DAX +0,41 % 26.440,31 Pkt 18:00:00 MDAX +0,40 % 32.464,39 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,09 % 6.539,59 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,59 % 68.713,80 Pkt 08:45:03 Gold +1,69 % 4.437,30 USD 23:00:00 Silber +0,36 % 65,11 USD 22:59:58 Brent +1,67 % 88,52 USD 22:59:58 WTI +1,42 % 82,40 USD 22:59:59 Bitcoin -0,03 % 62.953,87 USD 11:50:02 EUR/USD +0,37 % 1,15730 USD 23:29:21 EUR/GBP +0,11 % 0,85480 GBP 00:09:22 EUR/CHF +0,34 % 0,94060 CHF 23:29:21 EUR/JPY +0,38 % 184,365 JPY 23:29:21

Mit welchem Trick Putin den Zorn kleinhält

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Startseite Politik Russlands Verluste im Krieg: Wie Putin den Zorn kleinhalten will – und der Westen den Hebel nutzen könnte Von: Florian Naumann Uns auf Google folgen Nicht nur Repression: Eine Analyse einer NATO-Einrichtung zeigt, wie Russland Verluste im Ukraine-Krieg propagandistisch handhabt – und zwar recht ausgefeilt. Auch in Russland ist mittlerweile wohl kaum noch zu übersehen, welche Lasten und Leiden der Krieg gegen die Ukraine mit sich bringt: Raffinerien und Logistikzentren tief im Land brennen, bisweilen schalten die Behörden auch in Großstädten das mobile Internet ab – und an den Fronten starben zuletzt „mehr Russen, als rekrutiert werden können“, wie der Politologe Frank Sauer unserer Redaktion sagte. Wie der Kreml konkret (und abseits von Repression) die Gefahr offener Kritik oder gar eines Umsturzes minimieren will, soll ein diese Woche veröffentlichter Bericht einer NATO-Einrichtung zeigen. „Krise, Kontrolle, Kreuzzug: Russlands Propaganda-Architektur“ heißt das Papier aus dem „NATO-Exzellenzzentrum für Strategische Kommunikation“. Anhand von sechs Fallbeispielen und nach eigenen Angaben rund 3,13 Millionen ausgewerteten Artikeln, Videos und Postings aus dem Netz, TV und den sozialen Medien wollen die Autorinnen und Autoren Muster in der Kommunikation des Kreml und seiner Stellvertreter zeigen. Eine der Fallstudien betrifft den Umgang mit „Verlusten“, also getöteten und kampfunfähigen Soldaten, in den besonders betroffenen russischen Regionen Tuwa und Burjatien. Sie liegen in Südsibirien beziehungsweise dem asiatischen Osten des Landes. Russlands Propaganda kontert das Problem der Verluste offenbar mit regional angepassten Strategien Aus Analysen – etwa der London School of Economics – ist bekannt, dass die Folgen des Ukraine-Kriegs in Russland beileibe nicht gleichmäßig verteilt sind. Abgelegenere Regionen und indigene Menschen sind von Rekrutierungen und Tod stärker betroffen als etwa die Metropolregionen. Die Praxis sei für den Kreml nicht ohne Risiko, meinen die Fachleute des NATO-Exzellenzzentrums. Sie könne die Erzählung „von breiter Unterstützung und gleicher Lastenverteilung“ untergraben. Bemerkenswerterweise gehe der Staat in den beiden analysierten Regionen auf unterschiedliche Weise vor. Die Autorinnen und Autoren hatten nach eigenen Angaben über 15 Monate der Jahre 2024 und 2025 hinweg 414 regionale Telegram-Gruppen analysiert – viele davon direkt an Behörden und Amtsträger angebunden. Die gewonnenen Daten zeigten: In Tuwas Telegram-Netzwerken war die Präsenz von Kriegsthemen „spürbar gering“, die meisten Postings gab es zu Überschwemmungen, Kriminalität oder eher alltäglichen Problemen. In Burjatien hingegen waren unter den Top fünf der Themen Hilfe für Soldaten, Hilfe für Angehörige, aber auch Beerdigungen. Vermutlich wolle man in Tuwa auf bereits hohe Loyalitätslevel aufbauen, folgern die Experten. In Burjatien setze die Kommunikation eher auf unpolitische Emotion – und darauf, Mobilisierung zu normalisieren. Zu sehen sei aber in beiden Fällen eine „Eindämmungsstrategie“: Menschliche Verluste würden in lokale, individuelle Geschichten heruntergebrochen, „die sich um Heldenhaftigkeit, Opferbereitschaft und Stolz auf die Gemeinschaft drehen“. Wut werde in Richtung „externer Feinde“ oder einer abstrakten Notwendigkeit abgeleitet. Der russische Staat nutze dabei auch ethnische und regionale Identität: Soldaten aus Tuwa und Burjatien stelle er als „als resilient, kriegerisch und loyal“ dar. Das unterstreiche Klischees, die höhere Todesraten normalisieren – und die Entscheider in Moskau vor Verantworten schützten. Ungleichheit sei nur politisch gefährlich, „wenn sie als Muster sichtbar gemacht wird“, folgern die Autorinnen und Autoren. An dieser Stelle sehen sie auch einen Ansatzpunkt für die Staaten der NATO.. Das NATO-Exzellenzzentrum für Strategische Kommunikation Das Zentrum wurde 2014 eingerichtet, es ist in Riga (Lettland) beheimatet, es ist nicht Teil der Kommandostruktur der NATO und kommuniziert auch nicht im Namen des Bündnisses. Eine Aufgabe ist die Analyse von Mitteln und Formen externer Desinformation. Selbst übe man keine Manipulation aus, sagte Direktor Janis Sarts der Franfkurter Rundschau von Ippen.Media im Frühjahr: „Wir tun nicht dasselbe wie die Russen“, betonte er. „Es ist ein Versuch, sich nach außen zu verteidigen. Auch die Freiheit menschlicher Entscheidungen.“ Putin und die Verluste im Ukraine-Krieg: „Verschweigen“ gar nicht nötig Die russische „Informationskontrolle“ sei gar nicht darauf angewiesen, Verluste generell zu verschweigen. „Indem es Kosten lokal und symbolisch hält, verhindert das System, regionale Trauer zu nationalen Fragen anwachsen zu lassen“, heißt es in dem Papier. Dagegen könne es helfen, verstreute Daten wieder zusammenzuführen und regionale Unterschiede aufzuzeigen. Mit Blick auf andere Beispiele schlägt die Expertise auch vor, Momente der propagandistischen Neusortierung und Verwirrung zu Beginn von Krisenmomenten in Russland zu nutzen. Eine andere Frage ist das Wirken russischer Desinformation im Ausland. Eine These hierzu aus der Analyse: Russland habe zwar ein „System“, um seine offiziellen Kommunikationslinien im Ausland zu verbreiten. Dessen Effekt auf westliche Medien sei in den untersuchten Fällen – darunter auch der ukrainische Vorstoß nach Kursk, Debatten um Friedensverhandlungen und ein Terror-Anschlag in Moskau – aber „relativ begrenzt“ geblieben. Oftmals seien russische Erzählungen oder Vorwürfe zwar genannt, aber kritisch eingeordnet worden.

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