Mordprozess Fabian: Schulkameraden wollen ihn noch gesehen haben
Stand: 03.09.2026 12:27 Uhr
Drei Kinder standen heute im Mordprozess zum Fall Fabian im Mittelpunkt. Sie wollen im Oktober 2025 in Güstrow wichtige Beobachtungen gemacht haben.
von Andreas Frost
Im Mordprozess zum Fall Fabian in Rostock haben heute drei Kinder im Mittelpunkt gestanden. Zwei Schuldkameraden berichteten der 3. Strafkammer des Rostocker Landgerichts, sie hätten Fabian am Freitag, dem 10. Oktober 2025, am frühen Nachmittag etwa gegen 13 Uhr in Güstrow gesehen. Fabian sei auf seinem Fahrrad unterwegs gewesen. Wenig später will der eine Junge Fabian ein zweites Mal gesehen haben. Er war sich allerdings nicht hundertprozentig sicher, dass er die beiden Beobachtungen am Freitag und nicht schon am Donnerstag gemacht hat. Die Aussage der Jungen passen nicht zur Anklage der Staatsanwaltschaft. Demnach war Fabian am Freitagnachmittag wahrscheinlich schon tot.
Aussagen steht im Widerspruch zur Anklage
Auch die Aussage eines Mädchens aus Fabians Nachbarschaft steht in Widerspruch zu den zeitlichen Abläufen, wie die Staatsanwaltschaft sie rekonstruiert hat. Die junge Zeugin berichtete, sie habe Fabian an jenem Freitag irgendwann zwischen 14 und 15 Uhr auf der anderen Straßenseite in der Nähe seines Zuhauses gesehen. Zwei schwarz gekleidete Männer mit schwarzen Haaren seien hinter ihm gegangen. Fabian sei immer schneller gegangen, die Männer dann auch. Sie hat nicht gesehen, ob die Männer Fabian angesprochen oder angefasst haben. Die angeklagte Gina H. hatte in ihrer langen Aussage im August den Verdacht geäußert, die Ermittler seien bei der Fahndung nicht allen Hinweisen nachgegangen.
Vernehmung per Video
Die Kinder wurden nicht im Gerichtssaal vernommen, sondern aus einem anderen Raum per Video zugeschaltet. Die Fragen des Gerichts, der Staatsanwälte, der Nebenklägerin und der Verteidiger stellte ihnen allein der Vorsitzende Richter. Auf diese Weise hat die 3. Strafkammer schon zwei Freunde Fabians als Zeugen vernommen.
Gina H. sieht sich als "Bauernopfer"
Im Gericht sollen außerdem weitere Sprach- und Textnachrichten vorgespielt beziehungsweise verlesen werden, die auf dem Handy der angeklagten Gina H. sichergestellt wurden. Am vergangenen Dienstag hatte die Gefängnis-Psychologin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bützow als Zeugin berichtet, ihr gegenüber habe sich Gina H. mehrfach als unschuldig bezeichnet, dennoch gehe die Angeklagte davon aus, verurteilt zu werden.
Gina H. hatte schon vor ihrer Verhaftung in Sprachnachrichten an einen Bekannten gesagt, sie fürchte, ihr solle etwas angehängt werden. In ihrer Aussage vor Gericht am Montag voriger Woche bezeichnete sie sich selbst zudem als "Bauernopfer". Zu dieser Aussage insgesamt will sie am kommenden Donnerstag Fragen der Richterinnen und Richter sowie der Staatsanwälte beantworten. Dies hatte sie zunächst abgelehnt.
Fabian wurde erstochen
Der achtjährige Fabian war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, das Kind am 10. Oktober vergangenen Jahres aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl rund 15 Kilometer südlich von Güstrow erstochen zu haben. Später soll sie dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden.
Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können. Mit einem Urteil wird spätestens im Oktober gerechnet.
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