Mordprozess um zerstückelte Frauenleiche in Bonn
Die Anklage geht davon aus, dass der Beschuldigte seine Frau und Mutter des gemeinsamen Kindes im November im Streit getötet und ihr dann Hände und Kopf abgetrennt hat.
Am Abend des 16. Novembers 2025, war zunächst ein drei Monate altes Baby vor einem Kloster im hessischen Waldsolms gefunden worden - ausgesetzt in einem Kinderwagen.
Leichenteile in zwei Bundesländern gefunden
Kurz darauf fanden Autofahrer abgetrennte Hände an der Autobahn 45 bei Olpe. Ein DNA-Abgleich brachte Klarheit: Es ist die Mutter des Kindes. Anfang Dezember wurde der Torso in Rheinland-Pfalz. Den Kopf der 32-Jährigen Frau aus Eritrea fanden schließlich Müllsammler an der A4 in NRW.
Angeklagter in Äthiopien festgenommen
Der Ehemann der Frau war schnell in den Fokus der Ermittler geraten. Zwischenzeitlich reiste er nach Äthiopien aus, wo ihn die Behörden festnahmen und festhielten. Noch bevor er nach Deutschland ausgeliefert wurde, soll er Polizisten gegenüber ausgesagt haben. Es sei zwischen ihm und seiner Frau auf einem Parkplatz in Bonn zu einem Streit gekommen. An mehr könne er sich aber nicht mehr erinnern. Seitdem schweigt er zu den Vorwürfen.
DNA-Spuren an Tüten, passende Standortdaten
Nach Informationen von wdr.de haben Ermittler an den Tüten, in denen die Hände und der Kopf der Frau gefunden worden waren, DNA vom Angeklagten gesichert. Außerdem belasten Standortdaten den 42-Jährigen.
"Mit Hilfe einer Handyortung hat die Polizei ein Bewegungsprofil meines Mandanten erstellt", so Strafverteidiger Martin Kretschmer gegenüber wdr.de. Offenbar gab es Standortdaten, die unter anderem zu den Fundorten von Händen, Torso und Kopf passen.
Anklage: Leichnam wurde zerstückelt
Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass zwischen dem Paar ein Streit eskaliert ist. Der Angeklagte soll seine Ehefrau auf der Rückbank eines Pkw erwürgt oder erstickt hat. Zu diesem Zeitpunkt, so die Ermittler, soll sich auch die drei Monate alte Tochter mit im Fahrzeug befunden haben.
"Anschließend soll der Angeklagte ins hessische Waldsolms gefahren sein und das Kind bei Dunkelheit und etwa zwei Grad Außentemperatur in der Nähe eines Klosters im Kinderwagen ausgesetzt haben", erklärt Stephan Schulz, Sprecher des Bonner Landgerichts. "Dem Kind sollen dadurch akut lebensbedrohliche Erfrierungen gedroht haben." Dann soll der Mann der Leiche in einem Wald Kopf und Hände abgetrennt und diese entlang der Autobahnen abgelegt haben.
Angeklagter floh 2010 aus Eritrea nach Deutschland
Lange galt der Angeklagte als Beispiel gelungener Integration. Nach Angaben seines Verteidigers, dem Bonner Strafverteidiger Martin Kretschmer, kam er Mitte 2010 aus Eritrea nach Deutschland. Er lernte schnell Deutsch, fand eine feste Arbeitsstelle. Erst als Elektriker, zuletzt als Berufskraftfahrer.
Urteil im Dezember: 42-Jährigem droht lebenslange Haft
Ein Gutachten stuft den Angeklagten als uneingeschränkt schuldfähig ein. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird Mitte Dezember erwartet. Dem Angeklagten droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.