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Moflin: KI-Kuscheltier aus Japan soll gegen Einsamkeit helfen - eine Test-Streicheleinheit

Technologie

In Tokio sind die Moflins, die neuerdings auch in Deutschland zu kaufen sind, nicht mehr der allerneuste Hype. Vor zwei Jahren hat der Elektronikkonzern Casio, sonst vor allem bekannt für seine Armbanduhren und Musik-Keyboards, die KI-Kuscheltiere herausgebracht, mit einigem Erfolg. 20 000 Stück wurden bis September dieses Jahres verkauft, zum stolzen Preis von 59 400 Yen, was etwa 335 Euro entspricht. In Deutschland kosten sie 400 Euro.

Ein Moflin passt in eine Handfläche, und wenn man es streichelt, bewegt es sich leicht. Spricht man die japanische Variante mit „Konichiwa“ („Hallo“) an, reagiert es mit einer Verneigung. Mit der Zeit entwickeln Moflins so etwas wie Charakter und die Besitzer lernen laut Hersteller, die Signale des Moflin zu verstehen, ganz ähnlich wie bei einem Haustier. Dass man seine Augen im Fell kaum findet, verleiht dem Moflin das Aussehen eines langhaarigen Peruanermeerschweinchens.

Die Entwicklung des Moflin von der Idee bis zur Marktreife dauerte zehn Jahre. Seine Erfinderin, die Casio-Mitarbeiterin Erina Ichikawa, sagte dem Nippon-Magazin: „Ich war Ende zwanzig und steckte in einer schwierigen Lebensphase – sowohl persönlich als auch beruflich. Das war vielleicht der Anstoß für die Idee eines Begleiters, der zwar keine individuellen Probleme lösen kann, aber stets an der Seite des Menschen bleibt und ihm so beständig Zuversicht schenkt.“ Da man mittlerweile jedoch bereits sinnvolle Konversation mit Chat-GPT oder Claude führen kann, ist man etwas enttäuscht, dass das Moflin im Elektromarkt auch nach 30 Minuten Ladezeit nur den Kopf neigt und fiept.

Der Name ist ein Werk der in Japan beliebten Onomatopoesie, also der sprachlichen Nachahmung von Schall und Geräuschen. Im Japanischen heißt alles flauschig-weiche „Fuwafuwa“, Hundegebell wird als „Wanwan“ bezeichnet. „Moflin“ soll streichelzart klingen, und nach „Link“, also Verbindung. Nach dem Kauf gibt man ihm einen Namen, der in der dazugehörigen App registriert werden muss. Das Tierchen ist also nicht nur ein Zeit-, sondern auch ein Datendieb.

Zu diesem Zweck hat Casio die Moflins allerdings nicht entwickeln lassen. Sie sind einerseits Spielzeug, andererseits sollen sie „intelligente Begleiter mit Emotionen, ähnlich einem Lebewesen“ sein, wie der Hersteller schreibt. Solche Begleiter haben in Japan eine gewisse Tradition, von den eiförmigen Tamagotchis, die man pflegen und füttern musste und die in den 1990er-Jahren auch das Taschengeld deutscher Teenager fraßen, bis zu Aibo, dem lieben Roboterhund von Sony.

Dass solche Geräte aus Japan kommen, liegt nicht nur an der dortigen Technikliebe und Ingenieursleidenschaft, sondern auch am Einsamkeitsproblem, unter dem das Land zunehmend leidet. Die Gesellschaft überaltert, die Geburtenrate ist mit 1,14 Kindern pro Frau im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief gefallen und liegt noch unter der von Deutschland. Ein Bericht des Nationalen Instituts für Bevölkerungs- und Sozialforschung aus dem Jahr 2024 geht davon aus, dass bis zum Jahr 2050 in 44,3 Prozent aller Haushalte nur noch eine Person leben wird, im Ballungsraum Tokio sollen es sogar 54,1 Prozent sein.

In Japan bekommt alles einen Namen, auch Autos oder Haushaltsgeräte

Dass man Menschen häufig erst Wochen oder Monate nach ihrem Tod in ihren Wohnungen findet, wird als „Kodokushi“ bezeichnet, „einsamer Tod“. Ganze Dörfer entvölkern sich, die Polizei bittet die verbliebenen Einwohner, eine Signalfahne vor die Tür zu hängen, damit man sieht, ob sie noch am Leben sind. Gegen diese Einsamkeit kann ein streichelweiches Moflin schon helfen, das sich freut und anschmiegt, aber kein Futter braucht und nicht Gassi geführt werden muss. Zumal Menschen ohnehin alles, was sie mögen, mit einer Persönlichkeit versehen. Sogar Autos oder Haushaltsgeräte werden mit Namen angesprochen.

„Würde Moflin lediglich die Aufmerksamkeit seines Besitzers einfordern, wäre das auf Dauer anstrengend“, sagt seine Erfinderin. „Doch dank seiner KI-gestützten Persönlichkeit kann Moflin seine Stimmungen auch eigenständig regulieren.“ Mit anderen Worten: Das Wesen ist da, wenn man es braucht, bleibt aber ruhig, wenn man es nicht gebrauchen kann. Ob das hilft, den Menschen, die ohnehin schon einsam sind, zu einem echten Sozialleben zu verhelfen, ist fraglich.

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