DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,24 % 64.468,74 USD 12:30:52 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Moderatorin Bettina Böttinger über Frauenfeindlichkeit im Fernsehen

Unterhaltung

Bettina Böttinger: "Wer den Witz hat, hat auch ein Stück Macht" Stand: 14.07.2026 15:17 Uhr Der Film "Was haben wir gelacht" erzählt die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 1990er-Jahre erstmals aus Frauenperspektive. Eine der fünf Protagonistinnen ist die Moderatorin Bettina Böttinger. Sie sieht die Chance, frauenfeindliche Strukturen sichtbarer zu machen. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Werk und eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt. Eine ganze Generation wurde so vor allem durch männliche Unterhalter sozialisiert - durch "Wetten, dass..?", die "Harald Schmidt Show" und später "TV total". Wie hat uns diese Zeit geprägt? Und was hat Witzigsein mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Darüber spricht Bettina Böttinger, langjährige Moderatorin unter anderem bei "B. trifft..." und dem "Kölner Treff". Man denkt: Die 1990er-Jahre oder der Anfang der 2000er-Jahre ist noch gar nicht so lange her, aber trotzdem: Als Frau im Unterhaltungsfernsehen mussten Sie eine Menge aushalten, was zum Beispiel? Bettina Böttinger: Wenn man den Film sieht, dann wird einem klar, dass man damals - was eigentlich noch gar nicht so lange her ist - Dinge für "normal" angesehen hat, die damals tatsächlich angesagt waren und das übliche Bild im Fernsehen präsentierten. Wir sprechen über Frauen und Humor, ganz speziell im Fernsehen. Der Film ist sowohl sehr unterhaltsam, weil man doch immer wieder lachen muss. Gleichzeitig zeigt er aber doch ein erschreckendes Bild von dem, welche Rolle Frauen damals zugedacht wurde. Und Tatsache ist: Es gab eigentlich keine führenden, unterhaltenden, witzigen Frauen im Fernsehen. Der erste Versuch "Nachtschwester Kroymann" mit Maren Kroymann, war mehr oder weniger sang- und klanglos in den Archiven verschwunden. Und danach kam erst mal über - man muss schon sagen - Jahrzehnte Ebbe. Liegt es daran, dass die männlichen Protagonisten wie Hans-Joachim Kulenkampff, Wim Thoelke, Harald Schmidt und Thomas Gottschalk sich auch so lange gehalten haben und dieses Bild so gepflegt haben, dass Frauen weder unterhaltsam noch lustig sein können? Böttinger: Es gab jetzt einen zeitlichen Unterschied, wenn wir an Kulenkampff und Thoelke denken. Das waren noch frühere Zeiten. Da fing das Ganze an und war natürlich eine absolut männergeprägte Welt und natürlich auch Fernsehwelt. Aber dann sollte man eigentlich meinen, dass in den 1990er-Jahren was aufgebrochen ist. Aber ich erinnere mich sehr genau: Ich habe beispielsweise 1993 in meiner ersten Talkshow angefangen und Anfang der 1990er-Jahre mit der Medien-Show "Parlazzo". Da gab es beim Westdeutschen Rundfunk ansonsten weit und breit gar nichts. Es gab tatsächlich, das kann ich aus meiner Erfahrung auch sagen, auch starke Vorbehalte gegen mich als Person. Ob denn sowas tatsächlich richtig und angesagt ist, Frauen in eine vordere Position im Unterhaltungsfernsehen zu bringen. Ich hab nur den Trailer gesehen, aber da ist Hella von Sinnen, die Ausschnitte vorgespielt bekommt und das nicht kommentiert, wie schlimm sie das findet, sondern sie möchte das gar nicht sehen. Sie sagt einfach: Hör auf, zeig mir das gar nicht mehr. Ist das auch eine neue Art in der Beurteilung, dass man im Jahr 2026 sagt: Ich möchte es gar nicht mehr sehen? Böttinger: Das war, glaube ich, eine sehr persönliche Reaktion von Hella, die sagte: Warum soll ich mir das ganze Schmockendöns hier angucken? Dass diese Zeiten nicht passé sind, da muss ich jetzt ehrlich und frei sagen: Da bin ich Dieter Nuhr sehr dankbar. Denn das ist ja ein Rückblick auf Zeiten, die vergangen sind. Heute haben Frauen eine andere Rolle und heute werden Frauen anders behandelt und anders gedacht. Dann hat Dieter Nuhr gerade mit seinem sehr schlechten Witz - sofern man das überhaupt sagen kann, dass es ein Witz gewesen ist - mit seiner Pointe auf der Grundlage von ermordeten Frauen das Gegenteil bewiesen. Ich glaube, Unterhaltungsfernsehen zeigt in einem erschreckenden Maße in der damaligen Zeit, aber eben am Beispiel Nuhr auch heute noch, mit welcher durchstrukturierten Frauenfeindlichkeit wir es in dieser Gesellschaft auch heute noch zu tun haben. Wenn wir dann 20 oder 30 Jahre zurückgehen, dann war es einfach massiv. Und dann kann man auch nur sagen: Wer den Witz hat, der hat auch ein Stück Macht - von Schmidt bis Gottschalk. Die Art und Weise, wie Männer sich gegeben haben und wie sie mit einer, doch muss man schon sagen, gar nicht witzigen Verachtung auf Frauen geblickt haben, das hat schon etwas Erschreckendes. Aber Hella sagt es dann persönlich. Ich kann nur raten, den Film anzugucken. Ich habe drei Vorführungen mitgemacht, in München und in Köln, drei übrigens ausverkaufte Vorstellungen. Und die Leute waren zum Teil amüsiert. Man muss natürlich auch lachen. Und zum anderen waren sie wirklich empört über das, was sie gesehen haben. Und es war jedes Mal eine außerordentlich gelöste, aber auch aufgebrachte Stimmung im Publikum. Da ist natürlich beim Kinofilm auch besonders, weil man das zu mehreren und sehr intensiv anschaut im Kino. Böttinger: Kino ist immer im wahrsten Sinne des Wortes größer als Fernsehen. Und das gemeinschaftlich zu sehen, Männer und Frauen zusammen, das löst auch bei vielen Männern ein wirkliches Erschrecken aus. Ich erinnere mich daran, dass eine Kollegin von mir aus dem Westdeutschen Rundfunk, eine Regisseurin, ihren mittlerweile 24-jährigen Sohn mitgebracht hat. Der hat hinterher gesagt: Danke, dass du mich mit ins Kino genommen hast. Ich habe heute einiges begriffen. Waren die Frauen denn damals immer solidarisch untereinander? Böttinger: Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe beispielsweise mit Esther Schweins, abgesehen davon, dass sie gelegentlich in meiner Sendung war, beruflich nicht viel zu tun gehabt. Mit Maren Kroymann auch nicht. Wir haben in verschiedenen Sendern gearbeitet. Aber die privaten Sendeanstalten waren zu der Zeit sehr viel mutiger als die öffentlich-rechtlichen, die damals immer noch von ihrem Bildungsauftrag beseelt waren, wohingegen die Privaten sich getraut haben, gegen Tabus zu verstoßen. Wenn ich dann denke: "RTL Samstag Nacht", "Alles Nichts Oder?!", dass das Publikum darauf so angesprungen ist. Das waren alles erfolgreiche Formate. Ich konnte mich, obwohl ich eigentlich alles anders gemacht habe mit der Talkshow, komplett gegen meinen Sender durchsetzen. Die fanden das alles gar nicht so toll, dass ich plötzlich ganz andere Leute eingeladen habe. Es war diese Zeit des Umbruchs. Aber der Männerwitz hat sich dann auch in den 90ern und Nullerjahren noch sehr, sehr lebendig und trotzig gehalten. Haben Sie dennoch Hoffnung, dass sich in Zukunft wirklich was ändert? Böttinger: Ja, wenn man diesen Film sieht, wird einem auf sehr unterhaltsame Art und Weise doch eine ganze Menge klar und ich kann das noch mal wiederholen: Fernsehen spiegelt auch Machtverhältnisse, dass man Frauen früher wirklich nur im Fernsehen herumgeschoben hat, und dass Frauen auch vieles mit sich haben machen lassen. Die haben einfach durchgelächelt, weil sie ansonsten als Spielverderberin, als "die kann doch gar keinen Spaß verstehen", gegolten hätte. Das war auch ein Punkt, weshalb sich dann viele Frauen mit ihrer Rolle begnügt haben - bis dann Frauen kamen, die diese Rollen schlicht und ergreifend sprengen wollten und dann auch sprengen durften.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren