Mozilla: DMA-Gesetzgebung mildert Microsofts Drängeltaktiken bei Browserwahl
Mozilla wirft Microsoft auf Basis einer neuen Studie vor, bei Windows 10 und 11 weiterhin auf manipulative Designmuster zu setzen, um Nutzern den Edge-Browser aufzudrängen. So könnten Windows-Nutzer nach wie vor nicht alternative Browser herunterladen, als Default setzen oder dauerhaft nutzen, ohne dass der Softwarekonzern schädlich interferiere, kritisieren die Firefox-Macher. Als Beispiele nennt Mozilla irreführende Formulierungen, Behinderung, visuelle Beeinflussung, Vorauswahl, ständiges Nachhaken und erzwungene Aktionen. Diese Muster würden „etablierten Definitionen von Nötigung, Täuschung und Manipulation“ entsprechen. Weiterlesen nach der Anzeige Allerdings schränkt Mozilla ein, dass Microsoft seine Taktiken auf die lokalen Gesetzgebungen anpasse. Analysiert wurde dafür, was Nutzer in den USA, Indien, Großbritannien und Deutschland als repräsentativ für die EU zu sehen bekommen. Die Nutzer in Deutschland bekommen der Analyse nach deutlich weniger manipulative Taktiken ab. So fehlten hier etwa das Bing-Panel „Alles, was Sie brauchen, finden Sie hier“ nebst irreführenden Formulierungen und auch der drängelnde Windows-10-Assistent „Die Einrichtung Ihres PCs ist fast abgeschlossen“. Ebenso seien bestimmte Einstellungen deaktiviert, die in den USA und Indien standardmäßig angeschaltet seien. Digital Markets Act schützt teilweise Mozilla führt das auf die EU-Gesetzgebung des Digital Markets Act zurück. Der soll für mehr Fairness am digitalen Markt sorgen und erlaubt es auch, große Plattformen als sogenannte Torwächter einzustufen. Diese dürfen dann unter anderem auf der Plattform ihre eigenen Produkte nicht gegenüber Drittangeboten bevorzugen. Die EU hatte 2024 Edge wegen eines zu geringen Marktanteils nicht als Torwächter eingestuft. Microsofts Betriebssystem Windows allerdings fällt unter diese Regulierung. Dass Microsoft in der EU auf bestimmte Muster verzichtet, sieht Mozilla als Beleg für eine aktive Entscheidung Microsofts, hinter der keine technische Notwendigkeit steht. Einen Verzicht auf Beeinflussung bedeutet das der Analyse aber auch in der EU nicht. Edge werde zum Beispiel vorab in der Anwendungsleiste angeheftet, was den normalen Ablauf zum Anheften von Apps übergehe, Steuerelemente werden beeinträchtigend unauffällig gestaltet und Nutzerdialoge seien irreführend formuliert. Hat Microsoft Erfolg damit? Zum Herrscher im Browsermarkt macht das kritisierte Vorgehen Microsoft nicht. Laut Zahlen von Statcounter, die die Studie zitiert, hatte Chrome auf dem Windows-Desktop im ersten Quartal 2026 mit 72,2 Prozent Marktanteil klar die Nase vorn. Darauf folgt Edge mit 16,3 Prozent und Firefox mit rund 7,6 Prozent auf Rang drei. Im Vergleich zum ersten Quartal 2024 legte Edge damit um rund vier Prozentpunkte zu, während Chrome, Firefox und Opera jeweils leicht an Anteilen einbüßten. Das könnte auf zumindest einen kleinen Erfolg von Microsofts Strategien deuten. Geräteübergreifend kommt Edge weltweit laut Statcounter aber nur auf rund 5 Prozent. Weiterlesen nach der Anzeige Für die von Mozilla bezahlte Studie zeichnen sich die beiden Wissenschaftler Harry Brignull und Cennydd Bowles verantwortlich. Beide befassen sich mit der Analyse von Bedienoberflächen und Design-Ethik, auf Brignull geht der inzwischen für manipulative Designtricks geläufige Begriff „Dark Patterns“ zurück. Eine Sammlung von Screenshots der kritisierten Designs hat Harry Brignull auf seiner Seite dokumentiert. Mozilla betont, keinen Einfluss auf das Ergebnis genommen zu haben. Beide hatten vor rund zwei Jahren schon einmal im Auftrag Mozillas eine ähnliche Studie durchgeführt, die die Firefox-Macher zum Anlass für scharfe Kritik an Microsofts Gebaren nahmen.