Mordfall Fabian: Pferde-Videos sorgen für Raunen im Gerichtssaal
Stand: 07.08.2026 18:12 Uhr Im Mordprozess zum Fall Fabian am Landgericht Rostock haben einige Videos für Irritationen gesorgt. Darauf ist festgehalten, wie die Angeklagte Gina H. mit ihrem Lieblingspferd umgegangen ist. von Andreas Frost Einige kurze Handyvideos von einem Reittraining der Angeklagten Gina H. haben im Prozess zum Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow am Landgericht Rostock für Raunen im Publikum gesorgt. In mehreren Fällen, in denen das Pferd nicht pariert, setzt die passionierte Reiterin die Gerte ein oder schlägt es mit der flachen Hand auf den Hals beziehungsweise ins Gesicht. Verteidiger rechtfertigt Gina H.'s Verhalten Einer ihrer Verteidiger bemühte sich sofort, die Bilder einzuordnen, sie seien kein Grund, an der Tierliebe von Gina H. zu zweifeln. Das Tier habe sich widersetzt und die Reaktion sei angemessen. Die Videos müssen kein regelmäßiges Verhalten der Angeklagten im Umgang mit ihren Tieren zeigen. Sie könnten aber ein Hinweis auf einen besonders angespannten Gemütszustand sein. Sie wurden von einem Nachbarn von Gina H. in Reimershagen (Landkreis Rostock) mit ihrem Handy einen Tag vor dem Verschwinden Fabians aufgenommen. Angeklagt wegen heimtückischen Mordes Die Anklage wirft Gina H. einen heimtückischen Mord vor. Sie soll den achtjährigen Jungen am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, ihn bei Klein Upahl (Kreis Rostock) erstochen und die Leiche angezündet haben. Die Ermittler vermuten, dass Gina H. glaubte, Fabian stünde ihr bei ihrem Versuch im Wege, Fabians Vater wieder für sich zu gewinnen. Der hatte sich zwei Monate zuvor nach einer vierjährigen Beziehung von ihr getrennt. Der tote Junge wurde vier Tage nach seinem Verschwinden am Rande eines Tümpels auf einem Feld gefunden. Die Verteidigung startete nun erneut den Versuch, verschiedene Indizien ins Wanken zu bringen, die Gina H. zum Nachteil gereichen könnten. So regte sie an, weitere Bewegungsdaten des Autos eines Bekannten von Gina H. auszuwerten. Sie hatte sich am 9. und 10. Oktober mit ihm getroffen. Sollten die Treffen länger als bislang angenommen gedauert haben, könnte Gina H. die Tat nicht so ausgeübt haben, wie sie von der Staatsanwaltschaft rekonstruiert wurde. Die Verteidigung forderte das Gericht auch auf, mehr über einen auffälligen Pick-Up zu ermitteln. Schließlich könnte es sein, dass Zeugen ihn und eben nicht den sehr ähnlichen Wagen von Gina H. in der Nähe von Fabians Wohnung beziehungsweise in der Nähe des Tatorts gesehen hätten. Die beiden Anwälte wollen zudem das Alibi von Fabians Vater für den 10. Oktober erneut unter die Lupe nehmen. "Auf Kosten eines toten Kindes" Die Aussagen von vier Zeugen ergaben kaum neue Erkenntnisse. Die Großmutter von Fabian und ihr Lebensgefährte bestätigten, sie seien Anfang 2024 von Gina H. per Textnachricht unter einem falschen Vorwand von einer ihnen eigentlich wichtigen Beerdigung ausgeladen worden. Unterdessen reagierte der Vorsitzende Richter erbost auf eine Mitteilung, dass Sprachnachrichten aus den Gerichtsakten vermutlich verbotenerweise auf einem Social-Media-Kanal veröffentlicht worden sein sollen. Dadurch könnte das Gerichtsverfahren gefährdet werden. Der Richter bezeichnete das als "unsäglich". Youtuber und Influencer, die mit "monetären Absichten“ vermeintlich neue Kenntnisse oder spektakuläre Wendungen aus dem Prozess veröffentlichten, verdienten ihr Geld "auf Kosten eines toten Kindes". Aussage der Angeklagten erwartet Der Prozess wird am 24. August fortgesetzt. Voraussichtlich wird sich die Angeklagte Gina H. zum ersten Mal äußern und eine vorbereitete Erklärung zu verschiedenen Aussagen der Zeugen vorlesen. Das könnte rund zwei Stunden dauern. Ob sie danach auch Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft beantworten wird, ließ ihre Verteidigung offen. Fall Fabian - Alle Podcast-Folgen