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Mordprozess Fabian: Gericht gespannt auf Antworten der Angeklagten

Nation

Stand: 09.09.2026 18:47 Uhr

Erst war sie psychisch überfordert, nun stellt sie sich doch den Richtern und Staatsanwälten: Im Prozess um den Mord am achtjährigen Fabian aus Güstrow will die Angeklagte Fragen beantworten.

von Andreas Frost

Im Mordprozess zum Tod des achtjährigen Fabians aus Güstrow am Landgericht Rostock will die Angeklagte an diesem Donnerstag auf Fragen der Richter, der Staatsanwälte und der Nebenklägerin antworten. Die Juristen werden unter anderem versuchen, Gina H. auf Widersprüche und Lücken anzusprechen, die sich aus ihrer Sicht zwischen der Aussage der Angeklagten und den bisherigen Indizien, Spuren und Zeugenaussagen ergeben.

Aussage über vier Stunden

Die Verteidiger hatten der Angeklagten anfangs offenbar geraten, während des Prozesses zu schweigen - was ihr gutes Recht ist. Im August verlas die 30-Jährige dann allerdings vier Stunden lang eine 95-seitige Erklärung. Darin nahm sie zu zahlreichen Details des Prozesses Stellung. Unter anderem betonte sie, nichts mit der ihr vorgeworfenen Tat zu tun haben zu können. Außerdem versuchte sie, zwei Zeugenaussagen zu untergraben, die sie belasten könnten.

Nachfragen zunächst abgeblockt

Nachfragen der anderen Prozessbeteiligten blockte die Verteidigung zunächst ab. Begründung: Gina H. sei dazu psychisch nicht in der Lage, da ihr während und nach ihrer Aussage erstmals klar geworden sei, was im Falle einer Verurteilung für sie auf dem Spiel stehe. Sollte sie schuldig gesprochen werden, droht ihr lebenslange Haft.

An diesem 27. Verhandlungstag will das Gericht außerdem erneut einen Experten des Landeskriminalamtes (LKA) als Zeugen hören. Er hatte das sichergestellte Handy von Gina H. ausgewertet und dessen Bewegungen nachvollzogen, was anhand zahlreicher Sensoren in dem Gerät möglich sein soll. Dabei ging es unter anderem darum, wann dieses Handy am mutmaßlichen Tattag, dem 10. Oktober vergangenen Jahres, vermutlich mit einem Auto durch die Gegend gefahren wurde.

LKA macht Vergleichsfahrten

Das Gericht will einen Vergleich haben, um diese Daten absichern oder infragestellen zu können. Darum sollte der LKA-Mann noch einmal das Handy mitnehmen und die Strecken abfahren, auf denen die Angeklagte laut Staatsanwaltschaft am 10. Oktober zwischen ihrem Zuhause, Güstrow und dem Tatort an einem Tümpel bei Klein Upahl (Landkreis Rostock) unterwegs gewesen sein soll.

Fabian wurde erstochen

Fabian wurde am 10. Oktober vergangenen Jahres von seiner Mutter als vermisst gemeldet. Vier Tage später wurde seine Leiche gefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl rund 15 Kilometer südlich von Güstrow erstochen zu haben. Später soll sie dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden.

Das achtjährige Kind war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor Fabians Verschwinden hatte der Vater sich von Gina H. getrennt. Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können. Mit einem Urteil wird spätestens im Oktober gerechnet.

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