Moderator sendet bei Fernsehpreis
Markus Lanz macht Mut, Fabian Köster wird kämpferisch und Olivia Jones fordert mehr Courage: Der Deutsche Fernsehpreis ist verliehen worden. Wenige Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und inmitten mannigfaltiger Krisen ging es bei der TV-Gala in Köln auffällig oft um die politische und gesellschaftliche Lage im Land – und auch um einen Mann, der mal wieder einen Fernsehpreis gewinnen konnte: Stefan Raab.
Den Ton gab früh am Abend ausgerechnet ein Fernsehpreis-Gewinner vor, der sonst vor allem für seine Fragen bekannt ist: Lanz. Der 57-Jährige wurde für seine ZDF-Talkshow in der Kategorie „Beste Information“ ausgezeichnet, ging aber schnell ins Grundsätzliche über – und wollte offenkundig Zuversicht vermitteln.
Bester „Fernsehfilm/Mehrteiler“ wurde „Olivia“ (ZDF) – ein Biopic, das die Lebensgeschichte der bekannten Dragqueen Olivia Jones erzählt. Die Verantwortlichen widmeten die Auszeichnung der LGBTQI+-Community. Die englische Abkürzung LGBTQI+ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans-Menschen, queere sowie intergeschlechtliche Menschen.
Der Film sei wichtig in der heutigen Zeit, weil es um Demokratie und Freiheit gehe und darum so leben zu können, wie man es wolle, sagte Olivia Jones der Deutschen Presse-Agentur. Es brauche mehr Mut anstatt Wut. „Wir wollen ja keinem was wegnehmen, werden aber dämonisiert“, sagte sie. „Wir haben uns das nicht ausgesucht. Wenn ich es mir ausgesucht hätte, wäre ich hetero geworden.“
So ernst der Abend zwischenzeitlich wurde: Es war immer noch eine Fernsehpreis-Gala. Tom Schilling etwa, der als bester Schauspieler für „Achtsam Morden“ (Netflix) ausgezeichnet wurde, fokussierte sich ganz auf eine private Angelegenheit: Seine Mutter wurde 70. Also sang er ihr ein Ständchen und überredete das Saal-Publikum, es ihm gleichzutun – trotz strenger Zeitvorgaben. „So viel Zeit muss sein“, erklärte der Schauspieler, als Moderatorin Barbara Schöneberger ihn noch zu bremsen versuchte.
Ozempic-Scherze
Schöneberger war es auch, die der Show eine gewisse humoristische Giftigkeit verpasste. Vor ihren Scherzen war kaum jemand sicher. „Seit es Ozempic gibt, passen ja doppelt so viele Stars in diesen Saal“, witzelte sie. Ozempic als Diabetes-Mittel wird von Erwachsenen auch als Gewichtssenker genutzt.
Zudem verkündete Schöneberger schelmisch, dass „der Weltfrieden“ in „greifbare Nähe gerückt“ sei. „Heute Abend befinden sich in einem Raum Stefan Raab und Sebastian Pufpaff!“, verkündete sie. Worauf sie abzielte, war, dass Pufpaff und Raab einst zusammenarbeiteten, dann aber zu Kontrahenten wurden. Daher hatte man munter spekulieren dürfen, ob sie tatsächlich beide zu der Verleihung kommen würden. Pufpaff moderiert mittlerweile Raabs einstige Show „TV total“ auf ProSieben, Raab hat bekanntlich bei RTL angeheuert.
Beide kamen. Aber einen Fernsehpreis konnte am Ende nur Raab gewinnen, der bislang auf eine gemischte Bilanz seit seinem TV-Comeback im Jahr 2024 zurückblickt. Seine Neuentwicklung „Wer weiß wie wann was war?“ (RTL) wurde zur besten Unterhaltungsshow gekürt. „Ganz egal, was die anderen sagen: Ich mag dich!“, erklärte seine Co-Moderatorin Barbara Schöneberger fast schon zärtlich.
„Alles Liebe, alles Gute“ für Stefan Raab
Pufpaff dagegen ging in der Kategorie „Beste Comedy/Late Night“ mit „TV total“ leer aus. Am roten Teppich wurde er gefragt, was er Raab wünsche, der bald 60 Jahre alt wird. Pufpaffs knappe Antwort: „Alles Liebe, alles Gute und möge er in Erfüllung seiner Arbeit nachkommen können.“
Zu den großen Gewinnern des Abends durften sich derweil die Macher der Serie „Chabos“ (ZDFneo) zählen – die Produktion wurde als beste Comedy-Serie ausgezeichnet, überdies gewann ihr junges Ensemble den Förderpreis.
Beste Drama-Serie wurde „Hundertdreizehn“ (ARD), beste Doku-Serie „Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“ (ZDF). Auch das Special „#dontlookaway“ (ProSieben) der Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gewann einen Preis. Die beiden Moderatoren hatten eine mehr als dreistündige, werbefreie Dokumentation über den Alltag der Menschen in der Ukraine ins Programm gehoben. WELT-Chefreporter Ibrahim Naber wurde für seine Ukraine-Berichterstattung in der Kategorie „Beste Moderation/Einzelleistung Information“ ausgezeichnet.