Moreira setzt Ausrufezeichen: Honda führt Pirelli-Test mit 850er an
(Motorsport-Total.com) - Diogo Moreira hat beim zweiten und letzten Pirelli-Test des Jahres die MotoGP-Bestzeit gesetzt. Der LCR-Honda-Pilot fuhr am Montag auf dem Red Bull Ring in Spielberg mit der neuen 850-ccm-RC214V eine inoffizielle Zeit von 1:28.4 Minuten.
Damit war der Brasilianer schneller als Pedro Acosta auf der neuen 850-ccm-KTM, der auf Platz zwei geführt wird. Offizielle Rundenzeiten wurden jedoch nicht veröffentlicht.
Moreiras Zeit ist auch im direkten Vergleich mit dem Rennwochenende bemerkenswert: Seine schnellste Runde war 1,5 Sekunden schneller als seine persönliche Bestzeit im Sonntagsrennen, die er in Runde drei mit 1:30.067 Minuten gefahren war. Zudem unterbot er die schnellste Rennrunde des Grands Prix, die Sieger Pedro Acosta mit 1:29.533 Minuten in Runde vier erzielt hatte, um rund eine Sekunde.
Honda überrascht mit der neuen 850er
Moreira erzielte seine Bestzeit mit einem weichen Pirelli-Hinterreifen. Hinter ihm folgte Acosta mit einer Zeit von rund 1:28.8 Minuten auf der neuen 850-ccm-RC16, ebenfalls mit der weichen Mischung. Je nach Quelle wird Acostas Zeit mit 1:28.8 beziehungsweise 1:28.9 angegeben, da es keine offizielle Zeitnahme gab.
Die inoffiziellen Zeiten beim Pirelli-Test in Spielberg
Auch die zweite 850er-Honda präsentierte sich konkurrenzfähig. Johann Zarco fuhr mit der RC214V und einem weichen Reifen eine Zeit im Bereich von 1:29.0 Minuten.
Marco Bezzecchi kam mit der neuen Aprilia ebenfalls auf eine starke Runde. Der Italiener erzielte seine Bestzeit allerdings mit der harten Pirelli-Mischung aus dem Reifensortiment, weshalb die Zeiten nur eingeschränkt vergleichbar sind.
18 Fahrer testen die MotoGP-Zukunft
Insgesamt waren 18 Fahrer beim Test am Red Bull Ring im Einsatz. Honda setzte neben Moreira und Zarco auch Testfahrer Takaaki Nakagami ein. Ducati schickte Marc Marquez, Franco Morbidelli und Fermin Aldeguer auf die Strecke.
Bei Yamaha testeten Toprak Razgatlioglu, Jack Miller, Augusto Fernandez und Izan Guevara. Aprilia war mit Bezzecchi, Raul Fernandez und Testfahrer Lorenzo Savadori vertreten.
Das KTM-Aufgebot bestand aus Pedro Acosta, Brad Binder, Senna Agius, Pol Espargaro und Maverick Vinales. Acosta erhielt dabei die Gelegenheit, die neue 850-ccm-RC16 zu testen, obwohl er zur Saison 2027 zu Ducati wechseln wird.
850er-Prototypen gegen angepasste 1000er
Der Test lieferte zudem einen direkten Vergleich zwischen den beiden technischen Generationen. 13 der 18 Fahrer waren mit den neuen 850-ccm-Prototypen für die neue Regelära aber 2027 unterwegs. Diese Motorräder haben kleinere Motoren und reduzierte Aerodynamik. Außerdem verzichten sie auf die Ride-Height-Devices. Die übrigen fünf Fahrer testeten aktuelle, aber angepasste 1000-ccm-Maschinen.
Tech3-Pilot Vinales war mit der angepassten 1000er-KTM dabei und kam auf 1:29.2 Minuten. Der Spanier nutzte den Test gleichzeitig, um nach seiner Verletzung wieder Fahrpraxis zu sammeln. Sein Einsatz stand im Zusammenhang mit der geplanten Rückkehr beim Grand Prix von Japan Anfang Oktober.
Auch die beiden Moto2-Fahrer Senna Agius und Izan Guevara sammelten mit den angepassten 1000-ccm-Maschinen Erfahrung. Beide werden 2027 als Rookies in der Königsklasse antreten: Agius bei Tech3-KTM, Guevara bei Pramac-Yamaha.
Pirelli löst Michelin als Reifenausrüster ab
Der Test in Spielberg war der zweite und letzte Pirelli-Test der Saison für die regulären MotoGP-Fahrer. Zuvor hatten die Hersteller am 22. Juni in Brünn mit den neuen Reifen gearbeitet. Pirelli übernimmt ab 2027 die Rolle des alleinigen MotoGP-Ausrüsters von Michelin und entwickelt eine komplett neue Reifenpalette.
Gleichzeitig steht die MotoGP vor einem umfassenden technischen Umbruch mit den bereits genannten Änderungen. Die bisherigen Testzeiten zeigen bereits, dass die neuen Motorräder trotz kleinerem Hubraum ein hohes Leistungsniveau erreichen.
Die inoffiziellen Zeiten müssen mit Vorsicht bewertet werden. Da beim geschlossenen Test keine offizielle Zeitnahme veröffentlicht wurde und die Motorräder ohne Transponder unterwegs waren, ist zudem nicht bei jeder Runde eindeutig nachvollziehbar, mit welcher Reifenmischung die jeweilige Bestzeit erzielt wurde.
Weitere Pirelli-Tests bis zum Valencia-Showdown
Die Entwicklung wird bereits im Oktober fortgesetzt. Am 7. und 8. Oktober rücken Aprilia, Ducati, KTM und Yamaha in Jerez mit ihren Testfahrern aus. Am 14. und 15. Oktober folgt ein weiterer Test in Sepang, bei dem Honda mit seinem Testfahrer Aleix Espargaro antreten wird. Der Spanier ist inzwischen wieder einsatzbereit und soll die Entwicklung der neuen 850-ccm-RC214V weiter vorantreiben.
Für die regulären MotoGP-Fahrer beginnt die nächste Phase schließlich am 1. Dezember in Valencia. Dort steht der erste 2027-Vorsaisontest auf dem Programm und damit die nächste Gelegenheit, die dann weiterentwickelten 850-ccm-Prototypen und die neuen Pirelli-Reifen unter realen Rennbedingungen zu testen.