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"Mononoke" an der Volksbühne: "Willkommen in der Muschi!"

Unterhaltung

Wie kleine Antennen stehen die Glitzerzöpfe vom Kopf des Wesens, das da auf der Bühne mit den Fingern im Joghurt rührt. Ein Milchsäurebakterium ist es – denn Milchsäurebakterien lieben Joghurt. Yaku heißt dieses Bühnen-Exemplar und kann sprechen. "Willkommen in der Muschi!“ sagt Yaku ins Publikum. "Yaku hat nie frei, ich wohne und arbeite hier seit 15 Jahren. Auch an Wochenenden. Es muss immer sauer sein! Yakus Lieblings-PH Wert ist 4,2."

Yaku lebt in Takakos Muschi. Und dort sieht es gerade gar nicht gut aus. Den Takoko hat mit einem eisernen Tee-Ei masturbiert – und das steckt nun irgendwo vor ihrer Gebärmutter fest und bringt die Flora gehörig durcheinander. Yaku beschwert sich bei Takako – und Takako sucht schließlich eine Wahrsagerin auf, die ihr offenbart, von einem Fluch gezeichnet zu sein.

"Mononoke" heißen die japanischen Geister und Flüche, die sich in einem Körper einnisten können. Und "Mononoke" heißt auch der dritte Eröffnungsabend der neuen Volksbühne unter dem Intendanten Matthias Lilienthal. Nach Florentina Holzingers knalliger Hausputzshow plus dem soliden Doku-Theater von Rimini Protokoll am ersten Abend und einer enttäuschenden, extra spröden Prater-Eröffnung mit Anta Recke an Tag Zwei beschließt die japanische Autorin und Regisseurin Satoko Ichihara mit ihrem abstrusen, trashigen und kryptischen "Mononoke" nun den Eröffnungsreigen.

Was verhandelt wird, ist schwer zu sagen. Der Fluch der Hauptfigur Takako hat jedenfalls mit deren Vater zu tun. An dessen eiserner Fingerprothese liebte Takako als Kind zu lutschen. Immer wieder blitzen Hinweise von Missbrauch auf, verschwinden dann aber wieder hinter greller, kruder Komik.

Seitdem Takako in der Schule von einem Mitschüler mit Chlamydien angesteckt worden ist, spricht sie mit den Milchsäurebakterien in ihrer Vagina. Takako, gespielt von Rosa Lembeck, soll nun mit ihrer eisernen "Eizelle" im Körper ein Kind gebären, um den Fluch zu lösen. Ihr Vater soll den Samen spenden. Er ist allerdings mit einer Sex-Gummipuppe verheiratet, die angeblich die Göttin der Eisenfabrik ist, in der er gearbeitet hat – Frauen waren dort nicht zugelassen.

Auf der Bühne wird das mit einem seltsamen Stil-Clash von traditionellen Bunraku-Puppen, Plastik-Sex-Dolls und japanischem Schulmädchen-Look erzählt. Anscheinend sollen gewisse Japan-Klischees auf die Spitze getrieben werden. Die südkoreanische Künstlerin Mire Lee hat dazu Kunstwerke aus Eisen und Plastikröhren entworfen, die aber organisch wirken. Als riesige Kraken und Röhren hängen sie über der Bühne, Stahlpfeiler ragen in die Höhe. Auf einem zweiten Geschoss spielt eine Musikerin live E-Geige. Und auch eine Toilette, auf der sich fleißig mit Joghurt eingeschmiert wird, spielt eine wichtige Rolle.

Die Figuren bleiben allesamt Klischees und Kunstfiguren. Julia Riedler, immerhin Schauspielerin des Jahres 2025 und neu im Ensemble, karikiert den Vater mit Gummimaske und Bass-Stimme und fiepst sich gleichzeitig durch die Figur der Plastiksexpuppe, die sie an der Hand führt.

Satoko Ichihara gilt als wichtige Stimme einer jüngeren Generation von japanischen Theatermacherinnen. Thematisch steht bei ihr stets der Körper und seine Tabus im Zentrum: Sex, Fortpflanzung, Ausscheidungen, Scham, Ekel. Natürlich soll es hier auch um ein Aufbegehren gegen männliche Dominanz gehen. Doch die Erzählung und auch die ästhetischen Mittel bleiben plump: Mit Sperma, Muschi und Vaginalpilzen kann man im deutschen Theater, vor allem an der Volksbühne, niemanden mehr irritieren.

Letztlich will sich der Abend wohl über seine eigene Geschichte mokieren. Denn einen Fluch gibt es am Ende gar nicht, die Hauptfigur ist einem falschen Narrativ aufgesessen. Und auch Traumata seien in unserer Gesellschaft nur noch dazu da, vermarktet zu werden, heißt es. Die neu entwickelte Gebärmutter, die am Ende über der Bühne hängt, und die Frauen schmerzfrei das externe Gebären ermöglichen soll, entpuppt sich als Fake. Der weibliche Körper wird als empfindliches, komplexes Wesen gelesen, das von äußeren Einflüssen nurmehr verunreinigt wird. Ist das nun feministisches Theater? Und wofür steht das Eisen-Ei, der Eisenfinger und die Faszination für Stahlwerke? Schwer zu sagen.

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