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Mordfall Maria Ladenburger: Was sich seither in Freiburg änderte

Nation

Der Mordfall Maria Ladenburger erschütterte Freiburg und sorgte bundesweit für Aufsehen. Auch zehn Jahre danach geht das Gedenken an die ehemalige Medizinstudentin weiter: Am Freitagmorgen ließ die Stadt Freiburg an der Dreisam einen Baum in Erinnerung an die Studentin pflanzen - in unmittelbarer Nähe des bereits existierenden Gedenksteins, der am damaligen Tatort an die junge Frau erinnert.

Maria Ladenburger wurde 2016 vergewaltigt und ermordet

Maria Ladenburger war 19 Jahre alt, als sie am 16. Oktober 2016 nachts mit dem Fahrrad von einer Semester-Eröffnungs-Party an der Dreisam nach Hause fuhr. Am nächsten Morgen fand eine Joggerin ihre Leiche im flachen Wasser. Maria war vergewaltigt worden und ertrank. Der Täter war Hussein K., ein Flüchtling aus Afghanistan, der 2015 über Griechenland nach Deutschland gekommen war.

Ermittlungen in Freiburg: Suche nach der "Nadel im Heuhaufen"

Die Polizei in Freiburg setzte die Sonderkommission "Dreisam" ein. Deren Leiter, David Müller, erinnert sich zehn Jahre später an den großen Druck. In der Stadt habe ein spürbares Unsicherheitsgefühl geherrscht, sagt er dem SWR. Die Ermittler suchten wochenlang nach Spuren am Dreisamufer.

Ein entscheidender Schritt war die eindeutige Täter-DNA, die am Opfer gesichert wurde, so Müller. Ein weiterer Meilenstein folgte, als die Ermittler Brombeerhecken am Tatort roden und untersuchen ließen. In einer der Hecken fanden sie ein auffällig langes Haar: etwa 18 Zentimeter, ursprünglich dunkelbraun und mehrfach blondiert.

Akribische Spurensuche und Festnahme in der Straßenbahn

Über das Haar hatte die Sonderkommission erstmals einen konkreten Hinweis auf das Aussehen des Täters zur Tatzeit. Die Polizei sichtete Videoaufnahmen der Freiburger Straßenbahn und entdeckte dort einen jungen Mann mit genau dieser Frisur, sagt der heutige stellvertretende Leiter der Kripo Freiburg, David Müller.

Kurz darauf erkannte eine Streife des Polizeipostens Kirchzarten den Verdächtigen in Freiburg wieder - inzwischen mit kurzen Haaren. Der Mann wurde Anfang Dezember 2016 festgenommen. Er hatte damals angegeben, 17 Jahre alt zu sein. Später kamen erhebliche Zweifel an seiner Altersangabe auf. 50 Beamte hatten sieben Wochen lang an der Aufklärung gearbeitet, die Erleichterung war groß. Vor allem Frauen in Freiburg berichteten, sie fühlten sich wieder sicherer.

Fall wird zum Politikum: Debatte über Geflüchtete und Strafverfolgung

Der Fall sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit. In sozialen Netzwerken und Talkshows wurde er zum Ausgangspunkt einer hitzigen Flüchtlingsdebatte. Manche Stimmen machten die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung direkt verantwortlich. Andere warnten davor, Geflüchtete insgesamt unter Generalverdacht zu stellen.

Zusätzlich brisant: Hussein K. hatte bereits in Griechenland einen Mordversuch begangen. Dort war er zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, kam aber nach zwei Jahren unter Auflagen frei und konnte 2015 ungehindert nach Deutschland einreisen. Nach dem Mord an Maria Ladenburger wurde Hussein K. im März 2018 am Landgericht Freiburg zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Neue Möglichkeiten der DNA-Analyse: Was sich seit 2016 geändert hat

Damals waren die rechtlichen Vorgaben für DNA-Analysen noch eng begrenzt. Die Ermittler durften etwa keine äußerlichen Merkmale wie Haar- oder Augenfarbe aus der DNA ableiten. Sonderkommission und damaliger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger drängten daher auf eine Änderung.

Mittlerweile erlaubt die Strafprozessordnung, aus DNA-Proben Haarfarbe, Augenfarbe, Hautfarbe und das biologische Alter zu bestimmen. David Müller sagt im Rückblick, mit diesen Analyse-Möglichkeiten hätte man den Täter wohl einige Wochen früher fassen können. Videos aus der Straßenbahn hätten gezielter ausgewertet werden können, was das Risiko einer Flucht verringert hätte.

Hilfe für Studierende im Namen von Maria

Marias Eltern, Friederike und Clemens Ladenburger, gründeten zum Gedenken an ihre Tochter 2018 die "Maria-Ladenburger-Stiftung". Sie wollen, dass nicht der gewaltsame Tod im Vordergrund steht, sondern Marias fröhliches Wesen und ihr Wunsch, die Welt besser zu machen.

Die Stiftung unterstützt Studierende der Universität Freiburg in schwierigen Lebenslagen, hilft ausländischen Studierenden bei der Integration und fördert Projekte der Entwicklungszusammenarbeit, etwa medizinische Praktika in Entwicklungsländern. Mehr als eine halbe Million Euro Spenden sind inzwischen zusammengekommen.

Die Eltern betonen, sie wollten Taten des Hasses nicht mit Hass beantworten. Für ihr Engagement erhielten sie ein Jahr nach der Gründung der Stiftung den mit 20.000 Euro dotierten Bürgerpreis der deutschen Zeitungen.

Maria-Ladenburger-Stiftung hilft pro Jahr 30 bis 40 Studierenden

"Es ist etwas Positives aus etwas völlig Negativem entstanden", sagt Hans Spada, emeritierter Psychologie-Professor an der Uni Freiburg und heutiger Vorstand der Maria-Ladenburger-Stiftung. In den vergangenen Jahren sei die Stiftung sehr gewachsen, allein 2025 seien 150 Spenden eingegangen. "Das Kapital hat sich vergrößert und damit auch die Chance, Studierenden zu helfen", so Spada. Inzwischen unterstütze die Stiftung jedes Jahr zwischen 30 und 40 Studierende.

Vorstand der Stiftung: "War große Hilfe für die Familie"

Spada ist nach wie vor beeindruckt davon, wie Marias Eltern auf den Verlust ihrer Tochter reagierten. "Dass sie gesagt haben: Es darf kein Hass gegen Migranten insgesamt entstehen." Aus psychologischer Sicht sei die Gründung der Stiftung für die Familie sicherlich "eine große Hilfe gewesen" bei der Bewältigung ihrer Trauer, meint Spada.

Mit der Stiftung und dem öffentlichen Gedenken bleibt Maria Ladenburger in Freiburg präsent - als junge Frau, die mitten im Leben stand, Nächstenliebe und Solidarität lebte und anderen helfen wollte.

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