Mordprozess Fabian: Differenzen über ein Online-Video
Stand: 28.08.2026 15:21 Uhr
Ein Video in den sozialen Medien könnte die Angeklagte im Mordprozess zum Fall Fabian entlasten, so ihre Verteidiger am Freitag vor dem Landgericht Rostock. Die Nebenklägerin hält den Clip jedoch nicht für seriös.
von Andreas Frost
Im Mordprozess zum Fall Fabian hat am Freitag ein Video aus den Sozialen Medien, das im Rostocker Gerichtssaal abgespielt wurde, für Differenzen zwischen der Verteidigung und der Nebenklägerin gesorgt. Darin ruft eine Frau ihre Zuschauer auf, sich zu melden, falls sie seit dem Verschwinden des achtjährigen Jungen aus Güstrow im Oktober 2025 etwas Wichtiges beobachtet haben, zum Beispiel in Klein Upahl (Landkreis Rostock) oder in Groß Upahl.
Idee für die Such-Region bekommen
Nach Ansicht der Verteidigung könnte das Video die Angeklagte entlasten. Es sei bereits im Internet zu sehen gewesen, als noch nach dem vermissten Fabian gesucht wurde. Das könnten mehrere Menschen bezeugen, die es gesehen haben. Gina H. könnte also durch das Video den Anstoß bekommen haben, am 13. Oktober spät abends zusammen mit einem Bekannten ausgerechnet in der Nähe von Klein Upahl nach Fabian zu suchen. In dieser Gegend hatte sie sonst offenbar kaum etwas zu tun.
Nebenklage: Clip wurde zusammengeschnitten
Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter, die als Nebenklägerin an dem Prozess teilnimmt, sagte hingegen, der Clip sei offenbar von einem "Hobbyermittler" aus mehreren Ausschnitten des Originalvideos zusammengeschnitten worden. Das Original sei erst vier Tage, nachdem Fabian gefunden wurde, veröffentlicht worden. Das ließe sich durch eine technische Auswertung beweisen. Auch die Autorin des Originalvideos sagte am Rande des Prozesses, sie habe das Video erst am 18. Oktober online gestellt. Habetha ist überzeugt, dass Gina H. den Mord begangen hat und deshalb wusste, wo sie nach Fabian "suchen" musste. Die Strafkammer hat noch nicht mitgeteilt, wie sie das Video bewertet.
Angeklagte beantwortet keine Fragen
Wie zu erwarten war, hat Gina H. an diesem Verhandlungstag nicht auf Fragen des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft zu ihrer vierstündigen Aussage vom vergangenen Montag geantwortet. Ihr Verteidiger Thomas Löcker hatte im Vorfeld berichtet, Gina H. sei nervlich dazu kaum in der Lage. Seit ihrer Aussage habe sich ihr Gemütszustand vollkommen verändert. Ihr sei offenbar zum ersten Mal klar geworden, was in diesem Prozess für sie auf dem Spiel steht. In ihrer langen Aussage hatte sie unter anderem ihre Unschuld beteuert und versucht, für sie belastende Zeugenaussagen zu untergraben.
Als Kind mit Großvater zur Jagd
Ein Cousin der Angeklagten berichtete dem Gericht, Gina H. sei als Kind beziehungsweise Jugendliche zwei- oder dreimal mit ihrem Großvater zur Jagd gewesen. Das widerspricht ihrer eigenen Aussage, nie zum Jagen mitgegangen zu sein. Allerdings, so der Cousin, beim Töten oder Zerlegen der Tiere sei Gina H. nicht dabei gewesen. Das Jagen an sich spielt im Prozess eine Rolle, weil der Tümpel, an dem Fabian gefunden wurde, unter Jägern wohl als Tränke für Wildtiere, zum Beispiel für Wildschweine, bekannt sein soll. Aus der Aussage des Cousins ließen sich zudem die konfliktreichen Familienverhältnisse ablesen, in denen die Angeklagte aufgewachsen ist.
An den Tatort zurückgekehrt?
Der achtjährige Fabian war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, das Kind am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an jenem Tümpel bei Klein Upahl erstochen zu haben. Später soll sie möglicherweise dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden. Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.
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