstand der Donau außergewöhnlich niedrig war. Auch Kohlekraftwerke in Serbien und Polen mussten ihren Betrieb einschränken. Die Wasserkraft war ebenfalls betroffen. Sieben der acht größten Wasserkraftproduzenten der Europäischen Union – auf die 90 Prozent der gesamten Wasserkrafterzeugung entfallen – verzeichneten eine Stromerzeugung, die unter ihren Fünfjahresdurchschnitten lag. „Der Anstieg der Solarstromerzeugung trug zur Stabilisierung des Stromnetzes bei, als andere Energiequellen Schwierigkeiten hatten, ihren normalen Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagt Chris Rosslowe, Analyst bei Ember. „Die Herausforderung beginnt nach Sonnenuntergang“ Die größte Herausforderung ergibt sich im weiteren Tagesverlauf. Während der Hitzewelle hilft die Solarstromerzeugung dabei, den Strombedarf zu decken, auch wenn andere Erzeugungsquellen nur mit reduzierter Leistung laufen. Nach Sonnenuntergang bleibt der Strombedarf jedoch hoch, vor allem aufgrund der Nutzung von Klimaanlagen, während die Photovoltaik-Erzeugung auf null sinkt. Das Stromnetz muss sich dann stärker auf steuerbare Erzeugungsquellen stützen, darunter Gaskraftwerke. „Die Herausforderung bei der Solarenergie beginnt nach Sonnenuntergang“, so Rosslowe. Batteriespeicher könnten hier Abhilfe schaffen, indem sie den tagsüber erzeugten Strom speichern und am Abend, wenn die Nachfrage weiterhin hoch ist, wieder abgeben. Dies könnte die Abhängigkeit von der teuersten thermischen Stromerzeugung verringern. Während der Hitzewellen Ende Juni und Anfang Juli stiegen die durchschnittlichen täglichen Strompreise im Vergleich zu den vorangegangenen Wochen an: in Ungarn um 119 Prozent, in Frankreich um 44 Prozent, in Italien um 13 Prozent und in Spanien um 7 Prozent. Laut Ember verzeichneten die Märkte am frühen Abend deutliche Preisspitzen. „Solarstrom hilft uns tagsüber, aber Batteriespeicher können am Abend übernehmen. Gemeinsam stellen sie eine der saubersten Möglichkeiten dar, das europäische Stromsystem widerstandsfähiger gegen die heißesten Sommer zu machen“, sagt Rosslowe. Von Gwénaëlle Deboutte +++ Keine Klima-News mehr verpassen – abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal +++ Das Original zu diesem Beitrag "Photovoltaik stabilisiert das französische Stromnetz bei Hitzewellen und sinkender Kernkraftleistung" stammt von pv magazine.