Moderatorin Andrea Ballschuh spricht über ihre Insolvenz
Am 5. Februar 2026 stand es fest: Andrea Ballschuh ist insolvent. Rund 230.000 Euro Schulden hat die ZDF-Moderatorin – angebahnt hatte sich die Notlage schon Jahre zuvor. 2019 machte sich Ballschuh neben ihrer Fernsehkarriere als Videocoachin selbstständig und war einige Jahre damit erfolgreich. 2022 ging es dann los: Ballschuh verlor vier Fernsehsendungen. Kurz vor dem Start ihres Videostudios in Mainz kam es 2023 zum Bruch mit der damaligen Geschäftspartnerin. Neben den Gewinneinbußen verlangte das Finanzamt von Ballschuh dann auch noch nachträgliche Vorauszahlungen für zwei Jahre – und obendrein kam es zu einer Betriebsprüfung.
„Es ging total bergab“, sagt die 54-Jährige über diese Zeit. Auch an ihrem Körper haben die Geldnöte genagt. Mehrfach habe sie Schwächeanfälle gehabt, berichtet Ballschuh. „Ich konnte teilweise nicht mal mehr laufen.“ Der Tiefpunkt war eine Panikattacke im September 2024 auf einer Autofahrt zum „Volle Kanne“-Dreh. „Da wusste ich, ich bin komplett am Ende.“
Dass Ballschuh nicht zusammenbrach, lag auch an ihrem Glauben an Gott. Den hat sie jedoch erst in den vergangenen Jahren gefunden. „Als DDR-Kind hatte ich mit Gott ja gar nichts am Hut“, sagt die Moderatorin. Doch obwohl es als junge Erwachsene beruflich bergauf ging und Ballschuh sehr viel Lob und Anerkennung bekam, fühlte sie sich leer: „Ich dachte, eigentlich muss ich doch vor Glück heulen, weil mein Leben so perfekt läuft.“ Doch dem war nicht so.
Nach dem Grund dafür suchte Ballschuh zunächst in der Esoterik: „Ich habe meine Termine nach astrologischen Berechnungen gelegt, war bei einer Schamanin, habe mir Tarotkarten legen lassen und sowas“, zählt sie auf. Ihr erster Kontakt zu Gott war eigentlich ein Spaß. Sie bat ihn 2020 um ein Zeichen dafür, dass es ihn gab. Kurz darauf vermittelte ihr eine Tierschutzorganisation die Hündin Shia. Der Name ist hebräisch und bedeutet so viel wie „Geschenk Gottes“. „Wie krass ist das denn?“, dachte sie damals. „Ich habe Gott um ein Zeichen gebeten und jetzt das!“
Im Frühjahr 2022 stieß Ballschuh auf die Netflix-Serie „The Chosen“. Dort wird das Leben Jesu aus Sicht seiner Jünger erzählt. „Ich bin so in die Geschichte hineingezogen worden, obwohl ich wusste, dass es nur eine Serie und Schauspieler sind“, erinnert sich Ballschuh. Neugierig geworden recherchierte sie, wie es wirklich um Jesus bestellt war. Und sie las das Neue Testament.
Als ihr Leben dann aus den Fugen geriet, hat sie aus purer Verzweiflung den Austausch mit Gott gesucht. Und fand Rettung: „Zum Beispiel kam immer in letzter Sekunde so viel Geld rein, dass ich dringende Zahlungen leisten konnte“, so Ballschuh. Seitdem konnte sie sich immer mehr in Gottes Arme fallen lassen. 2023 ließ sie sich taufen und schloss sich einer freikirchlichen evangelischen Gemeinde an – und spricht seitdem in den sozialen Medien und in ihrem Buch „Volle Kanne leben“ offen über ihren Glauben.
Nach der Panikattacke 2024 beschloss Ballschuh, ihre Sorgen und Nöte an Gott zu geben. „Gott gab mir das Vertrauen, dass trotz der Insolvenz alles gut wird. Nicht leicht, aber gut.“ Als die Insolvenz beschlossene Sache war, spürte sie eine große Last von sich abfallen, denn ihr Leben hatte wieder Ordnung.
Ihre Privatinsolvenz läuft noch bis Januar 2029. Dann wird Ballschuh nach der Restschuldbefreiung wieder schuldenfrei sein. Bis dahin lebt die 54-Jährige von rund 1500 Euro im Monat. „Ich habe eine ganz andere Wertschätzung für Geld bekommen“, sagt sie. „Mein Fehler war, dass ich mein Geld nicht gemanagt habe. Weil ich so viel verdient habe, war immer was auf dem Konto.“ Früher hat sie sich sofort etwas gekauft, wenn sie es haben wollte, doch oft lag es dann unbenutzt herum. „Ich hatte kurz Befriedigung, aber keinen inneren Frieden“, sagt Ballschuh. Heute zählt für sie vor allem, wie Gott sie sähe und ob sie sich selbst im Spiegel ansehen kann. Zudem ist sie laut eigener Aussage mit einem tollen Umfeld und viel Liebe gesegnet.
Ballschuhs Entscheidung, ihre Privatinsolvenz öffentlich zu machen, ist mutig. Denn neben Lob hat sie seitdem auch Häme erfahren. „Viele Leute haben geschrieben: ‚Sie ist beim Fernsehen und hat den Hals nicht vollbekommen. Das geschieht ihr recht‘, obwohl sie meine Umstände gar nicht kennen“, sagt die Moderatorin. Doch sie komme damit klar: „Wenn ich darüber rede, helfe ich vielleicht dem ein oder anderen, der auch betroffen ist.“