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Mit 83 Jahren auf Platz 1: Deutschland hört noch immer Reinhard Mey zu

Unterhaltung

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Berlin – Es gibt Stimmen, die altern. Die von Reinhard Mey bleibt gefühlt für immer. Seit fast 60 Jahren begleitet uns der Berliner. Seine Lieder liefen auf Plattenspielern, Kassettendecks und Streaming-Playlists. Eltern gaben sie an ihre Kinder weiter, heute entdecken Enkel den Liedermacher über Netflix. Jetzt steht er mit seinem neuen Album „Schatzhauser“ zum fünften Mal auf Platz eins der Albumcharts. Kein deutscher Künstler war jemals älter, als ihm dieses Kunststück gelang.

Reinhard Mey: Vom Frankreich-Star zur Musiklegende

Dabei begann seine Erfolgsgeschichte nicht in Deutschland , sondern in Frankreich. Unter dem Namen Frédérik Mey wurde er Ende der 1960er-Jahre zu einem gefeierten Chansonnier. Für viele Franzosen war er der erste deutsche Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg, der als Musiker und Geschichtenerzähler begeisterte. Seine Texte fanden später sogar Eingang in französische Schulbücher.

In der Heimat verlief der Weg deutlich mühsamer. Mey spielte in Studentenlokalen, Kneipen und kleinen Sälen, während das Musikgeschäft lange wenig Notiz von ihm nahm. Der Durchbruch gelang Anfang der 70er-Jahre. Aus dem jungen Liedermacher wurde die Stimme einer Generation.

„Über den Wolken“ machte Reinhard Mey unsterblich

Viele verbinden seinen Namen bis heute mit einem einzigen Lied: „Über den Wolken“. Der Song von 1974 wurde weit mehr als ein Hit. Er wurde zur Hymne auf Freiheit und Sehnsucht, zu einem festen Teil des deutschen Musikgedächtnisses. Doch Meys Erfolg lässt sich nicht auf einen Titel reduzieren. Mehr als 500 Lieder hat er geschrieben. Darin erzählt er von Freundschaft, Familie, Liebe, Verlust und den kleinen Momenten des Alltags. Seine Songs waren nie laut. Gerade deshalb blieben sie.

Netflix-Doku über Haftbefehl begeistert junge Fans

Dass heute auch viele junge Menschen mit seinem Namen etwas anfangen können, verdankt Mey einer überraschenden Wendung. In der Netflix-Dokumentation „Babo – Die Haftbefehl-Story“ singt Rapper Haftbefehl seine Ballade „In meinem Garten“. Das mehr als 55 Jahre alte Lied schaffte daraufhin 2025 überraschend den Sprung in die deutschen Charts. Die späte Renaissance berührte Mey selbst. „Als dieser harte Brocken plötzlich über dieses Lied stolpert und Gefühle zeigt, war ich selbst wie erschlagen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Auf „Schatzhauser“ singt Mey allein

Auf „Schatzhauser“ hat er das Lied nun neu aufgenommen. Das Album klingt so schlicht wie seine ersten Aufnahmen: eine Stimme, eine Gitarre, keine großen Arrangements. Die Lieder handeln von Erinnerungen, vom Älterwerden und von der Frage, was am Ende bleibt.

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis von Reinhard Mey. Er hat nie für Moden geschrieben. Er schrieb für Menschen. Deshalb hören ihm jene zu, die mit seinen Liedern groß geworden sind. Deshalb hören ihm heute aber auch Menschen zu, die bei Netflix zum ersten Mal auf ihn gestoßen sind. Deshalb steht er mit 83 Jahren wieder ganz oben.

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