DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.447,15 USD 07:18:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Missing Link: Was ist eigentlich aus Cryptopartys geworden?

Technologie

Inhaltsverzeichnis close notice This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication. . Es muss im Jahr 2013 gewesen sein, als ich Alice und Bob kennenlernte. Ein, zwei Jahre zuvor hatte ich den örtlichen Erfahrungskreis des Chaos Computer Clubs (CCC) für mich entdeckt – Kellerräume, blinkende LEDs, Mateflaschen. Abgesessene Sofas, auf denen ich mit dem Laptop auf den Knien den Python-Code für meine Masterarbeit schrieb. Selbstbestimmter Umgang mit Technik und ein gesundes Misstrauen Autoritäten gegenüber waren immer schon Teil der CCC-Kultur. Als dann im Jahr 2013 durch die Snowden-Enthüllungen deutlich wurde, in welchem Ausmaß internationale Geheimdienste im Netz Daten über uns alle sammelten, da reagierten die anderen, die da mit mir auf den Sofas saßen, auf den ersten Blick abgebrüht – „war doch klar“. Doch nach und nach setzte sich eine neue Dringlichkeit durch: Was können wir tun, um uns und andere zu schützen? Unsere Privatsphäre, uns selbst vor dem Zugriff der Mächtigen? Missing Link Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen. Mehr zum Feuilleton "Missing Link" Von Australien ins Ruhrgebiet Eine mögliche Antwort: Cryptopartys. Entstanden im Jahr 2012 in Australien im Nachgang der Cybercrime Legislation Amendment Bill von 2011, hatte sich die Idee der Cryptoparty schon wenige Wochen später international ausgebreitet. Auch in Deutschland – unter anderem im Ruhrgebiet, wo ich auf dem Sofa eines CCC-Erfas saß – fanden 2012 erste Cryptopartys statt. Das öffentliche Interesse war allerdings noch gering. Das änderte sich dann 2013, als die große Medienaufmerksamkeit für die Snowden-Enthüllungen sich auch auf mögliche Maßnahmen gegen die Überwachung der eigenen Person ausdehnte. Zeitschriften und Online-Portale wollten über verschlüsselte Kommunikation berichten, auch wenn es ein unhandliches technisches Thema war. Das waren also die Umstände, unter denen 2013 Cryptopartys zum ersten Mal Mainstream wurden – etwas, von dem politisch interessierte Menschen zumindest schon mal gehört hatten, auch wenn sie sich ansonsten nicht für Technik interessierten. Ich schnupperte hinein in so eine Veranstaltung: Menschen unterschiedlichen Alters saßen da mit ihren ebenso unterschiedlichen Laptops. Ein paar Leute gingen herum, zeigten mit dem Finger auf Bildschirme, erklärten, was überhaupt ein E-Mail-Client ist oder warum Open Source sicherer sei als proprietäre Software. Immer wieder fiel das Wort „Schlüssel“. Es ging um verschlüsselte Messenger wie Threema, um verschlüsselte E-Mails, für Fortgeschrittene auch um Tor und Festplattenverschlüsselung. Ich las mich in das Thema ein und stellte fest: Ich will helfen. Gelegenheiten gab es genug, verschiedene Organisationen fragten Unterstützung bei Cryptopartys an. So lud beispielsweise ein ärztlicher Kollege meine Mitstreiter und mich ein, Cryptopartys auch auf den Kongressen zweier medizinischer Berufsverbände zu organisieren. Im Verhältnis zu anderen Sessions hatten wir zwar wenig Teilnehmer, dafür aber sehr engagierte – fast alle hatten sich auf eigene Faust schon über Verschlüsselung und die Sicherheit von Daten im Netz informiert, hatten das eine oder andere Plugin ausprobiert, und diskutierten lebhaft darüber, in welche politische Richtung die Digitalisierung des Gesundheitswesens in den kommenden Jahren wohl gehen würde. Und immer wieder ging es um das Kernproblem der Cryptoparty: Wie kann man Verschlüsselung einfach und alltagstauglich machen? Oder anders gefragt: Wie viel Unbequemlichkeit nehmen Menschen in Kauf, um sich vor einer erst mal wenig konkreten Gefahr zu schützen? Wie erklärt man Verschlüsselung? Und hier kommen Alice und Bob ins Spiel. 2013 war das Jahr, in dem auch interessierte Menschen ohne Technik-Hintergrund erstmals ihre Bekanntschaft machen konnten: Zwei fiktive Figuren, die das abstrakte Gebiet der Kryptographie – also Verschlüsselung und Signierung von Nachrichten – ein bisschen menschlicher und anschaulicher machen sollten. Alice und Bob sind viel älter als Cryptopartys: Sie wurden 1978 von den Kryptographen Ronald L. Rivest, Adi Shamir und Leonard M. Adleman, den Entwicklern des RSA-Algorithmus, in die Literatur eingeführt. Sie stehen für Sender und Empfänger, die vertraulich miteinander kommunizieren wollen. Dazu kommen verschiedene Gegenspieler, die die Korrespondenz zwischen Alice und Bob abhören, fälschen oder anders stören wollen – Eve zum Beispiel, die Lauscherin, oder Mallory, der den Inhalt der Nachrichten manipulieren will. Seit den 1980er Jahren entwickelte sich die Kryptographie von einem überwiegend technischen zu einem gesellschaftlichen Thema, das politische Wirkung entfaltet. In den 1990er-Jahren stritten Regierungen, Unternehmen, Bürgerrechtsgruppen und Hacker darüber, ob starke Verschlüsselung frei verfügbar sein sollte oder ob Staaten den Zugriff erzwingen durften. Eric Hughes veröffentlichte 1993 „A Cypherpunk’s Manifesto“ und mischte sich damit in die sogenannten Crypto Wars ein. Die Cypherpunks halten Verschlüsselung für eine Voraussetzung einer wirklich freien Gesellschaft. Auf den ersten Cryptopartys konnten wir also schon auf frei zugängliche Informationen im Netz verweisen. Die dortigen Quellen, die die Grundlagen der asymmetrischen Verschlüsselung erklärten, waren allerdings zum größten Teil auf Englisch, beispielsweise bei der Electronic Frontier Foundation (EFF). Dann arbeiteten wir mit selbstgemachten Flyern, verwiesen auf deutschsprachige Quellen, wie etwa die Seiten von Digitalcourage e.V., oder zeigten Präsentationen. Schließlich wurde auch ein Buch daraus: „Gut gerüstet gegen Überwachung im Web: Wie Sie verschlüsselt mailen, chatten und surfen“ erschien 2015. Es geht um die digitale Selbstverteidigung. Grundlegende Maßnahmen können einerseits auch technische Laien lernen, andererseits sind sichere Kommunikation und sicheres Surfen immer ein bisschen umständlicher als der Verzicht auf alle Sicherheitsmaßnahmen. Die absolute Sicherheit wird es nicht geben, aber mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sie sich schon deutlich erhöhen. Ein Bestseller wurde das Buch nicht, aber als Raubkopien des Buchs als PDFs auf den einschlägigen Seiten auftauchten, zählten wir das auch als Erfolg: Leute interessierten sich für das Thema. Doch was wurde aus dem anfänglichen Interesse?

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