Morbus Crohn: Neuer Antikörper erreicht 48% Remissionsrate
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen bleiben ein Schwerpunkt internationaler Forschung. Kliniken und Forschungseinrichtungen präsentierten Ergebnisse, die neue Ansätze bei Diagnose, Wirkmechanismen und Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa aufzeigen – von Stoffwechselengpässen über neue Wirkstoffkandidaten bis hin zu genetischen Ursachen und alternativen Behandlungsstrategien. Stoffwechselengpass als Ansatzpunkt Ein Forschungsteam aus Kiel und den USA identifizierte bei chronischen Darmentzündungen eine Herunterregulierung des Enzyms QPRT. Dieses Enzym ist an der NAD+-Synthese aus Tryptophan beteiligt – wird es blockiert, weicht der Körper offenbar auf Nicotinamid, also Vitamin B3, als alternativen Syntheseweg aus. Dieser Stoffwechselengpass bildet die Grundlage für die klinische Studie ORNATUS, in der lokal verabreichtes Nicotinamid bei Colitis ulcerosa untersucht wird. Die zugrunde liegenden Ergebnisse wurden in den Fachjournalen Journal of Crohn's and Colitis, Cell Reports sowie dem International Journal of Tryptophan Research veröffentlicht. Neuer Wirkstoffkandidat zeigt Remission in Phase 2b Für den gemeinsam von Teva und Sanofi entwickelten Anti-TL1A-Antikörper Duvakitug liegen Ergebnisse der Phase-2b-Studie RELIEVE UCCD vor, die im Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht wurden. Bei Colitis-ulcerosa-Patienten erreichten in Woche 14 der Studie 36 Prozent der Teilnehmer unter der 450-Milligramm-Dosis und 48 Prozent unter der 900-Milligramm-Dosis eine klinische Remission, verglichen mit 20 Prozent unter Placebo. Bei Morbus Crohn zeigte sich ein endoskopisches Ansprechen bei 26 Prozent der Patienten unter 450 Milligramm und bei 48 Prozent unter 900 Milligramm, gegenüber 13 Prozent unter Placebo. Neue Sicherheitssignale traten laut den Studienautoren nicht auf. Etabliertes Präparat mit neuen Daten Auch für das seit Langem eingesetzte Adalimumab (Humira) von AbbVie liegen aktuelle Studiendaten vor. In einer Phase-2-Studie über acht Wochen mit 299 Teilnehmern, die wöchentlich 40 Milligramm erhielten, erreichten mehr Patienten unter dem Wirkstoff eine Remission gemessen am CDAI-Wert unter 150 als unter Placebo. Eine offene Phase-3-Folgestudie mit 220 Patienten, die alle zwei Wochen 40 Milligramm erhielten, bestätigte den Nutzen. Die Ergebnisse wurden auf der Fachtagung Digestive Disease Week (DDW) in Chicago präsentiert. Anzeige Wer sich mit chronischen Entzündungsprozessen befasst, sucht oft nach begleitenden Wegen, um Beschwerden wie Magenprobleme oder Müdigkeit zu lindern. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie bestimmte Lebensmittel als natürliche Entzündungs-Killer wirken können. 12 natürliche Entzündungs-Killer jetzt entdecken Genetische Ursachen im Fokus Eine Studie der University of Toronto, veröffentlicht in Nature Immunology, liefert neue Hinweise zur Entstehung von Morbus Crohn. Demnach führt ein Gendefekt im NOD2-Gen zu einer reduzierten Rekrutierung von T-Zellen in Darmlymphknoten und in der Folge zu einer geschwächten Immunantwort bei Virusinfektionen. Die Forschenden vermuten darin einen möglichen Erklärungsansatz für die initiale Entwicklung der Erkrankung – und zugleich einen Hinweis darauf, warum aktuelle Medikamente nur bei einem Teil der Patienten wirksam sind. Bakteriophagen als personalisierter Therapieansatz Ein weiterer Forschungsstrang der McMaster University widmet sich Bakteriophagen, die gegen adherent-invasive E. coli (AIEC) gerichtet sind. In Modellen konnten diese Phagen die Anheftung der Bakterien an die Darmschleimhaut unterdrücken und dadurch Entzündungen reduzieren. Zudem verstärkte die Phagentherapie in den Untersuchungen die Wirksamkeit von Steroiden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Da sich Bakterienzusammensetzungen individuell unterscheiden, könnte ein Stuhltest künftig einen personalisierten Einsatz solcher Phagentherapien ermöglichen. Anzeige Gelenkschmerzen und ständige Erschöpfung sind häufige Begleiterscheinungen bei chronischen Entzündungen im Körper. Ein spezialisierter Ernährungs-Guide liefert wertvolle Tipps und Rezepte, um diese Beschwerden auf natürliche Weise zu adressieren. Kostenlosen PDF-Ratgeber zur antientzündlichen Ernährung anfordern Einordnung Die parallel veröffentlichten Ergebnisse aus Kiel, Toronto, Hamilton sowie aus den klinischen Studienprogrammen von Teva/Sanofi und AbbVie verdeutlichen, dass die Forschung zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen derzeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzt: bei Stoffwechselprozessen, bei der genetischen Krankheitsentstehung, bei neuen Antikörper-Wirkstoffen und bei mikrobiologischen Behandlungsansätzen. Für Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, bei denen bestehende Therapien häufig nur eingeschränkt wirken, könnten diese unterschiedlichen Ansätze mittelfristig zusätzliche Behandlungsoptionen eröffnen.