MSC will offenbar den Staatsanteil an der Meyer Werft übernehmen
Die familiengeführte Schweizer Großreederei MSC will offenbar bei der Meyer Werft in Papenburg einsteigen. Laut Berichten von Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise führt die Reederei aktuell Gespräche mit Bund und Land Niedersachsen über die Übernahme von deren gemeinsam rund 80 Prozent Anteilen an der Papenburger Werft.
Das könnte eine der spannendsten Wendungen in der Werftgeschichte der letzten Jahre werden. Die Traditionswerft von der Ems stand vor wenigen Jahren kurz vor der Insolvenz, damals konnte nur noch der Staatseinstieg von Bund und Land den Industriestandort retten. Jetzt könnte MSC zum Mehrheitseigentümer werden und sich damit wichtigen Zugriff auf Kapazitäten für den Bau neuer Kreuzfahrtschiffe sichern.
MSC und die Meyer Werft
Bund und Land Niedersachsen sind 2024 mit jeweils 40 Prozent bei der Meyer Werft eingestiegen, nachdem die Werft in eine existenzbedrohende Schieflage geraten war. Die Meyer-Familie hält seither noch rund 20 Prozent. Nun prüft MSC laut Bloomberg, unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, die Übernahme des kompletten staatlichen Pakets von rund 80 Prozent. Bestätigt ist noch nichts, es handele sich ausdrücklich um Sondierungsgespräche.
MSC wird in den nächsten Jahren wohl zum wichtigsten Kunde der Werft. Im Dezember vergangenen Jahres unterzeichnete die Kreuzfahrtreederei eine milliardenschwere Absichtserklärung über vier Neubauten plus zwei Optionen mit Auslieferung von 2030 bis 2035. Die Finalisierung zu einer festen Bestellung verzögerte sich zuletzt, was auch auf Gespräche zu einer möglichen Übernahme des Staatsanteils zurückzuführen sein könnte. Mit einer eigenen Werft im Rücken hätte die Schweizer Reederei einen Vorteil im Kreuzfahrtgeschäft, insofern wäre ein Einstieg ein logischer und äußerst selbstbewusster Schritt.
Was würde das für Papenburg, Bund und Land bedeuten?
Für Bund und Land wäre ein Verkauf genau das, was seit der Rettung 2024 als Ziel ausgegeben wurde: der Ausstieg aus dem Engagement, sobald die Werft wieder stabil auf eigenen Beinen steht. Erst vor kurzem hatte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies allerdings noch betont, es gebe keine Eile beim Ausstieg. Und auch der neue Werft-Chef André Walter hatte die Sanierung zuletzt als „auf Kurs“ bezeichnet – von einem Verkauf war da noch keine Rede.
Ein finanzstarker Investor wie MSC wäre für die tausenden Beschäftigten in Papenburg sowie die Auftragslage vermutlich eine gute Nachricht. Spannend zu beobachten wäre im Fall einer 80-prozentigen Übernahme allerdings die Reaktion anderer Kreuzfahrtreedereien. Welchen Effekt ein Miteigentümer aus der Branche auf neue Auftragsvergaben von bisherigen Kunden wie der Carnival Corporation und Disney Cruise Line hätte, ist schwer zu beurteilen. Ob und wann aus angeblichen Gesprächen ein Vertrag zur Übernahme der Staatsanteile wird, ist völlig offen; angesichts der politischen Bedeutung der Werft könnte es ein wenig dauern.