Moonshot AI: Chinas KI-Start-up expandiert nach Deutschland
Das chinesische KI-Unternehmen Moonshot AI drängt auf den deutschen Markt. Das sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der F.A.Z. „Deutschland steht auf der Topliste der priorisierten Länder“, sagte eine von ihnen. Die Bemühungen richten sich sowohl auf Privatkunden als auch auf Unternehmen. Das Start-up spricht dafür gezielt deutsche Unternehmen an, prüft eine erste Werbekampagne in der Bundesrepublik und stellt deutschsprechende Angestellte ein. Eine Internetseite, auf der Abonnements abgeschlossen werden können, ist ins Deutsche übersetzt worden. Eine Moonshot-AI-Sprecherin wollte sich auf Anfrage nicht äußern. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Moonshot AI ist das erste chinesische KI-Unternehmen, das so gezielt nach Deutschland expandieren möchte. Vorläufig sei jedoch keine eigene Präsenz mit Büroräumen geplant, sagten die mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Die deutschsprachigen Angestellten sollen aus dem Büro des Unternehmens in Peking arbeiten, sind Chinesen und kommen etwa aus der Germanistik. Auch andere chinesische KI-Unternehmen haben internationale Kundschaft, gezielte Strategien für den deutschen oder europäischen Markt sind bisher jedoch nicht bekannt. China holt KI-Rückstand schnell auf Moonshot AI hatte im Juli sein neues KI-Modell Kimi K3 veröffentlicht und damit die Börsen rund um den Globus in Aufruhr versetzt. Das Modell hat 2,8 Billionen Parameter, so viele wie kein anderes sogenanntes Open-Weight-Modell. Die Zahl der Parameter ist ein grobes Indiz für die Komplexität und Leistungsfähigkeit eines KI-Modells. „Open Weight“ heißt, dass das Unternehmen die Parameter veröffentlicht und das Modell dadurch transparenter macht als andere Anbieter. Kimi K3 legte nahe, dass chinesische Unternehmen den Rückstand auf KI-Modelle von amerikanischen Unternehmen wie Anthropic oder Open AI schneller schließen als gedacht. Die US-Regierung warf dem Unternehmen vor, in industriellem Ausmaß amerikanische KI-Modelle destilliert zu haben. Damit ist gemeint, eigene Modelle durch unzählige Anfragen an KI-Modelle anderer Unternehmen zu trainieren. Die Moonshot-AI-Sprecherin wollte sich auch dazu nicht äußern. Umsätze in Deutschland verzehnfacht Die Modelle von Moonshot AI sind zwar „Open Weight“. Es verdient sein Geld aber mit Abonnements, die sich vor allem an kleinere Unternehmen richten, für die das Aufsetzen einer eigenen Infrastruktur zu aufwendig ist. Die Gebühren reichen von 19 bis 199 Dollar im Monat. Für größere Unternehmen, die das Modell auf eigenen Servern betreiben, ist die Verwendung für interne Zwecke kostenlos, für externe Anwendungen werden Lizenzgebühren fällig. Für Entwickler betragen die Preise für K3 drei Dollar je eine Million Input-Token und 15 Dollar je eine Million Output-Token. Das ist rund die Hälfte der Preise für das neueste Modell von Open AI und ein Drittel der Preise für das neueste Modell von Anthropic. Nach der Veröffentlichung des Modells nahmen die Umsätze in Deutschland so stark zu wie in kaum einem anderen Markt, sagten die mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Demnach hat Moonshot AI die Umsätze mit Privatkunden nach der Veröffentlichung von K3 insgesamt verdreifacht, in Deutschland aber mehr als verzehnfacht. Absolute Zahlen nannten die Personen nicht. Im Juni, also vor der Veröffentlichung von K3, erreichte Moonshot AI laut einem früheren Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg jährlich wiederkehrende Umsätze in Höhe von 300 Millionen Dollar. Diese Angaben werden auf Basis aktueller Abonnentenzahlen auf das Jahr hochgerechnet, sie beziehen sich sowohl auf Privat- als auch auf Geschäftskunden. Rund die Hälfte seiner Umsätze macht das Unternehmen im Ausland. Neben Deutschland nimmt Moonshot AI weitere europäische Länder ins Visier. Moonshot-Mitgründerin Zhang Yutong war in diesem Sommer etwa zu Vertriebszwecken in Frankreich, sagten die beiden mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Auch Südostasien, Japan und Südkorea sind im Fokus. In Singapur gibt es ein Auslandsbüro, in den USA einige Mitarbeiter. Dort ist Moonshot AI schon stärker aktiv und bucht im Silicon Valley etwa Plakatwerbung. Gründer Yang Zhilin hat in den USA promoviert, Praktika bei Google und Meta absolviert. Er nennt sich auf Englisch Kimi. Mangel an Rechenkapazität bremst Expansion Das Unternehmen steckt mitten in den Vorbereitungen zu einem Börsengang in Hongkong, der noch in diesem Jahr stattfinden soll. In der jüngsten Finanzierungsrunde wurde das Unternehmen nach Informationen der F.A.Z. mit gut 30 Milliarden Dollar bewertet. In einer neuen, noch nicht abgeschlossenen Runde beträgt die Bewertung rund 50 Milliarden Dollar. Die Zahlen decken sich mit früheren Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das entspricht auf Basis der aktuell ungefähr 300 Mitarbeiter einer Bewertung je Kopf von rund 167 Millionen Dollar. Der Mangel an Rechenkapazität in der Volksrepublik verhindert, dass Moonshot AI das Geschäft noch schneller ausweiten kann. Kurz nach der Veröffentlichung des neuen Modells Kimi K3 verhängte Moonshot AI einen Aufnahmestopp für neue Abonnenten, der schon zwei Wochen andauert. Gegenwärtig hat das Unternehmen eine Warteliste von mehreren Hunderttausend interessierten Nutzern, sagten die beiden mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Täglich könne es aber nur rund fünf- bis zehntausend neue Kunden aufnehmen. Die USA untersagen den Verkauf modernster Halbleiter nach China, das betrifft vor allem Produkte des amerikanischen Chipkonzerns Nvidia. Die Expansion stellt Deutschland vor sicherheitsrelevante Fragen. Für die Politik wächst die Dringlichkeit, eine Position zur Verwendung chinesischer Künstlicher Intelligenz in Deutschland zu entwickeln. Dabei muss sie abwägen, ob sie es für gefährlicher hält, chinesische KI zu verwenden oder von amerikanischer KI abhängig zu sein. In den USA löste Kimi K3 eine Diskussion darüber aus, chinesische KI-Modelle zu verbannen. Bisher gibt es nur einzelne europäische Unternehmen, die eigene Modelle entwickeln. Diese schneiden in den gängigen Ranglisten aber weniger gut ab als die besten Modelle aus den USA und aus China.