Mit 500 km/h durchs Gebirge: Japans Magnetschwebebahn-Projekt für 60 Milliarden Euro darf starten
Japan stellt eines der ehrgeizigsten Bahnprojekte seiner Geschichte neu auf: Die Magnetschwebebahn „Chuo Shinkansen“ soll Tokio und Osaka künftig in rund einer Stunde verbinden. Nach jahrelangen Verzögerungen haben die zuständigen Behörden den Weg nun freigemacht. Laut dem französischen Fernsehsender BFM TV ist dafür ein Budget von rund 60 Milliarden Euro vorgesehen: ein Meilenstein für den nationalen Schienenverkehr. Zuvor hatten Umweltbedenken das Projekt immer wieder ausgebremst. Die neue Bahn nutzt Magnetschwebetechnik: Starke Magnetfelder heben den Zug etwa zehn Zentimeter über die Strecke, wodurch die Wagen nicht mehr auf Rädern laufen. Weil die mechanische Reibung entfällt, sind Reisegeschwindigkeiten von 400 bis 500 km/h möglich. Japan startet neue 500 km/h-Magnetschwebebahn: Verkürzt Fahrzeit auf noch eine Stunde Die geplante Trasse ist rund 500 Kilometer lang. Damit der Zug seine Zielgeschwindigkeit von bis zu 500 km/h sicher fahren kann, muss die Strecke möglichst gerade verlaufen. Kurven sind in diesem Tempobereich physikalisch nur eingeschränkt machbar. Die Folge: Ein großer Teil des Schienenwegs führt mitten durch die japanischen Alpen. Das bedeutet enorme Bauarbeiten unter der Erde. Nach Angaben von BFM TV ist ein Tunnelabschnitt von rund 25 Kilometern Länge vorgesehen. Für Berufspendler und Reisende soll sich der Aufwand lohnen. Die Fahrzeit zwischen Tokio und Osaka soll von heute etwa zweieinhalb Stunden im klassischen „Shinkansen“-Schnellzug auf künftig rund eine Stunde sinken. Die vollständige Inbetriebnahme wird aktuell für das Jahr 2045 erwartet. ANZEIGE ANZEIGE Magnetschwebebahnen als Prestigetechnik: Japan im Wettbewerb mit China Hinter der Chuo-Shinkansen-Strecke steht auch ein technologischer Wettlauf China. Die Volksrepublik betreibt in Shanghai seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Magnetschwebebahn zum Flughafen und arbeitet auch an neuen Konzepten für sehr hohe Geschwindigkeiten. Bei Japans Projekt handelt es sich aber um eine echte Fernverbindung über mehrere hundert Kilometer, nicht nur um eine kurze Strecke. Übrigens: Bei Testfahrten erreichte der Chuo Shinkansen bereits 603 km/h und stellte damit einen Weltrekord auf Schienen. China kontert mit 600-km/h-Konzepten und deutschen Partnern China reagiert mit eigenen Hochgeschwindigkeitsplänen, wie das Fachportal „Parametric Architecture“ berichtet. Zwar liegt der Geschwindigkeitsrekord aktuell bei Japans Prototyp, doch der staatliche Zughersteller CRRC hat bereits ein eigenes Modell präsentiert, das auf Reisegeschwindigkeiten von rund 600 km/h ausgelegt ist. Offenbar haben chinesische Entwickler dafür auch eng mit Ingenieuren aus Deutschland kooperiert. Ihre neue Magnetschwebebahn soll vor allem innerchinesische Flugverbindungen auf Distanzen bis etwa 1500 Kilometer ersetzen. Ein Beispiel ist die Strecke Shanghai–Peking: Die Fahrzeit könnte von bislang etwa vier bis sechs Stunden auf rund zweieinhalb bis drei Stunden reduziert werden. Deutschland blickt zurück: Vom Transrapid zum Fokus auf den ICE Deutschland war lange Zeit einer der Vorreiter der Magnetschwebetechnik, etwa mit dem berühmt-berüchtigten „Transrapid“. Das System schaffte es jedoch nie in den regulären Betrieb: hohe Kosten, politische Entscheidungen und der schwere Emsland-Unfall verhinderten den Durchbruch. Besonders sichtbar wurde das bei der geplanten Schnellstrecke zwischen Hamburg und Berlin. Das Projekt wurde im Jahr 2000 kurz vor dem eigentlichen Start gestoppt, nachdem sich die kalkulierten Ausgaben laut IT-Portal „Golem“ mehr als verdreifacht hatten: von ursprünglich 6,1 Milliarden D-Mark (heute inflationsbereinigt etwa 5,5 Milliarden Euro) auf rund 14 Milliarden D-Mark (circa 12,6 Milliarden Euro). Hinzu kam ein Strategiewechsel, die Deutsche Bahn setzte stärker auf den Ausbau des ICE-Netzes. Auch die prominent diskutierte Magnetschwebebahn zum Flughafen München, einst von Edmund Stoiber als Prestigevorhaben angekündigt, wurde nie realisiert. Wie der „Tagesspiegel“ skizziert, wurde das Projekt 2008 offiziell eingestellt.