Mission am Limit: Australische Crew rettet US
Im antarktischen Winter landen Flugzeuge nur in sehr seltenen Fällen. Wochenlang geht die Sonne nicht auf, die Landebahn ist vereist, und jeder Flug steht und fällt mit dem unberechenbaren Wetter der Region. Doch als in der US-Forschungsstation McMurdo ein medizinischer Notfall auftrat, machte sich eine australische Crew trotzdem bereit, um – nach Angaben des Betreibers – einen der extremsten Wintereinsätze eines Passagierflugzeugs überhaupt zu absolvieren. Die Australian Antarctic Division (AAD) und ihr Luftfahrtpartner Skytraders reagierten dabei auf die Anfrage des US-Antarktisprogramms. Der Airbus A319 „Snowbird 1“ startete am 31. Juli um 2.44 Uhr australischer Ostküstenzeit von Hobart aus. Mit an Bord waren neben den Piloten Fachleute der AAD sowie des Centre for Antarctic, Remote and Maritime Medicine (CARMM). Landung auf der Eislandebahn in der Antarktis Gut fünfeinhalb Stunden später landete das Flugzeug in völliger Dunkelheit auf der Eislandebahn der McMurdo-Station auf Ross Island. Ein erster Versuch war zuvor wegen schlechten Wetters abgesagt worden. Unter „extrem herausfordernden Bedingungen“, wie Skytraders berichtete, übernahm die Besatzung den Patienten und verließ die Antarktis, bevor sich das Wetter noch weiter verschlechterte. Am Freitagnachmittag (31.7.) kam das Flugzeug in Christchurch in Neuseeland an. Der Patient wird dort medizinisch betreut und befindet sich auf dem Wege der Besserung. Emma Campbell, Leiterin der Australian Antarctic Division, nannte den Einsatz eine „komplexe Operation“ mitten im antarktischen Winter. Sie zeige sowohl die Fähigkeiten der beteiligten Teams als auch die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit für die Antarktisforschung. Pilot Al Wallach führt den Erfolg der Mission auf Jahre intensiver Vorbereitung zurück. Nach seiner Aussage war die Aktion nur durch das perfekte Zusammenspiel zwischen Flugbesatzung, Meteorologen, Einsatzplanern, Landebahnteams und medizinischem Fachpersonal möglich geworden. „Jede Antarktis-Mission erfordert absolute Präzision, doch Einsätze im Winter erhöhen die Komplexität erheblich“, erklärte er. Die extremen Bedingungen hätten selbst spezialisierte Flugzeuge an ihre Grenzen gebracht. Weltweit gebe es nur wenige Organisationen, die überhaupt dazu in der Lage wären, eine Winterevakuierung in diesem Ausmaß zu bewältigen. Von Anfang bis Ende habe die Sicherheit des Patienten und der Crew oberste Priorität gehabt. Spezialisiertes Flugzeug am Limit Duncan Mackay, stellvertretender Geschäftsführer von Skytraders, berichtete der Zeitung „The Australian“, dass die Maschine innerhalb von 24 Stunden nach dem Notruf komplett für den spezialisierten Rettungseinsatz hergerichtet worden sei. Der Start verzögerte sich dann aber um zwölf Stunden, da die Besatzung auf besseres Wetter warten musste. Nach Angaben des Unternehmens dürfte es sich um den bislang am nächsten an der Wintersonnenwende vom 21. Juni durchgeführten Einsatz eines zivilen Verkehrsflugzeugs in der Antarktis handeln. Skytraders hat zwar zuvor bereits medizinische Evakuierungen während des antarktischen Winters absolviert, aber noch nie hatte man sich dabei so nah an den kürzesten Tag des Jahres herangewagt. Bereits im März 2020 hatte Skytraders schon einmal einen Mitarbeiter des amerikanischen Antarktisprogramms von der McMurdo-Station abgeholt. Damals waren die Bedingungen mit minus 30 Grad allerdings deutlich milder.