Mitgliederversammlung: Berlin zieht Olympiabewerbung zurück
Die Eröffnungsfeier auf dem Tempelhofer Feld, Wettkämpfe im Freiwasserschwimmen in der Spree und die Leichtathletikwettbewerbe im Olympiastadion – das war die Vision, mit der Berlin sich für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 beworben hat.
Kurz vor der Abstimmung über den deutschen Kandidaten, die am Samstag in Baden-Baden stattfindet, ist klar: Berlin und seine Partner in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sind aus dem Rennen, München und die Region Rhein-Ruhr mit Köln machen den Bewerber unter sich aus.
Wie der Tagesspiegel erfuhr, berieten der Olympiabeauftragte Kaweh Niroomand, der noch Regierende Bürgermeister Kai Wegner und Sportsenatorin Iris Spranger am Mittwoch in einem Dreiergespräch über einen sofortigen Rückzug der Berliner Bewerbung.
Am Donnerstag bestätigte Wegner den Rückzug dann auch offiziell. „Heute ist ein trauriger Tag für Berlin. Olympische und Paralympische Spiele wären eine Riesenchance für Berlin und für Ostdeutschland gewesen“, sagte der CDU-Politiker bei einer Pressekonferenz.
Kein Referendum, zu wenig Unterstützung
Dabei sind die Gründe für den Berliner Rückzug schon länger klar: Von Anfang an fehlte es den Verantwortlichen für das Berliner Konzept an der verbrieften Unterstützung durch die Menschen in der Hauptstadt. Es gab einen Abgeordnetenhausbeschluss, zudem machte sich ein Kuratorium mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und sogar Kirche für die Bewerbung stark. Doch all dies reichte nicht gegen jeweils 66 Prozent Zustimmung durch die Bevölkerung in München und in Nordrhein-Westfalen bei Olympia-Volksentscheiden.
Dass Berlin ein solches Referendum in der Verfassung nicht vorsieht, hat die Chancen auf ein Votum für die deutsche Hauptstadt von Anfang an deutlich gemindert. Auch wenn Wegner, Spranger und Niroomand nie müde wurden, die Bedeutung einer solchen Legitimation durch die Berlinerinnen und Berliner zumindest nach außen kleinzureden.
Wegner und Spranger sind bald genauso Geschichte wie die Idee von Olympia in Berlin. Am vergangenen Wahlsonntag platzte die Hoffnung auf eine Regierung, die eine Bewerbung auch künftig unterstützt.
Die Linke setzte sich mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp klar durch und die machte nur einen Tag später die letzten olympischen Hoffnungen von Niroomand mit einem Satz zunichte, in dem sie sagte: „Ich denke, dass sich die Entscheidung erledigt hat.“
Berlin landet im Evaluierungsbericht auf dem letzten Platz
Einen Tag später legte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit dem Bericht seiner Evaluierungskommission nach. Die hatte in den vergangenen Monaten die Konzepte der drei verbliebenen Bewerber – Hamburg hatte seine Bewerbung nach einem negativen Referendum schon Ende Mai zurückgezogen – untersucht und nach verschiedenen Kriterien gewichtet.
Berlin landete im Gesamtergebnis abgeschlagen auf dem dritten Platz. Hinter München (87 von 100 Punkten) und Rhein-Ruhr (85 Punkte) wurde dem Konzept Berlin+ immerhin noch ein „gut“ bescheinigt und dafür 75 Punkte verteilt.
Zuweilen drängte sich beim Lesen der detaillierten Resultate der Verdacht auf, dass der DOSB die Spitzensportverbände, die den Großteil der Stimmen bei der Entscheidung ausmachen, unbedingt noch einmal darin erinnern wollte, bloß nicht für Berlin und ein Konzept zu stimmen.
Sogar bei der internationalen Strahlkraft lag Berlin mit Blick nur auf den Sport hinter der Region Rhein-Ruhr, was Niroomand bissig mit den Worten kommentierte: „Laut DOSB ist der Marathon kein Megaevent, dafür aber Fußballspiele von Dortmund und Leverkusen.“
Zudem ist am Donnerstag auch noch eine Pressekonferenz der Berliner Initiative NOlympia angekündigt. Worüber dabei genau gesprochen wird, wollte Sprecherin Gabriele Hiller am Vortag noch nicht verraten.
Gut möglich, dass dann mitgeteilt wird, die erste Hürde für ein Volksbegehren gegen Olympische Spiele in Berlin genommen und die dafür notwendigen 20.000 Unterschriften zusammenbekommen zu haben. All das dürfte letztlich nur noch zur Fußnote taugen. NOlympia kann den Betrieb einstellen, das Ziel von Hiller und ihren Mitstreitern ist erreicht.
Was bleibt, ist eine Olympiabewerbung, bei der die Risiken von entscheidender Seite höher gewichtet wurden als die Chancen. Ob sich München oder Rhein-Ruhr mit Köln international überzeugender präsentieren werden, als dies Berlin gekonnt hätte, ist eine Frage, die sich Niroomand und Co. 2029 noch einmal stellen werden.
Dann verkündet das Internationale Olympische Komitee möglicherweise die Gastgeber für gleich mehrere Olympiaaustragungen. Der DOSB hofft auf einen Zuschlag und geht dabei selbstbewusst ins Rennen – und das ganz ohne Berlin.