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Mord oder Jagdunfall: Wie starb Shanidar A?

Wissenschaft

Neandertaler

Ungeklärter Tod vor 75.000 Jahren: Ältestes Gewaltopfer durch Speerangriff?

Stand: 16.10.2026 09:20 Uhr

Seit wann setzen Menschen Waffen gegeneinander ein? Vielleicht schon seit 75.000 Jahren. Darauf deutet ein Fund in einer Höhle in Kurdistan hin. Dabei zeigten sich an gleicher Stelle auch Belege für ein soziales Zusammenleben.

Speere nutzen der moderne Mensch und seine Verwandten schon lange. In Schöningen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt wurden in den 1990er Jahren Waffen gefunden, die über 200.000 Jahre alt sind. Waldelefanten wurden vor Jahrtausenden am Geiseltalsee damit erlegt. Doch einen so alten Beleg für eine Wunde an einem Menschen durch einen Speer, wie der jetzige aus dem Nordirak, hat es noch nicht gegeben.

Alles nur ein Jagdunfall oder ein gezielter Schuss ins Herz?

Vor 75.000 Jahren wurde dort ein Neandertaler begraben, der durch einen Stoß mit dem Speer durch das Herz verstarb. Ob Shanidar A, so der Name, den die Wissenschaftler dem Toten nach dem Fundort gaben, bei einem Unfall getötet wurde oder durch eine aggressive Handlung, das lässt sich heute natürlich nicht mehr sage, erklärt Emma Pomeroy, Hauptautorin der Studie vom Archäologischen Institut der Universität Cambridge.

"Tiere wie Mammuts wurden möglicherweise aus nächster Nähe mit Speeren gejagt, daher sind tödliche Verletzungen leicht vorstellbar." Sie sagt jedoch, es gebe Hinweise auf vorsätzliche Gewalt. "Die Lage der Wunde und die Kraft, die nötig war, um sie durch den Körper des Neandertalers zu treiben, tragen die Merkmale eines gezielten Tötungsschusses auf das Herz."

Andere Funde sprechen für gepflegtes Zusammenleben

Doch neben Belegen für Gewalt fanden Pomeroy und ihr Team auch Hinweise auf Empathie unter den Neandertalern. Ein Zahn, der in der Nähe des Schulterblatts gefunden wurde, deutet auf eine Gesichtsverletzung hin, die ein Jahr vor dem Tod auftrat. Damit Shanidar A so lange überlebte, habe er Pflege gebraucht.

"Es besteht kein Zweifel, dass Shanidar A Schwierigkeiten hatte, sich zu verständigen, und über einen langen Zeitraum hinweg unerträgliche Schmerzen erlitt", erklärt Pomeroy. "Die Überreste von Shanidar A spiegeln die Dualität so vieler menschlicher Dinge wider. Einerseits haben wir Beweise für ein furchtbar gewaltsames Ende. Andererseits war dies eindeutig ein Mensch, der zu Lebzeiten umsorgt wurde."

jar/pm

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