Monterey Car Week 2026: Willkommen im Spielwarenladen der Superreichen
Audioplayer wird geladen Anzeige Die Monterey Car Week ist die größte PS-Party der Welt. Und wer wissen will, wie die Superreichen feiern, muss zu „The Quail“. Während sich ringsum bei den klassischen Concours die schönsten Oldtimer der Welt dem Urteil der Juroren stellen, öffnet auf dem Golfplatz der Quail Lodge in Carmel Valley ein Spielwarenladen. Nur dass die Spielsachen hier nicht aus Plastik sind und auch nicht ins Kinderzimmer passen. Anzeige Fast 2000 US-Dollar kostet das Ticket für das Motorsports Gathering. Trotzdem sind die Karten schon seit Monaten ausverkauft. Denn wer es sich irgendwie leisten kann, zur Monterey Car Week zu kommen, will irgendwann auch zu „The Quail“. Um gesehen zu werden, an langen Buffets Austern, Kaviar und Champagner zu genießen – und die neuesten Spielwaren der PS-Branche zu bestaunen. Lesen Sie auch Weltplus ArtikelPorsche 911 GT3 S/C Offiziell ist auch „The Quail“ ein Concours, bei dem vor allem historische Sportwagen präsentiert, begutachtet und ausgezeichnet werden. Wenn dort mehr als ein Dutzend Ferrari F40 oder ähnlich viele Bugatti Veyron und Chiron zusammenkommen, ist schon das ein Spektakel für sich. Doch zwischen all den Klassikern präsentieren die exklusivsten Marken der PS-Welt ihre neuesten Kreationen. So wird aus dem Concours ein Schaulaufen der Gegenwart – und aus dem Golfplatz ein Spielwarenladen der Superreichen. Anzeige Denn die Hersteller wissen längst, dass sie hier nicht nur Autos zeigen, sondern potenzielle Käufer treffen – Kunden, für die ein Auto kein bloßes Fortbewegungsmittel, sondern Ausdruck ihres Lebensstils ist. Deshalb stehen zwischen klassischen Rennwagen und millionenschweren Oldtimern die neuesten Hypercars, Einzelstücke und Kleinserien. Das teuerste Spielzeug kommt einmal mehr von Bugatti. Der Destrier stammt aus dem neuen Solitaire-Programm und wird deshalb genau einmal gebaut. Unter der Haube arbeitet – jetzt angeblich zum allerletzten Mal – der 8,0-Liter-W16 mit 1600 PS. Viel wichtiger als die Leistung ist jedoch die Botschaft: Wer ein solches Auto bestellt, kauft kein Modell. Er kauft ein Unikat. Lamborghini macht es dagegen fast schon demokratisch. Zumindest nach den Maßstäben von „The Quail“. Vom Revuelto SV werden immerhin 1963 Exemplare gebaut – zu einem hier fast lachhaften Preis von umgerechnet knapp 600.000 Euro. Dafür haben die Italiener einen anderen Superlativ zu bieten: SV steht für Super Veloce, und mit 345 km/h ist der Revuelto schneller als jeder Lamborghini vor ihm. Und stärker ist er auch: Sein V12-Hybrid leistet irrwitzige 1065 PS. Die Mehrleistung kommt allerdings nicht vom Verbrenner, dessen Leistung unverändert bleibt, sondern von den drei Elektromotoren. Dank einer auf 7,3 kWh vergrößerten Batterie können sie länger und kräftiger zupacken. Aston Martin geht mit dem Valen dagegen den klassischen Weg. V12 vorn, Hinterradantrieb und 838 PS – nur eben in einer Auflage von 150 Stück und zu einem Preis, der den normalen Vanquish weit hinter sich lässt. Statt knapp 400.000 werden mal eben rund 1,8 Millionen Euro fällig. Auch hier wird die Zukunft nicht elektrisch, sondern vor allem exklusiver. Lesen Sie auch Weltplus ArtikelAston Martin Valhalla Porsche wiederum braucht überhaupt keine neue Baureihe. Ein einziges Auto reicht. Der 911 Flachbau RS ist ein Werksunikat aus dem Sonderwunsch-Programm, basiert auf dem GT2 RS und verbeugt sich vor dem legendären 935 „Moby Dick“. Er ist 31,6 Kilogramm leichter als das Ausgangsauto und erzeugt bei 340 km/h bis zu 554 Kilogramm Abtrieb – mehr muss man über dieses Auto eigentlich gar nicht wissen. Es gibt eben genau eines. Neben Porsche sind mit dem Audi Nuvolari und einer Vision-Studie von BMW Alpina immerhin zwei weitere deutsche Marken vertreten. Der auf 499 Exemplare limitierte Nuvolari ist mit seinem 1001 PS starken Plug-in-Hybridantrieb und seiner Carbonkarosserie der stärkste Straßen-Audi aller Zeiten. Der elegante Gran Turismo von BMW Alpina soll dagegen Lust auf jene Zeit machen, in der BMW die Geschicke der Traditionsmarke lenkt – selbst wenn es zunächst wohl nur um veredelte X7 und Siebener gehen wird. Lesen Sie auch Nur einer fehlt auch in diesem Jahr ausgerechnet dort, wo die Musik in der Luxusliga am lautesten spielt: Mercedes-Benz. Der Erfinder des Automobils und selbst ernannte Platzhirsch am oberen Ende des Marktes glänzt bei „The Quail“ mit Abwesenheit und lockt die Gäste stattdessen in einen eigenen Pavillon an der Lodge von Pebble Beach. Den lautesten Auftritt aus Deutschland legt allerdings Brabus hin. Denn die Bottroper haben besser als alle anderen verstanden, dass man in dieser Gesellschaft mit Understatement nicht weit kommt. Dem Bodo auf Basis des Aston Martin Vanquish stellen sie deshalb nun eine Cabrio-Variante zur Seite. 1000 PS, V12 – wie viele Exemplare gebaut werden, verrät Brabus noch nicht; vom Coupé sind es 77. Der offene Bodo folgt dabei konsequent dem Prinzip „Wenn schon, denn schon“. Und dann kommt Spyker. Nach Jahren der Pleiten und Zwangspausen wollen es die Niederländer noch einmal wissen und präsentieren den C8 Preliator XXV. Er wird genau 25-mal gebaut und verbindet Aluminium, Handarbeit und jede Menge Flugzeuganleihen mit einem 800 PS starken V8. Ein Auto wie aus einer anderen Zeit – und gerade deshalb perfekt für Monterey. Auch Marc Philipp Gemballa blickt zurück nach vorn. Sein neuer Marsien GT basiert zwar auf einem modernen Porsche 911 Turbo S, sieht aber aus, als wäre ein Porsche 959 aus der Zukunft zurückgekehrt. Carbonkarosserie, RUF-optimierter Biturbo-Boxer, mehr als 830 PS und nur 30 Exemplare: Der Marsien GT ist weniger Retro als eine Hommage an die großen Rallye-Porsche, die unsere Vorstellung vom perfekten Sportwagen geprägt haben. Hennessey macht es ähnlich – nur mit einer anderen Zeitreise. Der Blackbird setzt nicht auf möglichst viele Elektromotoren, sondern auf den direkten Draht zwischen Fahrer und Maschine. V8, Hinterradantrieb, Handschaltung. 71 Exemplare. Mehr Oldschool geht kaum. Eine ganz eigene Volte schlägt derweil Cadillac. Mit dem V-One zeigen die Amerikaner erstmals eine Straßenversion ihres Le-Mans-Prototyps V-Series.R – zumindest beinahe. Noch ist der Blickfang eine Studie, könnte aber schon bald Konkurrenten wie dem AMG One oder Aston Martin Valkyrie in die Parade fahren. Ohne die Fesseln des Reglements leistet der hybride 5,5-Liter-V8 satte 830 PS – 159 PS mehr als das Rennauto. Offiziell steht der V-One noch nicht zum Verkauf; ein Serienstart hängt vom Kundeninteresse ab – zumindest bei „The Quail“ hat es daran nicht gemangelt. Lesen Sie auch Und dann sind da noch die Autos, die selbst für „The Quail“ außergewöhnlich exklusiv sind. Ferrari zeigt mit dem CZ26 ein Einzelstück auf Basis des SF90: ein Auto für genau einen Kunden, mit rund 1000 PS und einer Karosserie, die mit dem Serienmodell kaum noch etwas gemein hat. Auch McLaren blickt zurück. Der McL 6GT greift eine Idee von Bruce McLaren aus den späten 60ern auf. Schon damals wollte der Firmengründer neben seinen erfolgreichen Rennwagen einen Straßensportler bauen. Nun kehrt diese Vision als Designstudie zurück und soll ab 2028 in Serie gehen. Carbon, V8, Heckantrieb und erstmals seit dem seligen F1 wieder ein manuelles Getriebe. Auch hier geht es weniger um die nächste technische Revolution als um das Gefühl, das ein Auto vermitteln soll. Das eigentliche Geheimnis von „The Quail“ Während die Autoindustrie in Detroit, Deutschland und Japan mit Hochdruck an einer ungewissen Zukunft arbeitet, schaut die Kundschaft sicherheitshalber lieber eine oder zwei Epochen zurück. Vielleicht liegt das daran, dass niemand so recht weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Werden Autos irgendwann nur noch rollende Computer sein? Werden Elektromotoren den Verbrenner vollständig verdrängen? Wird man überhaupt noch selbst fahren? Und wenn ja: Wie viel von dem, was wir heute unter einem Sportwagen verstehen, wird dann noch übrig sein? Die Petrolheads auf dem Golfplatz beantworten diese Fragen nicht. Sie umgehen sie einfach. Sie kaufen Autos, die sie an das erinnern, was sie lieben. Deshalb geht der Siegeszug der Restomods ungebremst weiter: Alte Autos bekommen neue Technik, moderne Bremsen, Carbonkarosserien und Motoren, die mehr leisten als alles, was es zu ihrer Zeit gab. Doch die Seele bleibt. Singer treibt dieses Spiel bis in die Welt der Luxusmode. Für zwei neue 911-Reimaginationen haben sich die Kalifornier mit Louis Vuitton zusammengetan. So wird aus einem ohnehin extrem exklusiven Porsche Haute Couture auf Rädern – mit maßgeschneiderten Koffern, Kleidung und einer Tambour-Uhr im Auto. Die Mechanik bleibt erstaunlich analog: Der Classic bekommt einen 4,0-Liter-Saugmotor und eine Sechsgang-Handschaltung, der Classic Turbo einen 3,8-Liter-Biturbo. Und Singer ist längst nicht allein. Auf den Rasenflächen und Straßen rund um Monterey begegnen die Besucher den Helden ihrer Jugend wieder – vom luftgekühlten Porsche 911 über Ford Bronco und VW Bulli bis zum Hundeknochen-Escort. Der alte Porsche bekommt Carbon und Keramikbremsen, der Bulli moderne Technik, der Bronco darf sogar elektrisch werden. So werden aus den Autos von einst Luxusobjekte, die mit den teuersten Neuwagen der Welt um Aufmerksamkeit konkurrieren. So gesehen ist „The Quail“ weniger ein Blick in die Zukunft als vielmehr, wie jeder Spielwarenladen, eine Flucht in ein Paralleluniversum, in dem die Grenzen weicher und die Regeln weniger streng sind. Zurück in eine Zeit, in der Autos noch Charakter hatten, Motoren noch Geräusche machten und drei Pedale zum Glücklichsein reichten.